Fast ein Jahr lang musste man bei Kabel Eins warten, bis es im März doch mal wieder gelang, die Marke von vier Prozent Marktanteil bei den 14- bis 49-Jährigen zu überspringen - und im April gelang dieser Erfolg dem Sender gleich noch ein weiteres Mal. Ansonsten aber verlief die Saison für Kabel Eins eher unspektakulär, was sich daran widerspiegelt, dass man sich in der klassischen Zielgruppe zuletzt immer häufiger hinter RTLzwei einsortieren musste. Und damit nicht genug: Auch in der erweiterten Zielgruppe der 14- bis 59-Jährigen ist es dem Konkurrenten aus Grünwald jüngst gelungen, zu Kabel Eins aufzuschließen.
Dass für Kabel Eins nicht mehr drin war, ist nicht zuletzt auf das Grundrauschen zurückzuführen, für das großflächig programmierte Krimi-Wiederholungen sorgen sollen. Doch Serien wie "Bull" oder "The Mentalist" haben zuletzt nicht nur in der Daytime an Strahlkraft eingebüßt - auch in der Primetime sind US-Serien für den Privatsender schon länger kein Selbstläufer mehr. Selbst mit Erstausstrahlungen - derzeit versucht man mit der von Sat.1 geerbten Krimiserie "Elsbeth" am Samstagabend sein Glück - lässt sich nicht viel reißen.
Und so ist es nachvollziehbar, dass Kabel Eins in der zurückliegenden Saison den Anteil an Eigenproduktionen in der Primetime ausbaute. Inzwischen setzt man am Freitagabend über weite Strecken hinweg auf True Crime - mit einer erstaunlich großen Range an Formaten. Doch ganz gleich ob "Mord im Dorf", "Weiblich. Tödlich. Sisters in Crime", "Perspektiven des Todes" oder den "7 Todsünden" mit Uwe Ochsenknecht: Zumindest um 20:15 Uhr tat sich Kabel Eins zuetzt meist schwer. Die gute Nachricht: Im Laufe des Abends gelingt es den True-Crime-Formaten zumeist die Marktanteile zu steigern, sodass nicht zuletzt die Wiederholungen am späten Abend recht gut funktionieren.
Ein umgekehrtes Bild ergibt sich dagegen am Donnerstag, wo man nach dem Aus des "K1 Magazins" auf der 22:15-Uhr-Schiene zuletzt diverse Dokuserien ausprobierte. Weder den "Büffels" noch "German Cops" gelang es dabei allerdings, nennenswerte Erfolge zu feiern. Anders sah es bei den "Restposten-Kings" aus, die sich nach schwachem Start zuletzt mehrfach auf über sechs Prozent Marktanteil bei den 14- bis 49-Jährigen steigerten.
TV-Köche sind der Anker am Donnerstag
Weniger Sorgen muss man sich bei Kabel Eins um den Sendeplatz um 20:15 Uhr machen, der donnerstags in aller Regel einen sehr stabilem Anker darstellt. Insbesondere der "Roadtrip Australien" mit den TV-Köchen Frank Rosin, Alexander Kumptner und Ali Güngörmüş erwies sich für den Sender als voller Erfolg. Dass es nach drei Amerika-Staffeln diesmal nach Down Under ging, hat dem Format spürbar gut getan und belohnte Kabel Eins mit durchschnitt sieben Prozent Marktanteil. Das Duo Rosin und Kumptner funktionierte zudem in der "Mission mittendrin", die sich ebenso wie "Rosins Restaurants" über dem Senderschnitt bewegte. Letzteres profitierte dabei wohl auch von einer spürbaren Reduzierung der Schlagzahl - weniger ist hier ganz offensichtlich mehr.
Während es Kabel Eins also gelang, bei seinen Formaten am Donnerstag an einigen Stellschrauben zu drehen, besteht am Sonntagabend erkennbar Nachholbedarf. Sowohl "Yes, we camp" als auch "Zwischen Meer und Maloche" taten sich schwerer als in der Vergangenheit, die jüngste Reimanns-Staffel war die bislang schwächste und "Die größten Geheimnisse der Welt" haben schon nach kurzer Zeit erkennbar ihre besten Zeiten hinter sich. Immerhin: Die "Trucker Babes" sorgten für stabile Quoten in der hart umkämpften Sonntags-Primetime.
Und dann ist da auch noch der Vorabend, wo Kabel Eins seit Jahren Kontinuität beweist. Während "Abenteuer Leben" und "Achtung Kontrolle" keine Abnutzungserscheinungen zeigen, musste "Mein Lokal, Dein Lokal" zuletzt allerdings rückläufige Marktanteile hinnehmen. Zudem scheiterte der Versuch, mit alten Folgen der DMAX-Dokusoap "Steel Buddies" das "Morlock Motors"-Publikum auch in die Daytime zu lotsen. So lange "Morlock Motors" aber in der Primetime weiter gut funktioniert, wird man diesen Nachmittags-Rückschlag in Unterföhring wohl verkraften können. Klar ist aber auch: In der Daytime besteht aktuell das größte Potenzial. Wie viel es bringen kann, das Potenzial zu heben, zeigt dieser Tage der Blick nach Grünwald.
von




