Frau Schildknecht, der Start von Paramount+ ist erst zwei Monate her. Seitdem hat Paramount+ so viele deutsche Eigenproduktionen veröffentlicht wie kein anderer Streamingdienst beim Markteintritt. Schießen Sie mit Kanonen auf Spatzen?

Schildknecht: Nein. Die deutschen Konsument:innen erwarten lokale Produktionen. Deswegen sind wir sehr selbstbewusst in den Markt eingetreten und wollten den großen Aufschlag. Ich kann jetzt schon sagen: Wir sind sehr zufrieden mit den lokalen Produktionen, die wir gelauncht haben. Sowohl im Scripted-Bereich als auch im Unscripted-Bereich. 

Wie definiert sich denn zufrieden?

Schildknecht:
So gerne würde ich mit breiter Brust über die Zahlen sprechen, aber das kann ich natürlich nicht. Ich kann nur sagen: Wir haben mit der Performance unserer Eigenproduktionen die eigenen Erwartungen übererfüllt.



Innerhalb von zwei Monaten starteten „Der Scheich“, “Simon Becketts: Die Chemie des Todes“, “Dating Naked“ und diese Woche „A thin line“. Bleibt es bei dem Tempo?

Schildknecht: Gleich im ersten Jahr wollen wir beweisen, dass uns bei Paramount+ lokale Eigenproduktionen wichtig sind und wir auch in Deutschland zuhause sind. Zur genauen Taktung kann ich nichts sagen, aber die zahlreich angekündigten und in Produktion befindlichen Projekte zeigen, dass wir unser enormes Investment in lokale Produktionen auch 2024 fortführen. 

Noch 2023 kommt „Eine Billion Dollar“, produziert von W&B Television. Wie kam es zu dem Projekt, Herr Berg?

Berg: Paramount+ hat tatsächlich sehr früh strategische Weichen gestellt. Wir reden hier von einer Zeit vor zwei Jahren als noch gar nicht klar war, wie der Launch in Deutschland, Österreich und der Schweiz aussehen wird. Trotzdem ist Paramount+ sehr früh auf Partner zugegangen, um ein klares Bekenntnis für lokalen Content abzugeben. Wir haben uns sehr gefreut, zu diesem Kreis gehört zu haben. Es folgten einige sehr gezielte Vorschläge unsererseits. Dass "Eine Billion Dollar" perfekt passt, war ein schneller Konsens. Uns wurde von Anfang an großes Vertrauen geschenkt und viel Freiheit in den Entscheidungen gegeben, wofür ich sehr dankbar bin.

Ein Umstand der bei jedem neuen Auftraggeber bejubelt wird, der noch kein eigenes Team aufgebaut hat - bis dann selbst bei manchem Streamer Redakteursfernsehen gemacht wird?

Berg: Wenn Redakteursfernsehen so aussieht wie mit Susanne und ihrem Team, dann lieben wir Redakteursfernsehen. Aber klar: Wenn Firmen in etabliertere Phasen kommen, ändern sich auch die Notwendigkeiten. Je mehr Daten und gewonnene Erkenntnisse gesammelt sind, desto mehr wird der Dialog und die Strategie auch mit diesen Informationen arbeiten. Das macht es fokussierter, liefert aber natürlich mehr Leitplanken und damit meist weniger Freiheit. 

Schildknecht: Es gibt noch einen Unterschied zu manch anderen Playern, der bleiben wird: Es liegt in der DNA von Paramount, mit Kreativen zu arbeiten. Wir sind per se kein Tech-Unternehmen sondern verstehen es als Hollywoodstudio schon seit vielen Jahrzehnten mit Kreativen vertrauensvoll und auf Augenhöhe zu agieren. Da muss man auch mal machen lassen. Große Kunst ist selten das Ergebnis von Kompromissen.

Eine Billion Dollar © Gordon Mühle / W&B TV v.l.n.r.: Kerstin Nommsen (W&B Television), Lutz Stiba (Paramount), Andreas Eschbach, Anna-Katharina Brehm, (Paramount), Susanne Schildknecht (Paramount), Stefan Holtz, Philip Froissant, Florian Baxmeyer, Alessandra Mastronardi, Oliver Masucci, Quirin Berg (W&B Television), Florian Iwersen, Isabell Braak, Steffen Kottkamp, (Paramount)

„Eine Billion Dollar“ ist die Verfilmung eines Bestseller-Romans von Andreas Eschbach. Um was geht’s?

