Über die Hälfte der Olympischen Winterspiele von Mailand und Cortina ist bereits gelaufen und insbesondere für ARD und ZDF hat sich die Hoffnung auf einen Quoten-Erfolg schon früh erfüllt. Teils mehr als sieben Millionen Zuschauerinnen und Zuschauer fieberten in der ersten Woche bei den Übertragungen der Wettbewerbe mit, in der Spitze erzielten die öffentlich-rechtlichen Sender Marktanteile von über 40 Prozent. Möglich wurde das auch deshalb, weil die Winterspiele erstmals seit zwei Jahrzehnten wieder in der mitteleuropäischen Zeitzone stattfinden.

Doch es ist längst nicht nur die fehlende Zeitverschiebung, die die Übertragungen in diesem Jahr so sehenswert macht. In Erinnerung werden die Spiele vor allem aus technischer Sicht bleiben: Dank des großflächigen Einsatzes von Kameradrohnen vermittelt sich die Geschwindigkeit zahlreicher Wintersportarten so eindringlich wie nie zuvor. Ob bei den Rodlern und Bobfahrern im Eiskanal, bei den Skirennläufern auf der Piste oder den Skispringern an der Schanze: Immerzu fliegen die Drohnen den Athletinnen und Athleten in atemberaubender Geschwindigkeit surrend hinterher, sodass man als Fan mitunter den Eindruck bekommt, selbst an den Wettbewerben teilzunehmen.

Insgesamt 25 Drohnen kommen in sämtlichen Outdoor-Sportarten sowie vereinzelten Hallensportarten zum Einsatz, darunter etwa beim Eisschnelllauf. Ermöglicht werden die spektakulären Bilder mit ihren neuen Perspektiven von den Olympic Broadcasting Services (OBS). "Wir sahen eine Chance, die Berichterstattung über den Sport in eine neue Dimension zu bringen", erklärte OBS-Chef Yiannis Exarchos jünst. "Besonders für einige der Wintersportarten war es eine großartige Gelegenheit, wirklich zu zeigen und den Menschen das Gefühl zu geben, wie es tatsächlich ist, diese Sportarten auf diesem Niveau zu betreiben."

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Exarchos sagt aber auch, dass nicht die Technologie es ist, die im Vordergrund steht. "Es geht darum, die ansprechendsten Möglichkeiten zu finden, die Geschichten der größten Athleten der Welt auf die effizienteste Art und Weise zu erzählen." Bei den meisten Sportlerinnen und Sportlern kommt das gut an. "Zum ersten Mal konnten viele der Athleten wirklich sagen: 'Jetzt können die Leute erleben, wie es sich anfühlt, einen Bob zu fahren, im Schlitten zu fahren oder bergab zu fahren'", sagt er, schließlich könne das Publikum nun "genau das gleiche Gefühl bekommen".

Kritik kam nur vereinzelt auf – etwa vom deutschen Rodel-Olympiasieger Max Langenhan, der gegenüber der "Sportschau" Raum für Verbesserungen benannte. "Mich köpft jetzt wahrscheinlich jemand, aber: Wenn mehrere Kurven nicht gezeigt werden, die für uns Schlüsselstellen sind, ist das schon doof. Die Drohne ist cool, aber die müssen einfach näher ran."

Drohnen bei Olympia © IMAGO / Bildbyran Eine Drohne hinter dem schwedischen Freestyle-Skifahrer Rasmus Stegfeldt.

Entscheidend ist allerdings nicht zuletzt der Aspekt der Sicherheit. Um die zu gewährleisten, hat es im Vorfeld der Olympischen Spiele umfangreiche Testprogramme gegeben – auch um sicherzustellen, dass die Wettbewerbe nicht durch die Drohnenflüge beeinträchtigt werden. Dass die Sorge nicht unberechtigt ist, zeigt ein Blick zurück: Als vor über zehn Jahren erstmals Kameradrohnen bei Skirennen eingesetzt wurden, ging eines der Geräte nur knapp hinter dem österreichischen Abfahrtsstar Marcel Hirscher zu Boden.

Von Vorfällen dieser Art blieben die diesjährigen Winterspiele glücklicherweise verschont. Dabei spielt auch Erfahrung eine entscheidende Rolle – und beim Skispringen ist der Drohnenpilot gar selbst im Skispringen aktiv, erklärte Yiannis Exarchos vom OBS. Gut fürs Publikum, das sich dank der spektakulären Aufnahmen in diesem Jahr in manchen Momenten selbst wie ein Olympiasieger fühlen kann.