Die Corona-Pandemie hat auch die Arbeitsweise in vielen Unternehmen verändert, nahezu überall wird seither verstärkt im Home Office gearbeitet. Das führt sogar soweit, dass sich ganze Arbeitsplatz- und Bürokonzepte ändern, weil man plötzlich nicht mehr allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern gleichzeitig einen Platz vor Ort im Büro anbieten muss. Der Bedarf nach Bürofläche sinkt. ProSiebenSat.1, das nach wie vor mit dem Bau seines "New Campus" steckt, beschäftigt das ebenso wie den BR, der kürzlich mit einem Großteil der Belegschaft nach Freimann gezogen ist. 

Schon vor rund zwei Jahren gab es eine Fülle an Unternehmen, die damals ihre Home-Office-Regelungen anpassten. Nach dem weitgehenden Ende der Corona-Pandemie beorderte man große Teile der Belegschaft wieder verstärkt ins Büro, darunter waren damals Unternehmen wie SAP und Otto. Es war offenbar nur ein erster Schwung, zuletzt häuften sich wieder die Berichte über Unternehmen, die ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ins Büro zitieren. Sowohl bei Volkswagen als auch bei Hugo Boss soll die Belegschaft künftig weniger oft im Home Office arbeiten. 

Und in der Medienbranche? DWDL.de hat sich in den zurückliegenden Wochen umgehört und wollte wissen: Wie sieht die aktuelle Home-Office-Regelung bei Sendern, Streamern und Produktionsfirmen aus? Was waren die ausschlaggebenden Gründe dafür und wie hat sich der Umgang mit dem mobilen Arbeiten in der Zeit seit Corona verändert? Allgemeingültige Antworten gibt es nicht. Einige Unternehmen machen sich aktuell Gedanken, wie sie ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter verstärkt zurück ins Büro holen können. Bei anderen setzt man nach wie vor auf viel mobiles Arbeiten.  

RTL © RTL
RTL Deutschland, das auch aufgrund des aktuellen Stellenabbaus künftig deutlich weniger Bürofläche brauchen wird, verweist auf Anfrage auf eine Konzernbetriebsvereinbarung, die Anfang 2024 geschlossen wurde. Diese ermöglicht es den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, neun Tage im Monat mobil zu arbeiten. Diese Regelung gilt für alle Abteilungen und Funktionen, in denen flexible Arbeitsmodelle umsetzbar sind. Sprich: Wer vor Ort unentbehrlich ist, kann kein Home Office machen. "Weitere Flexibilität im Mobile Office kann in den Teams besprochen und mit der Führungskraft vereinbart werden", heißt es von einem Unternehmenssprecher, der auch sagt, diese Regelung würde aktuell gut funktionieren - "gerade auch mit Blick auf die zunehmende Umsetzung von Shared Desk Konzepten, die den Mitarbeitenden flexible Arbeitsplatzbuchungen an den Standorten ermöglichen".

ProSiebenSat.1 © ProSiebenSat.1
Bei ProSiebenSat.1 betont man, "überwiegend in hybriden Arbeitsmodellen" zu arbeiten. Dabei habe man sich bewusst gegen ein One-size-fits-all-Lösung entschieden. Seit 2022 setzt man stattdessen auf vier Modelle: On Campus (Sehr hoher Präsenzanteil), Traveller (feste, teamdefinierte Präsenztage pro Woche), Flexibel (Kombination aus festen und flexiblen Office-Tagen) und Highly Remote (durchschnittlich weniger als ein Präsenztag pro Woche). "Die jeweiligen Bereiche wählen das Modell, das am besten zu den Aufgaben und Arbeitsweisen passt", sagt eine Unternehmenssprecherin. 

Die vier Arbeitsmodelle hätten sich in der Praxis bewährt und würden die Grundlage der hybriden Arbeitswelt legen, heißt es aus Unterföhring. "Gleichzeitig verstehen wir diese Modelle nicht als starres System: Die Bereiche prüfen regelmäßig, ob das gewählte Modell noch zu ihren Aufgaben und Arbeitsanforderungen passt. In einigen Fällen wurden Modelle angepasst, Teamtage verändert oder Präsenzanteile neu definiert." Generell habe der Campus in Unterföhring nach dem Ende der Corona-Pandemie als zentraler Ort für Austausch, Zusammenarbeit und Kreativität an Bedeutung gewonnen. Viele Mitarbeitenden würden das Büro inzwischen wieder regelmäßig nutzen. 

