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Abdelkarim © Josefine Beitel
Interview zur zweiten "Endlich Klartext!"-Staffel

Comedian Abdelkarim: "Man kennt ja die RTLzwei-Klischees"

 

Comedian Abdelkarim führt in der 2. Staffel von "Endlich Klartext" bei RTLzwei wieder Politiker mit Normalbürgern zusammen. Im Interview spricht er über Sender-Klischees, den Deutschen Fernsehpreis und Erfahrungen, die er mit Rassismus gemacht hat.

von Timo Niemeier
17.02.2020 - 07:57 Uhr

Als damals die erste Staffel von "Endlich Klartext" angekündigt wurde, haben Sie etwas Spannendes gesagt. "Stellen Sie sich vor: Ein RTLzwei-Typ fragt einen Marokkaner, ob er nicht Bock hätte, bei einem Polit-Format mitzumachen." Wie hat sich das damals für Sie angefühlt?

Abdelkarim: Das hat sich sehr komisch angefühlt, es klang etwas nach Verzweiflung. Man kennt ja die RTLzwei-Klischees. Ich weiß natürlich, dass die nicht alle stimmen, trotzdem gibt es sie. Aber schon nach dem ersten Gespräch mit allen Beteiligten war klar, dass es in der Theorie eine coole Sache ist. Alle waren sehr interessiert und haben fokussiert an dem Projekt gearbeitet.

Was hatten Sie am Anfang für Klischees im Kopf, wenn Sie an RTLzwei gedacht haben?

Ach, ich hatte keine bestimmten Klischees im Kopf. Aber ich kenne das natürlich alles und viele Klischees betreffen nicht nur RTLzwei, sondern grundsätzlich das Privatfernsehen. Da heißt es ja oft, dass Leute vorgeführt werden sollen. Mir war es auch wichtig, dass wirklich alles echt ist, was wir da machen und nichts gescriptet ist. Im Gespräch wurde dann aber sehr schnell klar, dass alle Beteiligten ein authentisches Format wollen. Es ging auch nie darum, Politiker oder Normalbürger vorzuführen. Das war insgesamt für mich sehr spannend: Ein Polit-Format für Leute, die so etwas nicht jeden Tag gucken.

Was haben Sie denn während der ersten Staffel über Politik und Politiker gelernt?

Erst einmal fand ich es sehr interessant, dass sich fast alle, die wir eingeladen haben, auch darauf eingelassen haben. Die Absagequote lag bei fast null Prozent, ein oder zwei Politiker mussten aus Zeitgründen absagen. Die Politiker haben sich außerdem auf das Format eingelassen und sich Mühe gegeben, auf die Probleme der Menschen einzugehen. Hier und da hat man aber auch eine leichte Überforderung gesehen, weil es ja ein Unterschied ist, ob man in einer Talkshow an einem Tisch mit anderen Politikerinnen und Politikern sitzt oder wirklich in das Leben von Betroffenen eintaucht. Da kommt man mit Floskeln nicht so weit. Wenn es Politiker mit Floskeln versucht haben, haben sich alle beim Dreh verarscht gefühlt. Vor allem die "Normalbürger" und die haben dann richtig auf Antworten beharrt. Gleichzeitig haben sie gemerkt, dass Politik nicht immer nur schwarz und weiß ist. Einfache Lösungen gibt es nicht.

Hat Sie die Resonanz des Formats überrascht? "Endlich Klartext" hat den Deutschen Fernsehpreis in der Kategorie Beste Information gewonnen. Für RTLzwei ist das alles andere als selbstverständlich.

Da habe ich mich extrem gefreut, vor allem für das gesamte Redaktionsteam, das tolle Arbeit geleistet hat. Mit dem Deutschen Fernsehpreis haben wir alle nicht gerechnet und es war auch nicht unser Ziel. Wir wollten eine gute Sendung machen. Ich weiß nicht wie die Einschaltquoten waren. Aber alle, die es gesehen haben, fanden es sehr cool - obwohl die meisten Bedenken hatten. Ein Polit-Format bei RTLzwei mit einem Comedian, daran hatten viele zuvor nicht geglaubt. Ich auch nicht.

"Mir fällt kein Gast ein, den ich nicht einladen würde."

Die Quoten im linearen Fernsehen waren recht überschaubar, vor allem bei Folge eins. Interessieren Sie sich nicht für TV-Quoten?

Zu meiner Schande muss ich eingestehen, dass ich mich einfach nicht schlau gemacht habe. Die RTLzwei-Redaktion und das Produktionsteam werden die Quoten kennen. Wenn ich von Freunden und Bekannten gar kein Feedback bekommen hätte, hätte ich wahrscheinlich mal nachgefragt. Aber ich habe so viele positive Rückmeldungen erhalten – auch von Zuschauern, die ich gar nicht kenne - das hat mir schon gereicht.

Hatte der Fernsehpreis Auswirkungen bei der Fortsetzung des Formats? Sind Sie leichter an Politiker gekommen?

Niemand hat gesagt, dass er wegen des Fernsehpreises mitmacht. Viele haben aber gesagt, dass sie sich noch einmal die erste Staffel angesehen haben, um zu gucken, worum es eigentlich geht. Das war ein Vorteil für die Politiker in Staffel zwei.

