Annette Frier © ZDF/Martin Valentin Menke
DWDL.de-Interview

Annette Frier: "Irgendwann geht’s nicht mehr besser"

 

Über Ostern ist Annette Frier wieder gemeinsam mit Christoph Maria Herbst in der ZDF-Serie "Merz gegen Merz" zu sehen. DWDL.de sprach mit der Schauspielerin über Comedy im Fernsehen, schwierige Themen und eine mögliche Rückkehr von "Danni Lowinski".

von Alexander Krei , Berlin
09.04.2020 - 07:43 Uhr

Frau Frier, Sie sind derzeit viel im ZDF zu sehen – mal als "Ella Schön", dann bei "Merz gegen Merz" und bald auch mit dem "Demenz-Chor". Ist diese Häufung Zufall oder folgt sie einem großen Masterplan?

Pssst. Letztlich plane ich die Übernahme des Lerchenbergs. (lacht) Nein, ich finde, dass das ZDF zur Zeit viele gute Sachen produziert. Die sind richtig aufgewacht, seit die Streamingdienste den Markt aufmischen. Diese drei Projekte sind übrigens völlig unterschiedlich. Da gleicht kein Format dem anderen.

Deutsche Comedyserien waren in den letzten Jahren rar gesät. Worauf führen Sie das zurück?

Das stimmt. Es gibt auch kaum noch Autoren in diesem Bereich. Deshalb muss Ralf Husmann das auch alles selber schreiben. Kein Witz, da ist wenig Nachwuchs vorhanden. Aus jetziger Sicht kann man jedem humorbegabten Abiturienten empfehlen, Comedy-Autor zu werden. Die werden dringend gesucht. Wenn mich vor fünf Jahren jemand gefragt hätte, ob ich demnächst in einer Comedyserie mitspielen werde, dann hätte ich die Chance für sehr gering erachtet, weil dieses Genre außerhalb von "Pastewka" so gut wie gar nicht mehr zur Debatte stand.

Wie wird sich der Schwerpunkt in der zweiten Staffel von "Merz gegen Merz" verlagern?

Das Setting ist ähnlich, zwischen Anne und Erik geht es weiter hoch her. Die Klammer, die vorher unsere Therapeutin war, ist in den neuen Folgen allerdings ein Anwalt. Davon abgesehen bin ich der Meinung, dass Ralf Husmann nochmal zwei Schippen draufgelegt hat. Eine Serie wird ja oft besser, je länger sind läuft, weil man die Figuren, ihre Abgründe und all die Nickeligkeiten noch intensiver kennenlernt. 

Merz gegen Merz

Annette Frier, Philip Noah Schwarz und Christoph Maria Herbst in "Merz gegen Merz". (Foto: ZDF/ Martin Valentin Menke)

Aber wenn eine Serie immer besser wird, wieso hört man dann damit auf?

Irgendwann geht’s nicht mehr besser. (lacht)

Gilt das auch für "Danni Lowinski"?

"Danni Lowinski" hatte eine Märchendramaturgie. Die fing im Keller an und musste ins Obergeschoss. Wir haben ihr 64 Folgen ein Bratwürstchen unter die Nase gehalten, irgendwann musste sie das auch kriegen. Das war genau der richtige Zeitpunkt, um aufzuhören.

Die erste Folge lief vor zehn Jahren. Ein Comeback ist ausgeschlossen?

Im Moment schon. Da warten wir noch besser noch zehn Jahre. Marc Terjung, dieser andere wunderbare Autor neben Ralf Husmann, hat schon mal herumgesponnen, ob sich die Geschichte fortsetzen ließe. Aber das fühlte sich noch nicht richtig an. Vielleicht auch, weil sich die Gesellschaft so sehr verändert hat. 

Das Format ist auch international immer wieder auf Interesse gestoßen. Wie haben Sie das wahrgenommen?

Ich finde das schon verblüffend, zu sehen, wie die Figuren im Ausland dargestellt werden. Man merkt sofort: Das ist nachgemacht und alle versuchen, so ein bisschen wie wir zu spielen. In Belgien wurden sogar exakt dieselben Einstellung gedreht wie bei uns. Das ist witzig, aber auch wahnsinnig schräg.

Bei "Merz gegen Merz" gibt es einen an Demenz erkrankten Vater. Hat Sie das zur Expertin für den "Demenz-Chor" gemacht oder wie kam die Verbindung zustande?

Die Verbindung ist rein zufällig, aber es gibt vielleicht eine Brücke zwischen den Formaten. Michael Wittenborn spielt diesen demenzkranken Vater so traurig und lustig zugleich. Da muss man manchmal echt schlucken. Und auch in unserer Doku will ich versuchen, in dieses schwarze Loch Demenz ein wenig Licht zu bringen. 

Hatten Sie Berührungsängste?

Ich hatte keine Berührungsängste mit dem Thema, aber mit dem Format, weil ich bislang fürs Fernsehen noch nie zu Menschen nach Hause gegangen bin, um mir etwas erzählen zu lassen. Eine Stärke des Formats ist der wissenschaftliche Aspekt, dass nämlich Musik eine Therapieform ist, die Menschen mit Demenz hilft. Dieses hoffnungsvolle Element hat mir von Beginn an gut gefallen.

Kann es sein, dass Sie einen Hang zu schwierigen Themen haben? Die Figur der Ella Schön, die Sie inzwischen seit einigen Jahren spielen, leidet am Asperger-Syndrom.

Ich weiß nicht, ob es ein Hang zu schwierigen Themen ist. In jedem Fall aber interessiert es mich, im Drama das Komische zu suchen und im Komischen das Drama. Das ist vielleicht die Gemeinsamkeit.

Wussten Sie gleich, wie Sie diese Rolle verkörpern wollen?

Eine Asperger-Autistin spielt man nicht auf Knopfdruck. Das geht nur, indem man übt und übt und übt. Das war wie ein Training, erst ein theoretisches und dann ein praktisches. Dennoch war ich an den ersten drei Drehtagen völlig verloren. Mit der Zeit hat sich mein Zugang zu der Rolle zum Glück verändert. Wenn ich im Sommer hoffentlich wieder Ella Schön verkörpern werde, dann ist das ein bisschen wie Fahrradfahren. Das verlernt man nicht.

Frau Frier, vielen Dank für das Gespräch.

"Merz gegen Merz" läuft am Donnerstag um 22:15 Uhr sowie am Osterwochenende vom 11. bis 13. April jeweils in Doppelfolgen. Alle acht Folgen stehen zudem ab Donnerstag um 16:00 Uhr in der ZDF-Mediathek zum Abruf bereit.

Über den Autor

Alexander Krei ist seit 2009 Redakteur beim Medienmagazin DWDL.de. Liebt die große Fernsehshow ebenso wie das kleine Kammerspiel. Analysiert neue Formate und die Quoten am Morgen danach. Ist Sesselsportler, von Bundesliga bis Darts-WM.

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