Internationale Regelungen bei Streamern

Netflix © Netflix
Bei Netflix Deutschland verweist man auf Anfrage auf ein vor rund zwei Jahren ausgearbeitetes Kultur-Memo, das für den gesamten Konzern gilt. Darin ist zwar kein festes Arbeitsmodell inklusive Home-Office-Regelung festgehalten, Netflix definiert aber einige Leitplanken, die dann auch dafür gelten. Ein entscheidender Satz im Memo findet sich unter dem Punkt "Menschen vor Prozessen". Dort heißt es: "Wenn Mitarbeitende die Informationen und die Freiheit haben, um eigenständig Entscheidungen zu treffen, erzielen sie bessere Ergebnisse." Potenzielle Home-Office-Regelungen werden beim Streamingdienst also individuell vereinbart. 

Überhaupt feiert sich Netflix selbst dafür, extrem wenige feste Regeln zu haben. Die Urlaubsrichtlinie besteht nach Unternehmensangaben aus zwei Wörtern: "Nimm Urlaub". Und auch bei den Spesen vertraut Netflix seiner Belegschaft und gibt lediglich vor: "Handle im besten Interesse von Netflix." In dem Memo räumt der Streamer zwar ein, auch "einige Misserfolge" mit Personen erlebt zu haben, die diese Freiheiten ausgenutzt hätten. Dennoch habe der Fokus auf Autonomie Netflix so erfolgreich gemacht. "Die größte Bedrohung in der Unterhaltungs- und Technikbranche ist ein Mangel an Kreativität, Flexibilität und Innovation. Aus diesem Grund ist das beste Mittel für langfristigen Erfolg, möglichst wenig feste Regeln und Prozesse zu haben und Mitarbeitenden die Freiheit zu geben, ihr eigenes Urteilsvermögen zu nutzen und aus ihren Fehlern zu lernen." Und doch ist in der Branche durchaus bekannt, dass der Hauptsitz in Berlin eine zentrale Rolle für Netflix spielt. Einige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter müssen wöchentlich auch aus weit entfernten Teilen der Republik pendeln. Wie das zur angeblichen Freiheit passt: unklar. 

Prime Video © Amazon
Bei Prime Video verweist man auf einen rund eineinhalb Jahre alten Blog-Eintrag von Amazon-CEO Andy Jassy. Dort schwörte der Boss die Belegschaft auf einige Veränderungen ein. Das Ziel: In den meisten Fällen sollen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wieder an fünf Tagen in der Woche ins Büro kommen. Ausnahmen sollen nicht die Regel sein, sondern nur in speziellen Situationen gewährt werden. "Wenn wir auf die letzten fünf Jahre zurückblicken, sind wir weiterhin davon überzeugt, dass die Vorteile der Zusammenarbeit im Büro erheblich sind", schrieb Jassy im September 2024. Man habe beobachtet, dass es dadurch für viele Angestellte einfacher sei, um "unsere Kultur zu erlernen, zu verinnerlichen, zu praktizieren und zu stärken". Zusammenarbeit, Brainstorming und Erfindungen würden im Büro einfacher und effektiver funktionieren. 

2024 berichteten einige Medien allerdings über eine Ausnahmeregelung bei Amazon - und diese soll ausgerechnet den deutschen Markt betreffen. Hierzulande sollen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, anders als in anderen Ländern, auch weiterhin an zwei Tagen in der Woche im Home Office arbeiten dürfen. Ob es dieses Regelung für Deutschland nach wie vor gibt, will man bei Amazon auf Anfrage nicht kommentieren. 

