Grafik: DWDL.de © DWDL
Was bisher geschah

Lauenstein-Affäre: Eine Chronik der Ereignisse

 

Das Lauensten-Video sorgt seit mehreren Tagen für Schlagzeilen. Die BLM prüft den Fall, bei der Staatsanwaltschaft ist die erste Anzeige eingegangen. DWDL fasst die Ereignisse bis zum Pfingstwochenende zusammen.

von Thomas Lückerath
23.05.2007 - 15:39 Uhr

Foto: ScreenshotAm 13. Mai, kurz nach 23 Uhr, geht beim Anrufsender 9Live der Stein des Anstosses über den Sender. Offenbar aufgrund einer Panne in der Tonregie ist Moderatorin Alida Lauenstein deutlich zu hören, wie sie - so klingt es - Kontakt zur Regie oder Redaktion aufnimmt. Sie sagt: "...noch ein bisschen mitzunehmen. Lasst das doch Max übernehmen. Bei solchen Peaks, schlagt doch später zu". Mit Peaks wird in der Regel die Anzahl der eingehenden kostenpflichtigen Anrufe bezeichnet und Max Schradin ist Moderator der nachfolgenden Sendung. Kann beim "Hot Button" also vom Zufall keine Rede sein?

Noch in der Nacht zum 14. Mai wird ein Mitschnitt dieses Vorfalls im Internet veröffentlicht, der inzwischen fast 50.000-mal abgerufen wurde. Auf den Seiten von Call-In-TV.de wird angeregt über das Video diskutiert. Zunächst bleibt der Vorfall aber weitestgehend unentdeckt.

Am Vormittag des 16. Mai berichtet das Medienmagazin DWDL.de mit einem Topthema über den Vorfall und das dazugehörige Video. Wir bitten bei 9Live um eine Stellungnahme zu dem Vorfall. Die erfolgt im Laufe des Tages. Sendersprecherin Sylke Zeidler teilt mit: "Die Aussage der Moderatorin hat keine Relevanz für den technischen und inhaltlichen Verlauf der Sendung."


Am Nachmittag des 16. Mai informiert das Medienmagazin DWDL.de Peter Widlok, Pressesprecher der Gemeinsamen Stelle Programm, Werbung und Medienkompetenz (GSPWM) der Landesmedienanstalten, über den Vorfall. Der Hinweis wird an die zuständige Bayerische Landeszentrale für neue Medien (BLM) weitergeleitet. Gegenüber einem Medienblog teilt der dortige Pressesprecher Dr. Wolfgang Flieger noch am selben Tag mit: "Wir werden 9Live damit konfrontieren"

Am 17. Mai taucht dank der aufmerksamen Dokumentation der Macher des Webprojekts Call-In-TV.de im Internet ein weiterer Mitschnitt einer 9Live-Sendung vom 28. April dieses Jahres auf, in der Moderator Max Schradin offenbar auch aufgrund einer Panne in der Tonregie mit ähnlichen Aussagen zu hören ist wie Alida Lauenstein.

Neben den ohnehin sehr aktiven Blogs u.a. von Call-In-TV.de und Stefan Niggemeier greifen in den folgenden Tagen weitere Medien den DWDL.de-Bericht über das Lauenstein-Video auf, so u.a. der "Kölner Stadt-Anzeiger" und in den folgenden Tagen auch "taz" und "FAZ". Am 18. Mai fragt DWDL.de bei 9Live-Sprecherin Sylke Zeidler an, ob ein Besuch des Live-Sendebetriebs möglich ist. Grundsätzlich ja, ist die Antwort.

In der Nacht zum 19. Mai versucht 9Live-Moderator Robin Bade im Live-Programm des Senders eine "Gegenoffensive". Er beschimpft Kritiker und Journalisten u.a. als "Vollidioten" und prägt Sätze wie "Man kann alles im Leben schlecht reden, aber nicht 9Live" oder "Auf den Hot-Button hat niemand Einfluss. Und wer das behauptet, der lügt und hat keine Ahnung". Und dann eine überraschende Einladung an Kritiker: "(...) dann kommt er zu mir und sagt mir genau, was seiner Ansicht nach hier los ist. Und ich werde ihm die Wahrheit sagen"

Am Mittag des 21. Mai bestätigt Dr. Wolfang Flieger, Pressesprecher der BLM in München, gegenüber DWDL.de: Man habe den Sender 9Live schriftlich zu einer Stellungnahme aufgefordert. "Aufgrund der Bedeutung des Falls", so Flieger, wurde die Frist für eine Antwort mit 48 Stunden sehr knapp bemessen. Bis Mittwoch, 23. Mai um 12 Uhr will die BLM Auskunft haben - normalerweise werden wochenlange Fristen angesetzt.

Die Staatsanwaltschaft München I bestätigt am Dienstag, den 22. Mai auf Anfrage des Medienmagazins DWDL.de, dass eine Anzeige gegen 9Live eingegangen sei. Mit weiteren Anzeigen rechne man. Von Ermittlungen sei man aber noch weit entfernt. Ebenfalls am Dienstag informiert DWDL.de den Sender 9Live, dass man der Einladung von Robin Bade gerne folgt. Ein kurzfristiger Termin sei allerdings nicht möglich.

Am Mittwoch, den 23. Mai um 12:30 bestätigt die Bayerische Landeszentrale für neue Medien gegenüber dem Medienmagazin DWDL.de den Eingang eines knapp fünfseitigen Schreibens von 9Live, mit dessen Auswertung von da an die Juristen und Programmbeobachter der Behörde betraut sind. Eine erste Stellungnahme seitens der BLM sowie Informationen zum weiteren Vorgehen sind laut BLM-Sprecher Dr. Wolfgang Flieger nicht vor Donnerstag zu erwarten.

Am Vormittag des 24. Mai wird bekannt, dass BLM-Präsident Prof. Dr. Wolf-Dieter Ring das Thema 9Live am Nachmittag im Medienrat zur Sprache bringen will. Die Stellungnahme der BLM zur Erklärung von 9Live kommt am Mittag: Man halte die Schilderungen von 9Live für plausibel. Es liege kein Verstoß vor. Das Thema scheint beendet. Auf Nachfrage bestätigt BLM-Sprecher Dr. Wolfgang Flieger allerdings, dass man nicht der Frage nachgegangen sei, wieso der Zufallsmechanismus nun überhaupt von jemandem "eigenverantwortlich" gestartet werden muss - es müsste doch von Anfang an die Chance auf einen Gewinn bestehen. Die BLM will der Frage nachgehen.

Am Abend des 24. Mai stellt 9Live seine Sicht der Dinge in einer sehr ausführlichen Pressemitteilung dar. Erstmals erklärt der Sender die Funktionsweise des "Hot Button" und geht dabei mehr oder weniger auf die gestellten Fragen ein - wiederholt allerdings einmal mehr die Unwahrheit, man hätte 9Live vorgeworfen es würde kein Geld ausgespielt. Dies war im Zusammenhang mit dem Lauenstein-Video zu keinem Zeitpunkt ein Thema.

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