Armin Assinger © ORF/Günther Pichlkostner
"Millionenshow"-Moderator im Interview

Assinger: "Freilich habe ich zum Günther hinübergeschaut"

 

Die "Millionenshow", das ORF-Pendant zu "Wer wird Millionär?", wird 20. Moderator Armin Assinger spricht mit DWDL.de darüber, wie er als ehemaliger Skirennläufer zur Show kam, wie er die Produktionstage in Köln erlebt und was er sich von Günther Jauch abgeschaut hat.

von Timo Niemeier
22.01.2020 - 08:43 Uhr

Herr Assinger, die "Millionenshow" des ORF wird 20 Jahre alt, Sie moderieren die Sendung seit mehr als 17 Jahren. Was bedeutet das Jubiläum für Sie? 

So lange Zeit eine Sendung zu moderieren ist in der Tat ein Wahnsinn. Ich hätte mir das im Jahre 2002 niemals gedacht, auch 2020 noch durch die Show führen zu dürfen. Nicht, weil ich es nicht hätte tun wollen, sondern vielmehr, weil ich es mir damals nicht habe vorstellen können, dass ein TV-Format so lange "on air" sein könnte. In unserer schnelllebigen Zeit ist das ja wirklich etwas ganz außergewöhnliches. Ich stehe nach wie vor auf meine Arbeit und habe genug Energie für die nächsten 20 Jahre – wenn man mich lässt. Ich freue mich jedes Mal, wenn ich zur Aufzeichnung nach Köln aufbreche.

Da sprechen Sie einen Punkt an: Die "Millionenshow" wird in Köln bzw. Hürth bei der nobeo produziert. Wie fühlt es sich an, eine österreichische Sendung mit entsprechenden Fragen und Kandidaten zu moderieren, während im Publikum oft auch Deutsche sitzen?

Schauen Sie, am Anfang war das gewöhnungsbedürftig, klar. Nicht umsonst heißt es ja, dass der einzige Unterschied zwischen Deutschen und Österreichern die gemeinsame Sprache ist. Und der unterschiedliche Zugang zum "Schmäh". Wir Ösis sind da einfach ein bisschen anders geschnitzt, aber nachdem mittlerweile schon etliche Besucher zu Stammgästen geworden sind, dürfte es mir doch gelungen sein, so manchen für unsere Art des Humors begeistert zu haben. Darüber hinaus sitzen ja immer mindestens 25 Menschen aus Österreich im Publikum, nämlich die Kandidaten und deren Begleiter der weiteren Aufzeichnungen. Wir zeichnen ja pro Termin drei Sendungen auf. Immer wieder sind auch Landsleute da, die sich einen Kölnbesuch inklusive "Millionenshow" gönnen, was der Stimmung natürlich noch mehr gut tut.

Nervt Sie das ständige Pendeln zwischen Österreich und Deutschland nicht?  

Nein. Mir macht das gar nix! Ich bin das ja von früher, vom Skiweltcup, gewohnt. Außerdem freue ich mich dann immer wieder sehr, wenn ich nach Hause, nach Kärnten, komme, in meine geliebten Berge.

Also braucht es Ihrer Meinung nach auch 20 Jahre nach dem Start kein eigenes Studio in Österreich? 

Ich denke das ist jetzt zu spät. Das hätte man wahrscheinlich vor 16 oder 17 Jahren machen müssen, damit sich die Kosten rechnen. So ist es aber auch gut, denn wir sind hier in Hürth großartig aufgenommen worden, haben ein bisserl einen österreichischen Schmäh hereingebracht und das ganze Studio- und Produktionsteam bildet mit uns ORFlern fast so etwas wie eine Familie.

Wie sind Sie damals eigentlich zur Moderation gekommen? Viel Show-Erfahrung hatten Sie 2002 ja noch nicht. Sie sind eigentlich Skirennläufer gewesen und waren damals im ORF schon als Ski-Experte zu sehen. 

Meine ersten Kontakte mit dem Fernsehen hatte ich bereits im Jahre 1989, als ich nach schweren Knieverletzungen eine Saison mit dem Skirennfahren aussetzen musste. Ich fragte damals beim ORF-Sport für das Co-Kommentieren an und man hat mich genommen. Im folgenden Winter setzte ich meine Karriere fort, gewann im Laufe der Jahre noch vier Weltcuprennen, war bei Olympia und den Weltmeisterschaften dabei und als ich aufhörte, hatte ich den Fuß beim ORF schon in der Tür. 1995 ging es dann ernsthaft als Ski-Experte los, mein Ziel war aber schon, irgendwann einmal ins Moderationsfach aufzusteigen und nicht für immer der "Co" zu bleiben.

Wie haben Sie das geschafft?

