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Interview zum Generationswechsel bei Janus TV

"Sind überzeugt, dass wir Sehgewohnheiten ändern müssen"

 

Nach mehr als 20 Jahren hört Helmut Kastner bei Janus TV auf und übergibt an Florian Falkenstein. Im Doppel-Interview sprechen sie über den Zustand des Unternehmens, die künftige Aufgabenverteilung und Pläne für das gerade erst begonnene Jahr.

von Timo Niemeier
21.01.2020 - 10:48 Uhr

Herr Kastner, Sie waren jetzt mehr als 20 Jahre bei Janus TV. Nun gehen Sie in den Ruhestand, wieso gerade jetzt?

Helmut Kastner: Ich habe mehrere Beweggründe. Einerseits wollte ich den Weg frei machen für die nächste Generation. Und dann möchte ich auch noch ein bisschen was von meinem Leben haben, das war der Hauptgrund.

Wie zufrieden sind Sie mit der Entwicklung des Unternehmens in den vergangenen Jahren? Haben Sie ein bestelltes Haus übergeben?

Kastner: Ich glaube schon, dass ein bestelltes Haus übergeben worden ist. Das hängt ja immer auch mit der jeweiligen Situation am Markt zusammen und wie die Sender mit einem umgehen. Aber es ist definitiv ein gutes Fundament da und darauf lässt sich aufbauen.

Sie haben nicht nur als Geschäftsführer aufgehört, sondern auch ihre Anteile am Unternehmen abgegeben. Das ist recht ungewöhnlich, wieso haben Sie sich für diesen radikalen Schritt entschlossen?

Kastner: Ich habe mich zu diesem Schritt entschieden, weil ich ein sehr konsequenter Mensch bin. Wenn ich sage, dass ich aussteige, steige ich ganz aus.

Sie werden künftig also nichts mehr in der Medienbranche arbeiten?

Kastner: Wenn man mich in meinem wohlverdienten Ruhestand fragt, bin ich gerne dazu bereit, etwas zu tun. Mir hat die Arbeit schließlich immer viel Spaß gemacht. Mit einem neuen Blickwinkel und weniger Verantwortung wäre es sicher interessant, in welcher Form auch immer zu agieren.

Die ehemaligen Anteile an Janus TV halten nun Sie, Herr Falkenstein?

Florian Falkenstein: Nein, ich habe die Anteile nicht übernommen. Wir beabsichtigen aber alle, dass ich mittelfristig als Gesellschafter bei Janus TV einsteige. Noch ist es aber nicht so weit. Aktuell halten Andreas Richter und Franz Solfrank alle Anteile an der Janus TV GmbH.

Neben Andreas Richter und Franz Solfrank sind Sie künftig einer der Geschäftsführer, Herr Falkenstein. Wer ist in dieser Konstellation für was zuständig?

Falkenstein: Im Zuge der personellen Neuaufstellung in der Geschäftsführung haben wir unser Team etwas verändert. Franz Solfrank und ich agieren künftig gemeinsam als operative Geschäftsführer. Mit unserem langjährigen Herstellungsleiter Patrick von Seubert haben wir inzwischen auch die Geschäftsleitung erweitert. Er wird künftig also auch die wichtigen strategischen Entscheidungen mittragen. Und auch unser Entwicklungschef Frank Baumann wird künftig in programmstrategischen Fragen involviert sein. Andreas Richter ist der ebenfalls geschäftsführende Mehrheitsgesellschafter, er kümmert sich um die grundsätzlichen strategischen Fragen und an ihn werden wir berichten.

"Ich glaube schon, dass ein bestelltes Haus übergeben worden ist."
Helmut Kastner

Sie arbeiten seit ziemlich genau einem Jahr bei Janus TV. War es von Anfang an geplant, dass Sie Herrn Kastner irgendwann in seiner Rolle ersetzen?

Falkenstein: Vor rund eineinhalb Jahren hat mich Helmut Kastner gefragt, ob ich Interesse hätte, bei Janus TV einzusteigen - mit der Perspektive, irgendwann auch mal seine Aufgaben zu übernehmen. Insofern ist das, was jetzt passiert ist keine Überraschung sondern das, was wir von Anfang an abgesprochen und geplant hatten.

Welche Pläne haben Sie für die Produktionsfirma? Was steht 2020 an und wo gibt es Wachstumspotenziale?

