Wenn alte Folgen einer längst eingestellten Gerichtsshow mehr Menschen erreichen als neu produzierte Sendungen, sagt das einiges über das aktuelle Programm von Sat.1 aus. Genau dieses Phänomen lässt sich derzeit nahezu täglich beobachten. Seit der Sender vor einem halben Jahr damit begonnen hat, alte Folgen der bereits 2013 eingestellten Gerichtsshow "Richter Alexander Hold" großflächig in der Daytime zu wiederholen, liegen die Reichweiten in der Spitze bei fast 700.000 Zuschauerinnen und Zuschauern. An manchen Tagen können damit selbst die neuen Folgen der "Landarztpraxis" auf dem ungleich prominenteren 19-Uhr-Sendeplatz nicht mithalten.
Es liegt also nahe, dass Sat.1 bei Filmpool die Produktion neuer Folgen von "Richter Alexander Hold" in Auftrag gegeben hat – zumal ausgerechnet die Kölner Konkurrenz schon seit einigen Jahren mit der früheren Sat.1-Richterin Barbara Salesch wieder schöne Erfolge feiert. Wo Sat.1 die Neuauflage der Hold-Show zeigen wird, hat der Sender bislang noch nicht offiziell kommuniziert. Einiges spricht allerdings dafür, dass das Format den Sprung ins Vorabendprogramm schaffen wird - wahrscheinlich auf den Sendeplatz um 18:00 Uhr. Dort hat Sat.1 jüngst mit dem Versuch, weitere Dailysoaps an den Start zu bringen, einige Rückschläge verkraften müssen. Eine Gerichtsshow verspricht da deutlich mehr Stabilität.
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Alexander Hold
Doch auch abseits von "Richter Alexander Hold" dürften im kommenden Jahr weitere Veränderungen im Vorabendprogramm von Sat.1 bevorstehen. Während der Sender offenbar – aus nachvollziehbaren Gründen – von der Produktion weiterer Dailysoaps Abstand genommen hat, werden ab Mitte September in Köln neue Folgen des Gameshow-Klassikers "Deal or no Deal" mit Jörg Pilawa produziert. Für eine Vorabend-Ausstrahlung spricht nicht zuletzt der Umfang der Produktion: Gleich 18 Doppelaufzeichnungen sind angekündigt. Produziert wird noch dazu kostengünstig im nur leicht umgebauten "Schlag den Star"-Set. Sat.1 hatte zudem erst kürzlich bestätigt, für diese Zeitschiene neue Shows pilotieren zu lassen.
Wann genau "Deal or no Deal" ausgestrahlt wird, lässt Sat.1 dennoch vorerst offen. "Den Sendeplatz werden wir rechtzeitig bekannt geben", sagte Sendersprecher Christoph Körfer auf DWDL.de-Nachfrage. "Das gilt auch für die 'Landarztpraxis'. Sat.1 und Joyn werden rechtzeitig bekannt geben, wie es nach 'Die Landarztpraxis - Team Sonnenhof' im nächsten Jahr weitergeht." Es bleiben also Fragen offen – etwa, ob sich die neuen "Landarztpraxis"-Folgen nahtlos um 19 Uhr anschließen werden oder ob man erstmal eine Pause einlegen wird, um auch hier für frischen Wind zu sorgen. Zur Wahrheit gehört nämlich auch, dass die "Landarztpraxis" und ihr derzeit gesendeter Ableger zumindest linear kein durchschlagender Quoten-Erfolg sind. Selbst in der erweiterten Zielgruppe der 14- bis 59-Jährigen liegen die Marktanteile nur selten bei mehr als fünf Prozent.
Kommt noch ein Klassiker zurück?
In der Dauer-Baustelle Vorabend liegt also reichlich Potenzial für Sat.1. Und der Sender denkt offenbar bereits über den nächsten Klassiker nach. Neben "Richter Alexander Hold" und "Deal or no Deal" könnte perspektivisch noch ein weiteres bekanntes Format reaktiviert werden: Nach DWDL.de-Informationen beschäftigte man sich in Unterföhring zuletzt auch mit dem "Glücksrad" – jener Sendung also, die zwischen 1988 und 1998 schon einmal für Spitzen-Quoten im Vorabendprogramm von Sat.1 sorgte und in dieser Zeit ihren bis heute anhaltenden Kultstatus erlangte.
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"La Rueto della Fortuna": Das italienische "Glücksrad"
Hierzulande hatte sich RTLzwei zuletzt an einer "Glücksrad"-Neuauflage versucht, wenn auch eher mit gebremstem Enthusiasmus. Zwei Jahre verstrichen, ehe man in dieser und der kommenden Woche zwei längst aufgezeichnete Folgen ausstrahlen wird, für zwei weitere steht noch kein Termin fest. Sollte das "Glücksrad" in Unterföhring tatsächlich auf Interesse stoßen, dürfte RTLzwei also kaum verbissen um einen Verbleib der Show kämpfen. Doch ganz gleich, ob mit oder ohne "Glücksrad": Es wirkt zunehmend, als sei bei Sat.1 einmal mehr das Retro-Fieber ausgebrochen. Zumindest am Vorabend scheint dort derzeit zu gelten: Lieber ein alter Hit als ein neues Risiko.
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