Daniel Rosemann © ProSiebenSat.1
ProSieben-Chef Daniel Rosemann im Interview

"Heute muss man dem Zuschauer etwas Einzigartiges liefern"

 

Die zweite Staffel von "The Masked Singer" steht bevor - auf neuem Sendeplatz und mit behutsamen Veränderungen, wie ProSieben-Chef Daniel Rosemann im Interview sagt. Ein Gespräch über den Show-Hit, besondere Ideen und authentische Unterhaltung.

von Thomas Lückerath
09.03.2020 - 00:00 Uhr

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Herr Rosemann, "The Masked Singer" war im vergangenen Jahr ein Riesenerfolg. Gibt es dieses Mal dementsprechend eine "same procedure as every year"? 

Wir sind immer noch vom Erfolg im letzten Sommer beschwingt. Deswegen gehen wir natürlich behutsam an Veränderungen. Das Publikum soll am Ende immer noch das bekommen, was sie in der ersten Staffel Woche für Woche zum Einschalten bewegt hat. Aber ja, es gibt Veränderungen. Das Rate-Panel reduzieren wir von vier auf drei Menschen - Ruth Moschner, Rea Garvey und jede Woche ein anderer Gast. Das konzentriert das Ratespiel. Daneben können die Zuschauer kostenfrei per App abstimmen. Dazu gibt noch zehn weitere wichtige Veränderungen: Die neuen Kostüme.

Also kein Monsterchen mehr?

Doch, das Monsterchen wird in der zweiten Staffel immer mal wieder einen Auftritt haben. Aber zehn neue Prominente bedeuten zehn neue Kostüme. 

Und wie lief nun die Prominentensuche für die zweite Staffel? 

Im ersten Jahr war es gar nicht so leicht, Leute für das Format zu begeistern. Allein darauf zu verweisen, dass das Format schon in den USA lief, überzeugt keinen mehr. Und die Bedingung in einer Live-Show live zu singen, dazu die ganze Geheimhaltung. Da haben wir viel verlangt und es war, sagen wir, herausfordernd, die erste Staffel auf die Beine zu stellen. Für die zweite Staffel haben wir uns vorgenommen, noch mehr Gesichter zu verpflichten, bei denen im Moment der Demaskierung unmittelbar klar ist, wer drunter steckt. "War die nicht mal auf dem dritten Platz beim 'Bachelor‘?' ist nicht prominent genug für "The Masked Singer".

In der ersten Staffel betonte Matthias Opdenhövel gerne, wie ausgezeichnet das Teilnehmerfeld ist. Können Sie das auch schon über die Prominenten der zweiten Staffel sagen?

Es sind wieder alle dabei: Schauspieler, Profi-Musiker, Sportler. Und wenn ich so recht überlege, könnte man die gleiche Catchphrase des vergangenen Jahres tatsächlich wieder verwenden. Wir haben einmal mehr Preisträger aller Art mit an Bord, die teilweise große, nationale Verdienste haben. 

Wie widersteht man der Versuchung die zweite Staffel bei dem großen Erfolg nicht gleich länger zu machen? Es sind erneut nur sechs Folgen…

Diesen Gedanken hatten wir anfangs wirklich, genau genommen ich selbst - und ich habe ihn dann schnell nach einem Tag wieder verworfen. Wir sind mit sechs Folgen einfach gut aufgestellt, da ich das Gefühl vermeiden möchte, dass im Laufe der Sendung wirklich jeder Name mindestens einmal gefallen ist und das Rateteam gar keine Ahnung mehr hat, was es noch sagen soll. Der Erfolg liegt auch im Event-Charakter und wer nach sechs Wochen traurig ist, kann sich auf 2021 freuen.

In den USA läuft gerade schon die dritte Staffel von "The Masked Singer“ und das Interesse ebbt ab. Macht Ihnen das Sorgen für Deutschland?