Hilfreich war der Gewinn der Romy 1998, die ich für die Art und Weise des Kommentierens, insbesondere des "Jahrhundertsturzes" von Hermann Maier in Nagano 1998, erhielt. Danach war ich lästig, bin in der Unterhaltungsabteilung vorstellig geworden und erhielt 1999 eine kleine Show ("Glück gehabt", später "Extrem"), in der ich gefährliche Szenen und Vorfälle aus der TV-Welt, aber auch Skurrilitäten bis 2001 präsentierte. Im Mai 2002 gab es ein Casting, ich wurde eingeladen – und habe es gewonnen. Und jetzt habe ich meine ganz persönliche Goldmedaille erhalten, die mir im Sport verwehrt geblieben ist: die "Millionenshow". Eine schöne Geschichte irgendwie.

Wo sehen Sie die größten Unterschiede zwischen "Millionenshow" und "Wer wird Millionär?"?

Grundsätzlich gibt es ja kaum Unterschiede, denn Ablauf, Lichtstimmung, Fragen, teilweise die Joker, sind ja größtenteils identisch. Allerdings empfinde ich die Fragen bei uns um ein bis zwei Stufen schwieriger als bei RTL.

Schauen Sie "Wer wird Millionär?" und haben sich in den Anfangsjahren etwas von Günther Jauch abgeschaut? 

Freilich habe ich hin und wieder zum Günther hinübergeschaut, weil ich sehen wollte, wie er in gewissen Situationen mit seinen Kandidaten und Kandidatinnen umgeht. Manchmal habe ich mir dann gedacht, dass ich es anders machen würde, österreichischer, und ein anderes Mal hat mich seine Art in meiner Art bestärkt. Schlussendlich ist er einfach einer der besten Moderatoren im deutschsprachigen Raum und ich wäre ja blöd gewesen, ihn und seine Arbeitsweise zu ignorieren.

Was ist Ihr kuriosestes Erlebnis, das Sie in Bezug auf die "Millionenshow" haben?

Poah, mein Gedächtnis lässt echt nach und ich kann mich nur schwer an Details erinnern. Es ist aber so, dass bei jedem Aufzeichnungstermin irgendwas cooles, lässiges, oder wie man heute sagt, geiles, passiert. Immer wieder gibt es Überraschungen und Wendungen und genau darin besteht für mich unter anderem auch im 18. Jahr "Millionenshow" der Reiz der Arbeit.

Und woran denken Sie besonders gern zurück?  

An meine Millionengewinner, ganz besonders an die erste, Christiane de Piero! Das war für mich ein erhebendes Gefühl. Elfriede Awadalla war auch speziell, genau so wie die letzten beiden Gewinner, beides Männer. Die Frauen haben aber die Überhand, ich glaube es steht 6:2 für die Damen.

Anders als in Deutschland gibt es bei der "Millionenshow" neben den bestehenden Promi-Specials keine regelmäßigen Specials (mehr). Wieso ist das so?

RTL veranstaltet ja auch Familien- und Zocker-Specials. Wir hatten früher auch eine Junior-"Millionenshow", die wahnsinnig gut beim Publikum angekommen ist. Auch ein Bürgermeister, ein Muttertags- und Generationenspecial hatten wir schon und neben dem Charity-Raten für die "Licht ins Dunkel"-Aktion gibt es auch alljährlich ein Sportler-Special für die österreichische Sporthilfe. Ich hätte sehr gern wieder eine Junior-Show. Wer weiß, vielleicht kann sich der ORF im September wieder dazu entschließen.

Seit 2019 gibt es mit "Switch" einen neuen Zusatzjoker, damit können die Kandidaten eine Frage tauschen. Der Joker ersetzte damals die "Zweite Chance", bei dem die Kandidaten nochmal antworten durften, wenn sie falsch lagen. Wieso erfolgte der Wechsel und wie wird der neue Joker angenommen?

Der neue Joker "Switch" wird sehr gerne genommen und hält den Spannungsbogen besser als der alte Joker. Mit 50:50 verbunden war mit der 2. Chance der Dampf aus der Frage draußen. So ist es jetzt dramaturgisch viel besser.

Was wünschen Sie sich für die Show in den kommenden fünf Jahren? 

Ganz eindeutig mehr Frauen als Kandidaten! Irgendwie trauen sie sich nicht, dabei beiße ich gar nicht. Und das Verhältnis der Millionäre zeigt ja, dass das weibliche Geschlecht ganz schön g’scheit ist.

Herr Assinger, vielen Dank für das Gespräch!

Über den Autor

Timo Niemeier schreibt mit kleiner Unterbrechung seit 2014 für DWDL.de, er lebt in Wien und ist damit der Alpen-Beauftragte. Mag seichte Unterhaltung ebenso wie anspruchsvolle High-End-Serien, kann sich aber auch in Geschäftsberichten verlieren.

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