ÖRR: Wahlweise Tarifvertrag oder formlose Regelung

Einen explizit anderen Weg als Amazon geht der Mitteldeutsche Rundfunk (MDR). Auf die Veränderungen durch Corona angesprochen erklärt ein Unternehmenssprecher: "Die Arbeitswelt hat sich in dieser Zeit stark verändert und ein Zurück zu einer restriktiven Präsenzkultur kam für uns im MDR und für unsere Mitarbeitenden nicht mehr in Frage." Durch die Pandemie mussten plötzlich viele Menschen ins Home Office und es zeigte sich, welche Jobs auch mobil gut durchführbar sind - und welche nicht. Seit 2021 gilt nun eine entsprechende Dienstvereinbarung, die alles regelt. 

MDR © MDR
Im MDR gibt es keine festen Quoten für Präsenz - auch, weil die Anforderungen und Bedarfe sehr unterschiedlich sind. "Grundsätzlich können festangestellte Mitarbeitende unter bestimmten Voraussetzungen mobil arbeiten, wenn es die konkrete Tätigkeit zulässt und es mit dem betreffenden Bereich (Team oder Abteilung) entsprechend vereinbart ist." Die Dienstvereinbarung legt fest, dass Bereiche eigenständig entscheiden können. Einen Anspruch oder eine Verpflichtung für mobiles Arbeiten per se gibt es beidseitig nicht. Aber auch 100 Prozent mobiles Arbeiten sei nicht möglich, "weil sonst das soziale Miteinander, der Zusammenhalt im Team und auch die Identifikation mit dem MDR leiden könnten". 

Nach MDR-Angaben wird im Sender rund 40 Prozent mobil gearbeitet, also nicht an einem bestimmten Standort des Unternehmens. Das ist vor allem auch deshalb interessant, weil die Home-Office-Quote im MDR damit deutlich höher liegt als im Schnitt in den drei Bundesländern, die man abdeckt. Während der Bundesschnitt laut dem Statistischen Bundesamt bei 22,7 Prozent liegt, sind es in Sachsen (16,1 Prozent), Thüringen (13,5 Prozent) und Sachsen-Anhalt (10,9 Prozent) deutlich weniger. 

NDR in Hamburg © NDR/Gita Mundry
Interessant ist in dem Zusammenhang auch, wie der NDR das Arbeiten geregelt hat. Hier muss man schließlich Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus sehr unterschiedlichen Bundesländern unter einen Hut bringen. Während die Home-Office-Quote in Hamburg bei 35,6 Prozent liegt, sind es in Niedersachsen und Schleswig-Holstein nur etwas mehr als 20 Prozent. In Mecklenburg-Vorpommern sind es nur 14,1 Prozent. Im NDR-Tarifvertrag über hybride Arbeit ist festgehalten, dass der Umfang der Arbeit außerhalb der betrieblichen Arbeitsstätten in der Regel die Hälfte der arbeitsvertraglich vereinbarten Wochenarbeitszeit nicht überschreiten soll. Darüber hinaus entscheiden Führungskräfte, ob beispielsweise Besprechungen vor Ort oder hybrid durchgeführt werden. 

"Die Kombination aus mobiler Arbeit und Präsenz ist ein ausgewogenes Modell, das die Funktionsfähigkeit des NDR unterstützt und gleichzeitig den Bedürfnissen vieler Mitarbeitender entgegenkommt", heißt es vom NDR gegenüber DWDL.de. Der Sender verweist auf eine bessere Vereinbarung von Berufs- und Privatleben und darauf, dass auch die Inklusion von schwerbehinderten Mitarbeitenden so besser funktioniere. Gleichzeitig zeige die Erfahrung, "dass die persönliche Zusammenarbeit vor Ort für Kreativprozesse, spontane Abstimmungen und die soziale Teamkultur weiterhin eine wichtige Rolle spielt."

