Unspektakulär bezeichnet auch sehr genau die Inhalte, mit denen selbst CNN seine stundenlangen Lageberichte aus Washington füllt. Da wird dann gerne eine halbe Stunde lang über das Music-LineUp der Feierlichkeiten diskutiert, die schon am Wochenende begannen. Zur Frage, ob es ein vielleicht sogar ein musikalisches Duett Barack Obama / Aretha Franklin geben wird, gibt es sogar eine Live-Schalte. Doch schlimmer als CNN ist - welch Überraschung - Fox News, die momentane Nr.1 der US-amerikanischen Nachrichtensender, wenn man das Programm dort als Nachrichtenprogramm durchgehen lässt. Denn dort hatte am Tag vor der Amtseinführung Obamas allen Ernstes die republikanische Kandidatin für den Posten der Vizepräsidentin, Sarah Palin, einen großen Exklusivauftritt. Und was sagte die wandelnde Peinlichkeit? Palin bezeichnete sich selbst als den größten Obama-Fan. Ahja.
So amüsant einmal mehr Palins Auftriit war, umso bedenklicher ist der anhaltende Erfolg von Fox News, dem sich am Montag auch die "New York Times" in einem ausführlichen Artikel gewidmet hat und eine erschreckende Bilanz zieht: Die prominentesten Köpfe des Senders haben mit ihren Parolen und Kampagnen jetzt in Obama eine frontalere Angriffsfläche als zuvor bei Freund George W. Bush. Auf diesem Niveau könnte Fox News auch ohne Unterstützung aus dem Weißen Haus - die anders als bei Bush wohl eher fraglich sein dürfte -, seine Stellung halten. Abgesehen von den starken Meinungen widmet sich Fox News allerdings wie alle anderen den Belanglosigkeiten. Welcher Hund wird ins Weiße Haus einziehen? Wie ist es, mit drei Generationen unter einem Dach zu leben? Was wird Barack Obama frühstücken?
Praxisnah, wie die US-News traditionell sind, gibt es dazu Anreise-Tipps, Staureports für die Region rund um Washington, D.C. und Hinweise, wie man sich bei Temperaturen unter dem Gefrierpunkt über Stunden warmhalten kann. Die Mobilfunkbetreiber dürfen ihre Bitte an die Zuschauer richten, vor Ort in Washington nicht unnötig viel und lang mit dem Handy zu telefonieren und übermäßige Internetnutzung zu vermeiden. Die großen Netzbetreiber haben zwar extra Antennen aufgestellt - und befürchten trotzdem einen Zusammenbruch der Handynetze. Es ist die Art von "Katastrophe", die wiederum liebend gern verbreitet wird, Solange man eben nichts Bedeutendes zu vermelden hat und gemeinsam mit den Zuschauern im Grunde auf die Amtsübergabe wartet.
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