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Sehgewohnheiten verschieben sich

"Beste Sendezeit": Ist 21:15 Uhr das neue 20:15 Uhr?

 

Wenn man von der "besten Sendezeit" spricht, dann steht das in Deutschland quasi synonym für den Sendeplatz um 20:15 Uhr. Doch ist das tatsächlich noch die "beste Sendezeit"? Schließlich hat sich der TV-Konsum insbesondere bei den Jüngeren mittlerweile in den späteren Abend verlagert.

von Uwe Mantel
04.06.2007 - 14:48 Uhr

Foto: PhotocaseIn Deutschland beginnt die sogenannte "Primetime" um 20:15 Uhr. Das war schon immer so - und festgelegt wird es durch die "Tagesschau". Mit ebendieser beginnt für viele seit Jahrzehnten der Fernsehabend. Doch trifft das heute auch noch auf die jüngere Generation zu?

Die informiert sich zum größten Teilen schließlich ohnehin nicht mehr im Ersten, sondern deutlich früher bei "RTL aktuell" und Co. Und wenn man sich die nackten Zahlen anschaut, dann sitzt die für die Privatsender so wichtige "werberelevante Zielgruppe" inzwischen tatsächlich nicht mehr um 20:15 Uhr vor dem Fernseher, sondern erst deutlich später.

Belege dafür finden sich zuhauf und bei fast allen Sendern. Montags schlägt bei RTL "Helfer mit Herz" regelmäßig "Wer wird Millionär", bei Vox hat "Criminal Intent" mehr junge Zuschauer als "CSI: NY". Die gleiche Situation gibt es bei "Dr. House" und "CSI: Miami" (RTL), "Emergency Room" und "Cold Case" (ProSieben), "Raus aus den Schulden" und der "Super Nanny" (RTL) oder "Frauentausch und "Law & Order" (RTL II) - immer zieht die später ausgestrahlte Sendung mehr jüngere Zuschauer an.


Auch wenn man den Quotenverlauf innerhalb von Sendungen betrachtet, bestätigt sich der Trend. Die wenigsten Zuschauer haben selbst sehr lang dauernde Shows meist in der ersten Zeit nach dem Beginn. Selbst "Wer wird Millionär", das bekanntlich leichte Probleme bei den jüngeren Zuschauern hat, legt im Verlauf der 60-minütigen Sendezeit deutlich zu.

Besonders in den Sommermonaten ist dieser Trend natürlich besonders ausgeprägt: Es ist länger hell und länger warm - und da hat der Durchschnittsdeutsche offenbar besseres zu tun, als vor dem Fernseher zu sitzen. Doch auch in den übrigen Jahreszeiten lässt sich dieser Trend beobachten. Im Ausland sind spätere Anfangszeiten durchaus keine Seltenheit. In Frankreich beginnt die Primetime erst gegen 21 Uhr, woraus auch die für Deutsche ungewöhnlichen Anfangszeiten beim Kultursender Arte resultieren. Auch in südlichen Ländern sitzt man erst später vor dem Fernseher.

Einige Sender haben inzwischen auch entsprechend reagiert. RTL II zeigt seine "Big Brother"-Entscheidungsshows etwa ebenso erst ab 21:15 Uhr wie die sehr erfolgreiche Dokusoap "Frauentausch". RTL bringt eine Serie wie "Prison Break" ebenfalls erst zu später Stunde. Ein Sendersprecher begründete die Entscheidung gegenüber DWDL.de einst erstens mit den teils brutalen Szenen und zweitens mit der Tatsache, dass im Sommer die Zuschauer ohnehin später vor dem Fernseher säßen.

Angesichts dessen muss man auch die Frage stellen, ob sich so manch Sender einen Gefallen tut, wenn er mit der eigentlichen Programmierung bereits gegen 23 Uhr aufhört und danach maximal noch Wiederholungen oder Reportagen, für die man anderswo scheinbar keinen Platz mehr gefunden hat, ausstrahlt. Dass man mit einer durchdachten und zu den vorhergehenden Sendungen passenden Programmierung auch zu dieser späten Stunde noch gute Quoten holen kann, zeigt etwa RTL dienstags mit "Law & Order", das oft mehr junge Zuschauer hat als manches Primetime-Programm. Mit der Nicht-Beachtung dieses Sendeplatzes verschenkt man also unnötig Potential.

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