„Die deutschen Produktionen sind sehr wichtig“, sagt Tara Erer, Head of Northern Europe Originals bei Amazon Studios, auch mit Blick auf die gerade vorgelegte Statistik der erfolgreichsten nicht-englischsprachigen Produktionen von Prime Video. Drei deutsche Projekte in den Top5, genauer gesagt Top4. Aber: „Wir wollen immer zunächst einmal einmal die richtige Geschichte erzählen für den jeweiligen Markt. Wir schauen nicht darauf, welche Storys auch gut in anderen Märkten performen könnten. ‚Maxton Hall‘ war ursprünglich auch nicht global geplant. Wir haben eine Serie für das deutsche Publikum gemacht.“
Die Dynamik, die dann entstanden ist, hat man natürlich gerne mitgenommen, erklärt Erer mit zufriedenem Lächeln bei einem digitalen Roundtable-Interview am Rande des ersten International Originals Showcase von Prime Video, bei dem neben DWDL aus Deutschland auch "The Spot" dabei war (wo daraus ein "exklusives Interview" wurde). Neben Erer nahm auch ihre Chefin, Nicole Clemens, Head of International Originals, an der Runde teil. Erleben wir gerade die Renaissance der Romantik? "Maxton Hall" und die "Culpa"-Filme oder auch "Der Sommer als ich schön wurde" bei Prime Video, aber auch andere Streamer sind gerade in dem Genre sehr erfolgreich unterwegs.
„Ich würde sagen, dass wir uns in ‚Alle wollen die Realität ausblenden‘-Zeiten befinden“, so Clemens auf die Frage. Ganz persönlich wünsche sie sich durchaus wieder mehr RomCom ergänzt sie. „Schauen Sie sich an, was ‚Hamnet‘ gerade im Kino erreicht, mit einer eigentlich simplen Geschichte.“ Mit „Maxton Hall“ aus Deutschland aber auch den „Culpa“-Filmen aus Spanien zeige sich: „Das gerade populäre Young-Adult-Genre wird von Jugendlichen genauso wie Erwachsenen geschaut“, so Clemens. Sie liefert auch gleich eine Erklärung: „Es geht darum, wieder zurück in diese Zeit zu kommen, in der man im Leben die intensivsten Gefühle hatte und alles möglich schien.“
Tara Erer erklärt sich den Boom auch mit neuen Quellen für Adaptionen. „Der Buchmarkt hat sich verändert, mit Auswirkungen auch auf Filme und Serien. Social Media, Phänomene wie BookTok und Wattpad, schaffen eine neue Sichtbarkeit und größere Reichweite. Die Landschaft hat sich dahingehend demokratisiert. Es sind jetzt nicht mehr nur die ‚Sunday Times‘-Bestseller, die verfilmt werden, sondern Geschichten aus so vielen anderen Bereichen. Wir sehen die klassische Romanze, aber auch in Kombination mit Thriller- oder Action-Elementen. Die Beziehung zwischen Menschen bildet dabei mmer den Kern.“
Und dann gibt sie noch einen Einblick in einen weiteren Aspekt, der das Genre für Prime Video so attraktiv macht: „Bei Phänomenen wie ‚Maxton Hall‘ oder auch den ‚Culpa‘-Filmen sehen sich die Menschen das Ganze nicht einmal, sondern teils vielfach an. Sie funktionieren wie Weihnachtsfilme.“ Letztlich aber wollen Menschen bewegt werden; das gehe mit diesem aber auch anderen Genres, so Nicole Clemens. Offensichtlich auch erfolgreich mit Produktionen aus Deutschland.
„Die besten Serien wissen auch, wann ihre Geschichte fertig erzählt ist.“
Northern Europe-Chefin Erer lobt beim Thriller „Der Heimweg“ Autor Sebastian Fitzek als starken Geschichtenerzähler - „und das Genre hilft dabei, international erfolgreich zu sein“. Intensive Gefühle auslösen, das sei auch mit „Der Tiger“ gelungen. Sie hebt die filmische Arbeit von Dennis Gansel bei „Der Tiger“ oder Martin Schreier bei „Maxton Hall“ hervor. Aber neben diesen „Out of home country“-Produktionen gehe es immer auch um lokale Produktionen fürs lokale Publikum wie etwa das gerade gestartete „Fabian und die mörderische Hochzeit” oder auch non-fiktionale Formate, mit denen man besonders gut Comedy-Talents an sich binden könne. Erer: „Wir werden die Balance beibehalten“.
Wie ist es eigentlich um die Serie bestellt? Einst waren die Staffeln lang und zahlreich. Heute werden oft nur Miniserien realisiert. Nicole Clemens, Head of International Originals, bleibt bei der Frage zurückhaltend. Grundsätzlich seien langlaufende Serien natürlich fantastisch, aber die Herausforderung liege darin, das Publikum mit jeder neuen Staffel wiederzubekommen. Und ein Episoden-Volumen wie es bei den Networks früher Standard war, sieht sie nicht. Clemens sieht es pragmatisch und steht zu den kürzeren Staffeln: „Die besten Serien wissen auch, wann ihre Geschichte fertig erzählt ist.“ Da würde sie dann auch nichts strecken wollen.
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