MIP TVSeit Montag und noch bis Freitag trifft sich die internationale Fernsehbranche im südfranzösischen Cannes. Kein Zweifel: Die MIP TV ist und bleibt auch im Krisenjahr 2009 eine Pflichtadresse für Fernsehschaffende aus aller Welt, egal ob gekauft oder verkauft werden soll. Die Krise entdeckt man da eher im Detail. Mancher große Player aber insbesondere einige kleinere Sender bzw. Produktionsfirmen sind der Veranstaltung in diesem Jahr fern geblieben. Und auch die Besucherzahl selbst weist ein sattes Minus von 15 Prozent auf.

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Dass trotz geschrumpfter Größe und allgemein schwierigem Umfeld für das werbefinanzierte Fernsehen weltweit, in Cannes besonders abends ausgelassen gefeiert wird, ist Sinnbild einer Branche, für die der schöne Schein ja ohnehin tägliches Geschäft ist. Ganz nach dem Motto "Bitte weitertanzen, das Schiff sinkt nicht", wird die Gelegenheit des Wiedersehens alter Kollegen (oft) und Kennenlernen neuer Kollegen (seltener) vor Ort genutzt wie immer. Hauptsache: Die Krise bitte an Land lassen, wenn man auf See feiert.
 
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Fragt man Produzenten und Senderverantwortliche im Vorfeld nach ihrem Interessen an Cannes, dann klingt es immer auch ein bisschen nach Kegeltour - nur etwas schicker. Und die lässt man sich, einmal vor Ort, nicht verderben. Also wird gefeiert. Mal aus Trotz und erzwungenem Optimismus, mal berechtigt. Denn kaum ist die MIP TV 2009 zwei Tage alt, vermelden zahlreiche deutsche Unternehmen wie etwa Telepool schon erfolgreiche Verkäufe.
 
Es zeigt sich auf der MIP TV eben auch einmal wieder: Deutsches Fernsehen ist besser als es in Deutschland manchmal wahrgenommen wird. Gefragt sind in diesem Jahr einmal mehr  besonders die TV-Movies, sowie vereinzelt auch Serien und Showformate. Über Einkäufe deutscher Sender hört man hingegen weniger, was aber durchaus Tradition hat. Heraus posaunt wird verdientes Geld, weniger das ausgegebene. Und ohnehin lassen sich gerade die beiden großen deutschen Sendergruppen immer öfter vorab über die Angebots-Palette der internationalen Händler und Produktionshäuser informieren.
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Die Zeiten, in denen man auf der MIP TV völlig neue Formate, große Überraschungen und spontane Käufe erlebt, sind auch aufgrund des Internets vorbei. Selten noch wird man auf der MIP TV Formate erleben, über die nicht schon geschrieben wurde oder die gar schon über das Web zu verfolgen waren. "You cannot afford not to be here" ist das Motto der diesjährigen MIP TV. Das gilt daher mehr für die kleinen als die großen Player.

Nach anfänglich befürchtetem Dauerregen hat es sich in Cannes übrigens zu Beginn der MIP TV dann doch etwas aufgehellt. So in etwa wie die Stimmung. Denn im Grunde hatte man im Vorfeld noch schlimmere Auswirkungen der Wirtschaftskrise auf die MIP TV befürchtet. Bei einer der zahlreichen Veranstaltungen tagsüber die wahlweise als Lunch oder Brunch geführt werden oder auf einer der abendlichen Partys fällt die Krise meist nur dadurch auf, dass in diesem Jahr nicht ganz so viele Kollegen aus Deutschland, z.b. von der ProSiebenSat.1 Media AG, auf Kegeltour durften, wie sonst.