Was erwartet die Zuschauer jetzt in Staffel zwei, produziert erneut von Bvision media?

Das Konzept ist gleich geblieben, wir bringen Politiker mit Normalbürgern zusammen. Wir fokussieren uns dieses Mal aber auf Sozialthemen, weil das derzeit ein großes Thema ist und ziemlich viele Menschen betrifft. Reicht mein Geld zum Leben? Auch das beschäftigt in Deutschland viele Menschen. Es geht immer um Dinge, die exemplarisch sind für die Situation in Deutschland. Wir sprechen zum Beispiel auch über Pflege in der Familie.

Sind Sie eigentlich ein politischer Mensch?

Ja. Ich bin zwar nicht in einer Partei aktiv, aber ich glaube, dass alle Menschen politisch sind. Das merke ich zum Beispiel bei Gesprächen mit Freunden, wenn wir über aktuelle Ereignisse in der Gesellschaft sprechen. Ohne Politik geht es gar nicht. Und Politik ist ja nicht nur, wenn man über Parteien und Wahlergebnisse spricht.

Wie bewerten Sie die vorhandenen Polit-Talks im deutschen Fernsehen? Braucht es mehr Sendungen wie "Endlich Klartext"?

Ich finde die bestehenden Polit-Talks auch nicht schlecht. Was ich vermisse, und das passiert zu selten, ist, dass die Entscheider die betroffenen Menschen treffen und mit ihnen sprechen. Damit die Politiker aus erster Hand erfahren, wo es in der Gesellschaft hakt. Solche Formate kann es nicht genug geben. Denn da geht es um die Sache und nicht um Parolen.

Es gibt ja durchaus auch Kritik an den bestehenden Sendungen und daran, dass sie bei manchen Debatten gefühlt nicht helfen, sondern eher noch Öl ins Feuer gießen.

Diese Kritik gibt es immer und das ist auch nicht unberechtigt. Es kommt immer auf die jeweiligen Ausgaben und die Zusammenstellung der Gäste an. Da muss man natürlich auch auf die Gäste schauen und sich fragen, inwiefern sie an einem konstruktiven Austausch Interesse haben. Oder ob sie eben doch nur ihre Parolen absenden wollen. Letzteres passiert leider zu oft. Aber das hat ja nicht nur mit den Sendungen zu tun. Die Gäste können selbst entscheiden, wie sie sich präsentieren.

"Ich habe die Comedyszene als sehr weltoffen erlebt."

Gibt es für Sie No-Gos? Wann würden Sie einen Gast ausladen oder auch gar nicht erst einladen?

Mir fällt kein Gast ein, den ich nicht einladen würde. Man kann ja nicht nur mit Menschen reden, mit denen man einer Meinung ist. Auch das Produktionsteam hat nicht immer die gleiche Meinung wie das Team vom Sender. Demokratie besteht aus vielen verschiedenen Meinungen, die man aushalten muss, auch wenn sie einem selbst nicht gefallen.

In Ihren Comedy-Programmen geht es oft um ihren marokkanischen Hintergrund, sie thematisieren das sehr offen. Welche Erfahrungen haben Sie gemacht mit Vorurteilen und Rassismus?

Es gibt immer wieder Vorfälle. Die allermeisten Erfahrungen, die ich mache, sind aber schön und machen Spaß. Die meisten Menschen sind ja zum Glück nett und freundlich. Vorurteile sind ja auch nicht immer schlimm, es gibt auch lustige und absurde Geschichten. Wenn ich zum Beispiel draußen vor einem Café frische Luft schnappe, glauben 8 von 10, dass ich der Türsteher bin. Die hoffentlich-lässt-er-mich-rein-Blicke sind immer ein großer Spaß. Oft gehe ich sogar nur deswegen raus. Und dann gibt es eben auch die nicht so schönen Fälle.

Wie sieht es in der Comedybranche aus? Welche Erfahrungen haben Sie da gemacht?

Ich kann nicht für die gesamte Comedyszene sprechen, aber ich habe die Branche als sehr weltoffen erlebt. Die meisten Menschen, die ich kenne, neigen dazu, sich selbst zu hinterfragen. Und wenn man das tut, hat Rassismus gar keine Chance.

Und in der Medienbranche insgesamt? Hier stellt man ja immer mal wieder fest, dass man nicht ganz so divers ist, wie man eigentlich gerne wäre oder sich zum Teil auch sieht.

Da gibt es ja sehr sehr viele Themen, beispielsweise welche Schauspielrollen Menschen mit Migrationshintergrund angeboten bekommen. Das ist ein Thema, das es schon seit mindestens 20 Jahren gibt. In der Comedyszene ist es aber wirklich anders. Es gibt wirklich viele Comedians mit Migrationshintergrund. Da sind wir weit entfernt davon, zu viele Ur-Deutsche zu haben.

Vielen Dank für das Gespräch.

RTLzwei zeigt die zweite Staffel von "Endlich Klartext!" ab dieser Woche immer am Dienstagabend ab 22:15 Uhr. 

Über den Autor

Timo Niemeier schreibt mit kleiner Unterbrechung seit 2014 für DWDL.de, er lebt in Wien und ist damit der Alpen-Beauftragte. Mag seichte Unterhaltung ebenso wie anspruchsvolle High-End-Serien, kann sich aber auch in Geschäftsberichten verlieren.

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