Berg: Die Grundidee: Ein junger Mann erfährt von einem Tag auf den anderen, dass er Erbe des größten Vermögens der Welt ist, dieses aber mit der Prophezeiung verbunden ist, dass er die Welt retten wird. Die Geschichte ist faszinierend und groß. Sie wirft diese Frage auf, deren Beantwortung man dringend erleben möchte. Wir hatten das große Glück, auf diesen starken Pitch aus dem Roman bauen zu können. Andreas Eschbach hat mit diesem Bestseller einen tollen Job gemacht und sich vor über 20 Jahren schon sehr vorausschauend mit der Zukunft auseinandergesetzt. hat Vieles von dem, was uns heute beschäftigt, wurde schon damals in dem Roman angerissen.

Schildknecht: Die Themen, die behandelt werden, sind relevanter denn je. Das waren für mein Team und mich der springende Punkt bei der Entscheidung genau dieses Projekt umsetzen zu wollen. Der zweite Punkt war, dass die Geschichte so wie ihr, Quirin, das angelegt habt, einen globalen Charakter hat. Genau das sucht Paramount+. Ein dritter Punkt ist auch, dass uns klar war: „Eine Billion Dollar“ wird unser größter Aufschlag im ersten Jahr von Paramount+. Dafür braucht es Partner, die ein Garant sind für Erfolge auf diesem Level. Das Team von W&B Television ist so ein Garant.

Jetzt ist das Buch vor mehr als 20 Jahren erschienen. Wie sehr wird sich die Serie vom Buch unterscheiden? Welche Anpassungen waren nötig?

Berg:
Die Kernfrage des Buches bleibt: Als sich dieser junge Mann mit der Prophezeiung auseinandersetzt, muss er feststellen, dass er ganz großen Fragen gegenübersteht. Er soll der Welt ihre Zukunft wieder geben. Das kann viel bedeuten. Er merkt also schnell, dass eine große Verantwortung mit dem Erbe einhergeht. Was braucht denn die Welt, um ihr eine Zukunft zu garantieren? Das sind heute wie damals ähnliche globale Herausforderungen. Aber in einem Punkt unterscheiden wir uns durchaus vom Buch: Der Roman hat dramaturgisch den Weg gewählt, zum Finale eine Lösung anzubieten. Da hatten wir die Freiheit nochmal etwas breiter zu denken. Wir glauben aber, dass wir interessante Impulse setzen. Die Serie wirft außerdem noch  eine andere Frage auf, die sich wohl jeder von uns schon mal gestellt hat: Was würde ich tun, wenn ich so richtig viel Geld hätte? Wobei die Antwort nur auf den ersten Blick leicht scheint.

Und Andreas Eschbach ist auch fein mit diesen Änderungen?

Berg:
Wir haben größten Respekt vor seiner Arbeit und auch er hat die Arbeit unserer Autoren Stefan Holtz und Florian Iwersen sehr geschätzt. Die ein oder andere Idee hätte er gerne selber gehabt – ein schönes Kompliment, dass er den Kollegen gemacht hat. Wir waren da in einem sehr guten Dialog. 

Sprechen wir kurz über den Cast: Wie kam dieser zustande?

Schildknecht: Ich hatte wahnsinnigen Respekt vor der Besetzung der tragenden Rolle des John. Die Besetzung musste recht jung sein, den Wandel des John mitmachen und vor allem das Publikum durch die gesamte Serie tragen. Aber Quirin kam schon früh mit der Idee: Philip Froissant - unglaublich toll spielt und ausfüllt.

Die Musik von „Eine Billion Dollar“ kommt von Michael Kadelbach und Martina Eisenreich. Das klingt nach einer ungewöhnlichen Mischung…

Berg: Wir haben mit Florian Baxmeyer einen großartigen Regisseur für das Projekt gewonnen, der inhaltlich und natürlich auch in der Zusammenstellung des Teams maßgeblich Einfluss genommen und gemeinsam mit Isabell Braak, die die Regie bei zwei Episoden übernommen hat, die Serie prägt. Unser Komponisten-Duo  steht einfach für einen tollen Sound. Die Serie hat Tempo, Wucht, aber auch eine gewisse Epik. Entsprechend passt es, hier auch elektronische Elemente mit reinzunehmen.

In welcher Phase ist das Projekt denn aktuell?

Berg: Wir drehen gerade den deutschen Teil zu Ende. Dann steht noch ein kleiner Block in Spanien an. Im Herbst werden wir dann alles liefern. Natürlich war der Dreh aufgrund der bekannten Themen, die alle in den vergangenen Jahren beschäftigt haben, mitunter auch sehr herausfordernd. Aber die Produzentin Kerstin Nommsen und das ganze Team haben das beeindruckend gemeistert. 

Schildknecht: Das Tempo ist sportlich, aber „Eine Billion Dollar“ wird noch in diesem Jahr bei Paramount+ zu sehen sein.

Frau Schildknecht, Herr Berg, herzlichen Dank für das Gespräch.