Daniel von Busse © Sport1/Hesse
DWDL.de-Interview mit Sport1-Manager Daniel von Busse

"Wir leben noch sehr klassisch in der Panel-Welt"

 

Daniel von Busse, COO TV und Mitglied der Geschäftsführung von Sport1, sieht kleine Sender bei der Quotenmessung im Nachteil. Mit Blick auf die erste DFB-Pokal-Saison ist er dagegen zufrieden. Ein Gespräch über Rechte und Reichweiten...

von Alexander Krei
04.03.2020 - 11:59 Uhr

Herr von Busse, die erste DFB-Pokal-Saison für Sport1 neigt sich dem Ende entgegen. Haben sich Ihre Erwartungen erfüllt? 

Aus unserer Sicht haben sich die Erwartungen erfüllt, ganz klar. Die Ausgangslage war ja eine besondere, weil wir der erste private Free-TV-Sender seit vielen Jahren sind, dem es gelungen ist, die Pokalrechte zu erwerben. Rückblickend sind wir sehr froh über die Spiele, die wir zeigen konnten – unter anderem mit Borussia Dortmund, dem FC Bayern und RB Leipzig. Heute um 18:30 Uhr steht noch die Partie zwischen Leverkusen und Union Berlin an. Das Halbfinale und Finale werden wir zudem im TV über unsere Highlight-Formate und den "Doppelpass" begleiten sowie auf unseren digitalen Plattformen unter anderem über unsere Clip-Rechte. Wir würden die Rechte jederzeit wieder erwerben. 

Dennoch haben Sie deutlich weniger Zuschauer erreicht als die Kollegen der ARD. Inwiefern muss man da realistisch an die Sache herangehen? 

Wir gehen bei Sport1 immer realistisch an die Sache und können uns gut einschätzen. Mit den Übertragungen haben wir teils deutlich mehr als zwei Millionen Zuschauer erreicht. Gleichzeitig haben wir dem Produkt DFB-Pokal durch unsere ausführliche Rahmenberichterstattung mehr Aufmerksamkeit gegeben als das in der Vergangenheit der Fall war. Daher kann sicher auch der DFB zufrieden sein. 

Kann der DFB-Pokal den Verlust der Europa League ausgleichen, die Ihnen mehrere Jahre gute Quoten bescherte? 

Ich würde beide Wettbewerbe nicht miteinander vergleichen. Von der Europa League konnten wir jährlich 15 Spiele zeigen, beim DFB-Pokal sprechen wir von vier Live-Übertragungen und einem attraktiven Highlight-Paket. Es geht auch gar nicht so sehr ums Ausgleichen. Der DFB-Pokal passt deshalb so gut, weil es hier eine nationale Ausrichtung gibt, die uns sehr gut tut, schließlich verstehen wir Sport1 als Sender der deutschen Ligen – mit Rechten von der ersten bis zur vierten Liga. Dieses Portfolio wird durch den Pokal wunderbar ergänzt. 

Aus Quotensicht stand Sport1 trotz des DFB-Pokals schon einmal besser da. Im Februar lag Ihr Sender bei 0,5 Prozent Marktanteil. Macht Sie das glücklich? 

Ich will immer mehr, das ist keine Frage. Selbst wenn es 5,0 Prozent wären, wäre ich vermutlich nicht zufrieden. Allerdings ist der durchschnittliche Jahresmarktanteil eines Senders wie Sport1 nur sehr bedingt aussagekräftig. Als einer der wenigen kleineren Sender gelingt es uns noch immer, regelmäßig Millionen-Reichweiten zu erzielen – sei es mit dem DFB-Pokal oder dem "Doppelpass", der erst am vergangenen Wochenende wieder 1,2 Millionen Menschen erreicht hat. Klar ist aber auch: Wir wollen weiter wachsen. 

Bloß woher soll das Wachstum kommen? 

Es ist sicher zu kurz gegriffen, alleine auf die TV-Reichweite zu blicken. Das ist nachvollziehbar, weil wir noch sehr klassisch in der Panel-Welt leben. Allerdings: Hohe sechsstellige Abrufzahlen, wie wir sie beim Pokalspiel zwischen Bochum und Bayern im Livestream erreicht haben, werden noch nicht direkt mit der TV-Reichweite gesamtheitlich ausgewiesen. Daran lässt sich erkennen, dass wir die Bewegtbildmessung weiterentwickeln müssen und einheitliche Standards brauchen. Es reicht mittlerweile nicht mehr aus, sich ausschließlich über die TV-Quoten zu definieren. 

Das Thema ist ja nicht neu und Sport1 ist selbst Gesellschafter der AGF. 

Wir unterstützen die Bemühungen und bereits laufenden Projekte der AGF plattformneutral eine einheitliche Bewegtbildwährung einzuführen, die über die klassische TV-Messung hinausgeht. Es ist dann Sache des Werbemarktes dies entsprechend zu honorieren. Im digitalen Wandel der Zeit ist es jedoch höchste Zeit solche Schritte umzusetzen und nicht in alte Schemata zurückzufallen, die sich zunehmend von der tatsächlichen Nutzung entfernen. 