ZDF © ZDF
Beim ZDF hat man dagegen keinen eigenen Tarifvertrag für mobiles Arbeiten entwickelt. Stattdessen ist Home Office in Mainz formlos nach Abspreche mit der jeweils verantwortlichen Führungskraft möglich. Aber: Der Schwerpunkt der Erbringung der Arbeitsleistung ist im ZDF, Home Office soll also für weniger als die Hälfte der Arbeitszeit stattfinden.Künftig könnte es zu Veränderungen und auch festeren Strukturen kommen. Ein Unternehmenssprecher sagt: "Zur Zeit prüfen wir mit den Gewerkschaften eine Erweiterung auf regelmäßiges Home Office sowie die Möglichkeit von Home Office aus dem Ausland. Dies trägt dem Bedürfnis der Beschäftigten nach mehr örtlicher Flexibilität Rechnung."

Unterschiede bei Produktionsriesen

Banijay © Banijay
Und auch zwischen verschiedenen Produktionsfirmen gibt es sehr unterschiedliche Regelungen. Bei Banijay gibt es individuelle Regelungen. "Die Geschäftsführungen unserer Companies können hier frei entscheiden und das Modell wählen, das zu ihnen passt", erklärt eine Unternehmenssprecherin. Bei Banijay Germany, Banijay Media und Brainpool würde die Mehrheit der Kolleginnen und Kollegen jedoch am Standort Schanzenstraße in Präsenz arbeiten. "Wir produzieren hier vor Ort in unseren Studios und wir sind davon überzeugt, dass Kreativität und Gemeinschaft auch persönliches Miteinander braucht. Natürlich sind wir flexibel und familienfreundlich, wenn Lebenssituationen dies erfordern, der Normalfall ist das Miteinander am Campus."

Leonine Studios © Leonine Studios
Eine konzernweite Regelung hat dagegen Leonine getroffen. Hier gilt seit Januar 2025: An vier Tagen pro Woche müssen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der verschiedenen Produktionsfirmen und Labels ins Büro kommen, an einem Tag ist Home Office möglich. Davor gab es noch zwei Home Office Tage. Leonine gehört also zu den Unternehmen, die ihre Belegschaft zuletzt wieder verstärkt zurück ins Büro geholt haben. Sarah Fischer, Chief People & Sustainability Officer bei Leonine, sagt gegenüber DWDL.de: "Angesichts der großen Veränderungen, von denen die Medienbranche im Augenblick geprägt ist, ist es uns als Geschäftsführung wichtig alle Mitarbeitenden mitzunehmen und den Teamgedanken zu stärken. Aus unserer Sicht ist dazu der persönliche Austausch von entscheidender Bedeutung, insbesondere auch beim kreativen Arbeiten. Deshalb hatten wir den Wunsch, alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wieder verstärkt ins Büro zu holen."

Ausnahmen gibt es bei Leonine aber auch heute trotz der neuen Regelung, in Einzelfällen und in Abstimmung mit der jeweiligen Führungskraft kann von der bestehenden Vorgabe abgewichen werden. Solche Ausnahmen sind möglich bei Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern mit kleinen Kindern oder pflegebedürftigen Angehörigen. Auch Personen, die mehr als eine Stunde ins Büro fahren würden, können mehr als ihre Kolleginnen und Kollegen im Home Office arbeiten. 

UFA © UFA
Etwas flexibler geht’s bei der UFA zu. Dort setzt man auf ein Modell, das es Mitarbeitenden ermöglicht, bis zu 50 Prozent ihrer monatlichen Arbeitszeit außerhalb der UFA‑Büros zu arbeiten. Die konkreten Regelungen werden in Absprache mit den zuständigen Führungskräften getroffen. Es gibt aber auch sogenannte Team-Präsenztage: Jedes Team soll mindestens zwei gemeinsame Tage pro Monat einplanen, an denen man sich vor Ort in Präsenz austauschen kann. Christian Rohde, Chief of Staff and Transformation Officer der UFA, sagt: "Unsere Präsenzregelung ist ein klares Bekenntnis zu einer Arbeitskultur, die auf Vertrauen und offener Kommunikation beruht. Wir sind überzeugt, dass persönlicher Austausch, gemeinsames Arbeiten und gelebter Teamgeist entscheidende Motoren für Kreativität und starke Zusammenarbeit sind. Gleichzeitig bleibt Flexibilität für uns ein zentraler Wert. Wir möchten Räume bieten, in denen beides selbstverständlich miteinander funktionieren soll."