Nein. In den USA gibt es eine neue Marktsituation. Die Konkurrenz hat sich mittlerweile deutlich verändert. Aus der Ferne beobachtet muss ich zudem sagen, dass ich nicht finde, dass sich die Namen der Prominenten verbessert haben. Das soll nicht arrogant klingen, aber eine gewisse Entwicklung hätte man doch erwarten können. Außerdem senden wir "The Masked Singer" im Gegensatz zu den USA live.  

"Nur eine dieser drei Sendungen ist live. Da macht es etwas mehr Sinn live dabei zu sein, um am nächsten Tag mitreden zu können."
Daniel Rosemann

Stichwort "Marktsituation", die ändert sich auch in Deutschland: Sie wechseln auf den Dienstag und treten gegen "Die Höhle der Löwen" an, das erstmals auch im Frühjahr läuft. Wer hat wen angegriffen?

Niemand hat irgendwen angegriffen. Zunächst könnte man ja sagen: Toll, ab dem 10. März zeigt das deutsche Fernsehen seinen Zuschauern mal an einem Abend, was es kann. Gerade in diesen Wochen ist ein vollbestücktes Supermarktregal doch super. Es ist doch großartig, solch ein Angebot zu haben. Als wir den 10. März angekündigt hatten, war noch kein Gegenprogramm bekannt. Wir haben lediglich ein gutes Timing für den Start der Staffel gesucht und wollten eh nicht darauf gucken, wer was anderes dagegen sendet. 

Also bitte, die offensivste Programmierung im deutschen Privatfernsehen seit Jahren und Sie sagen: Alles halb so wild?

Ich kenne "Die Höhle der Löwen" nur als Programm im Herbst und "Wer wird Millionär?" lief bislang auch nicht auf dem Dienstag. Um das Thema abzuschließen: Nur eine dieser drei Sendungen ist live. Da macht es etwas mehr Sinn live dabei zu sein, um am nächsten Tag mitreden zu können.

Und warum wählten Sie ausgerechnet den Dienstagabend?

Da bin ich ganz offen: Eine Live-Show am Samstagabend wird schwierig, wenn der Moderator bis 20 Uhr noch im Ersten die "Sportschau" moderiert. Am Donnerstag freuen wir uns seit Jahren über Heidi Klum, haben sonst "The Voice of Germany" oder "Queen of Drags" und noch ein paar neue Perlen in Vorbereitung für die neue Saison. Den Dienstag haben wir vor geraumer Zeit als Eigenproduktionstag etabliert und eine hohe Highlight-Dichte versprochen. Und da wir Matthias als Moderator unbedingt behalten wollten, fiel die Entscheidung also nicht schwer.

Können Sie die zweite Staffel "Queen of Drags" bestätigen?

Ja, es geht weiter. Wir suchen gerade auf der ganzen Welt nach tollen Drags, die für die nächste Staffel in Frage kommen. Die Bandbreite dieser Kunstform ist so groß, da haben wir mit der ersten Staffel noch gar nicht alles abgebildet. Die Sendung war bei unseren jüngeren Zuschauern erfolgreich, bei den älteren haben wir über die Staffel Zuschauer verloren. Wir arbeiten am Format und nehmen die Herausforderung an. Vielleicht war es ein bisschen zu viel Soap mit zu viel privaten Alltagsmomenten. Wir wollen mehr Cirque du Soleil: Alle Zuschauer liebten die Auftritte, deswegen sollen die mehr Raum bekommen. 

Und Heidi Klum bleibt an Bord? Sie hat ja auch einige andere TV-Projekte…

Das geht und das geht gut. Von allen Seiten aus. "Queen of Drags" ist eine Herzenssache von Heidi, dass ich manchmal fast schon Angst hatte, dass "GNTM" aus Heidis Herz verdrängt wird. Das ist natürlich nicht so. Wir halten gerne an unserer Jury fest und auch innerhalb der Jury sind alle happy. Heidi bleibt Botschafterin für "Queen of Drags" in Deutschland. 

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