Ein anderes wichtiges Thema ist der Rechteerwerb. Wie schwer ist es heute für einen Free-TV-Sender, an hochkarätige Fußballrechte zu kommen? 

Wir haben es mit einem extrem monetär getriebenen Wettbewerb zu tun. Die Lizenzkosten sind in den letzten Jahren stark angestiegen. Das ist für einen Sender wie Sport1 schon eine Herausforderung, der wir uns selbstverständlich stellen. Für den Augenblick sind wir mit der Konstellation nicht unzufrieden. 

Aktuell läuft die Ausschreibung der Bundesliga-Rechte. Für Sport1 dürfte es nicht zuletzt um die 2. Liga und die Bildrechte für den "Doppelpass" gehen, oder? 

Wir setzen uns mit der gesamten Ausschreibung auseinander. Es sind viele Rechtepakete dabei, die für Sport1 prüfenswert sind. Da wird es sicher nicht nur um den "Doppelpass" gehen. 

Wenn große Rechte immer teurer werden, muss man den Blick dann verstärkt in die Nische richten? 

Ich bin davon überzeugt, dass die Vorteile, die wir auf den Tisch bringen, für Lizenzgeber nicht unwichtig sind. Gerade der DFB-Pokal hat wieder gezeigt, dass wir hohe Reichweiten generieren können. Gleiches galt im Übrigen auch früher für die 2. Bundesliga, die Woche für Woche eine Million Zuschauer erreicht hat. Durch den freiwillig gewählten Abschied vom Free-TV hat die 2. Liga als Gesamtprodukt im deutschen Markt erheblich verloren. Das darf man nicht außer Acht lassen. Dazu kommt unsere 360-Grad-Plattform, mit der wir unsere Übertragungen begleiten. Auch darin liegt ein Wert. 

Aber haben Sie den Eindruck, dass Ihnen das ernsthaft hilft? Im Zweifel entscheiden sich die Lizenzgeber für denjenigen, der das meiste Geld auf den Tisch legt. 

So pauschal würde ich das nicht sagen. Da muss man zwischen den ausschreibenden Lizenzgebern und Agenturen differenzieren. Für mein Empfinden ist die Bundesliga in der Vergangenheit immer sehr verantwortungsvoll mit ihren Entscheidungen umgegangen. Grundsätzlich glaube ich aber schon, dass wir eine Kurzfristigkeit der Turbokapitalisierung sehen, die auf lange Sicht nicht allen Ligen und Verbänden gut tun wird. 

Was meinen Sie? 

Wir haben gute Modelle gefunden, die Schule machen könnten. Ich denke insbesondere an die DEL, bei der wir durch die Partnerschaft mit der Telekom ein ideales Szenario mit Übertragungen im Pay- und Free-TV kreiert haben. Das ist eine Win-Win-Win-Situation – die Telekom ist zufrieden, die Liga ist zufrieden und wir sind es auch. Der echte Fan findet alle Spiele bei der Telekom und wir sorgen mit der wöchentlichen Übertragung für eine stetige Aufmerksamkeit im Free-TV, die der DEL hilft. Diese Lösung ist vernünftig, nachhaltig und intelligent. 

Daneben treiben Sie seit geraumer Zeit eSports voran. Wie kann dieses Thema aus der Nische in die breite Öffentlichkeit gelangen? 

eSports ist ein sehr junges, aber auch sehr starkes Phänomen, das uns bestimmt noch lange begleiten wird. Unser Sender eSports1 ist jetzt ein gutes Jahr alt und wir haben seither viele Kritiker eines Besseren belehren können. Mit unserem Konzept, die Übertragungen redaktionell einzuordnen, verstehen wir uns als komplementäres Produkt zu YouTube und Twitch. Durch das Erklären und Einordnen haben wir bereits einen Schritt in den Mainstream unternommen. Das gilt auch für die Protagonisten, die wir stärker in den Mittelpunkt rücken. Nichtdestotrotz befinden wir uns noch im Aufbau und wollen zusammen mit der Community weiter wachsen. 

Seit einigen Wochen geben Sie der NHL einen regelmäßigen Sendeplatz am Sonntagabend. Schwingt da die Hoffnung mit, einen ähnlichen Hype entfachen zu können wie ProSieben Maxx mit der NFL? 

Großes Kompliment an die Kollegen, die mit der NFL ein tolles Produkt aufgebaut haben. Die NHL ist bei Sport1 allerdings ein anderes Thema. Wir sehen sie nicht in erster Linie als US-Sportrecht, sondern als Teil unserer Eishockey-Strategie. Jedes relevante Eishockey-Spiel in Deutschland findet bei uns auf der Plattform statt, wir sind Partner von DEL und Champions League und zeigen seit 20 Jahren die Weltmeisterschaft. Aus diesem Grund steht uns die NHL sehr gut zu Gesicht. Ganz zu schweigen vom jungen Publikum, das sie anspricht. 

Herr von Busse, vielen Dank für das Gespräch. 

Über den Autor

Alexander Krei ist seit 2009 Redakteur beim Medienmagazin DWDL.de. Liebt die große Fernsehshow ebenso wie das kleine Kammerspiel. Analysiert neue Formate und die Quoten am Morgen danach. Ist Sesselsportler, von Bundesliga bis Darts-WM.

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