Falkenstein: Wir sind ein Produzent mit langjähriger Erfahrung bei kosteneffizienten Produktionen im Bereich Factual Entertainment. Diese Erfahrungen möchten wir gerne mit möglichst vielen Kollegen auf Senderseite teilen. Tatsächlich glauben wir, dass wir Spezialisten im Bereich täglicher Sendungen sind. Wir produzieren mit "Abenteuer Leben täglich" und "Achtung Kontrolle" zwei tägliche Magazin-Sendungen, die erfolgreich laufen. Wir glauben und hoffen, dass unsere Erfahrungen gerade im täglichen Bereich auch noch anderen Sendern zugute kommen werden.

Janus TV ist auch ein Spezialist für Sendungen bei RTLzwei, Kabel Eins und DMAX - für diese Sender produzieren Sie ganz überwiegend. Wieso ist das so und ist das nicht auch ein Problem?

Falkenstein: Wir sprechen derzeit sowohl mit den beiden großen privaten Sendergruppen, aber auch zum Beispiel mit den Öffentlich-Rechtlichen über neue Formate. Wir sind natürlich in alle Richtungen offen und es ist unser Ehrgeiz, möglichst breit zu produzieren.

2019 hat Janus TV in "Achtung Kontrolle aktuell" sehr aktuell produziert und zudem die Echtzeit-OP in "Die Klinik" umgesetzt. Welche Erfahrungen konnten Sie da sammeln und was kann man daraus für die Zukunft ableiten?

Falkenstein: Wir sind überzeugt davon, dass wir Sehgewohnheiten ändern müssen. Das habe ich schon so gesehen, als ich noch auf Senderseite war. Als Produzent sehe ich das noch viel stärker so. Das Thema live im weitesten Sinne, also zeitnah und aktuell produzieren, ist etwas, dass das lineare Fernsehen viel besser kann als On-Demand-Anbieter. Deshalb möchten wir da gerne weiter machen. Wir haben in dieser Richtung auch neue Projekte in petto und werden Fernsehdeutschland sehr bald mit unserem nächsten Streich überraschen.

Details können Sie da offenbar noch nicht nennen. Aber wo sehen Sie denn ganz generell noch Möglichkeiten, um das Thema "live" voranzubringen?

Falkenstein: Gerade im Factual-Bereich gibt es ganz viele Dinge, die man live thematisieren kann. Wir schauen uns da im Augenblick alle möglichen Sachen an und überlegen uns, was es Wert wäre, auch mal live gezeigt zu werden. Wenn man da ein wenig länger drüber nachdenkt, kommen einem ganz verrückte, aber eben auch sehr spannende Ideen in den Kopf, die so einfach noch nie gemacht worden sind.

Apropos verrückt. Herr Kastner, was war das verrückteste, das Sie während Ihrer Zeit bei Janus TV produziert haben?

Kastner: Die verrücktesten Produktionen? (überlegt) Ich glaube, jede Programmfarbe ist bis zu einem gewissen Grad verrückt. Die verrücktesten Dinge sind aber sicherlich im Gameshow-Bereich zu finden. Ganz einfach, weil dort die verrücktesten Moderatoren unterwegs waren. Ich denke da vor allem an Jörg Draeger, mit dem wir "Geh auf’s Ganze" produziert haben. Was wir dort alles erlebt haben, das geht, wie man in Bayern sagt, auf keine Kuhhaut.

"Gerade im Factual-Bereich gibt es ganz viele Dinge, die man live thematisieren kann."
Florian Falkenstein

Auf welche Sendungen, die Sie produziert haben, sind Sie denn besonders stolz? "Alle" als Antwort zählt nicht!

Kastner: Sie sagen es: Ich bin auf viele Formate stolz, die ich produziert habe. Aber wie gesagt: Die schönsten Momente gab es bei den Gameshows, die Zusammenarbeit mit Jörg Draeger war speziell im besten Sinne. Es war einfach spitze und lustig.

Und wenn Sie jetzt zurückblicken: Gibt es Formate, auf die Sie gerne verzichtet hätten? Oder auf die Sie lieber nicht angesprochen werden wollen?

Kastner: Nein, das habe ich nicht. In jedem Produkt, das man macht, steckt Herzblut. Auch wenn manche davon nicht bei den Zuschauern ankommen. Es gab nichts, wofür ich mich schäme.

Herr Kastner, Herr Falkenstein. Vielen Dank für das Gespräch!

Über den Autor

Timo Niemeier schreibt mit kleiner Unterbrechung seit 2014 für DWDL.de, er lebt in Wien und ist damit der Alpen-Beauftragte. Mag seichte Unterhaltung ebenso wie anspruchsvolle High-End-Serien, kann sich aber auch in Geschäftsberichten verlieren.

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