Dass sich beim "Focus" etwas ändern muss, macht schon der Blick auf die Auflagenentwicklung deutlich. Um 22 Prozent sackte die Auflage im 3. Quartal im Vergleich zum Vorjahr ab. Ein großer Teil geht davon zwar auf die zurückgefahrenen Prämien-Abos und reduzierte Bord-Exemplare zurück - doch auch im Einzelverkauf sank die Auflage um satte 17 Prozent. Der Nutzwert-Journalismus, der "Focus" einst groß gemacht hat, wollte zuletzt immer schlechter funktionieren.Die Notwendigkeit einer Erneuerung sah da offenbar auch "Focus"-Gründer und -Chefredakteur Markwort und rief im Mai gemeinsam mit Co-Chefredakteur Uli Baur die "Initiative Z" ins Leben, die neue Ideen für das in die Jahre gekommene "moderne Nachrichtenmagazin" auftun sollte. Im Sommer sickerte dann durch, dass intern an einem möglichen Ableger mit längeren, stärker in die Tiefe gehende Geschichten gearbeitet wurde.
Auch wenn man sich beim "Focus" über die Ergebnisse der "Initiative Z" nach wie vor bedeckt hält: Die Entscheidung, "Cicero"-Gründer Wolfram Weimer zum neuen Chefredakteur des "Focus" zu berufen, macht nun deutlich, dass sich künftig offenbar der "Focus" selbst und nicht nur ein Ableger in diese Richtung bewegen soll.
"Nutzwert statt Denkwert" - mit dieser Formel beschrieb Weimer, der 2004 das Politikmagazin "Cicero" gegründet und seitdem als Chefredakteur und Herausgeber geführt hat, noch im Frühjahr das Erfolgsmodell seines Blattes in einem "Tagesspiegel"-Interview. In die gleiche Richtung dürfte er auch den "Focus" bewegen, wenngleich der "Focus" auch künftig nicht ganz so schwere Kost wie "Cicero" bieten dürfte.
Auch wenn der "Focus" angesichts des bevorstehenden Endes der Ära Markwort vor großen Änderungen zu stehen scheint: An der politischen Ausrichtung des "Focus" dürfte sich auch unter Weimer nichts ändern. Weimer, der vor seiner Zeit bei "Cicero" Chefredakteur der "Welt" und zuvor Redakteur bei der "FAZ" war, bezeichnet sich selbst als "bekennenden Konservativen". Weimer 2007 gegenüber der "Leipziger Volkszeitung": "Ich halte einfach Werte wie Familie, Tradition, Geschichte, auch Religion für sehr wichtig." Damit passt er sich gut in die Burda- und "Focus"-Linie ein.
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Dabei war der "Focus" seinem neuen Chefredakteur in der Vergangenheit nicht immer nur gut gewogen. 2002 fand sich Weimer im Jahresrückblick des Magazins als einer der Absteiger des Jahres wieder. Weimer musste damals als "Welt"-Chefredakteur gehen, nachdem ein Wechsel zur "FAZ" lanciert worden war. Der "Focus" attestierte ihm damals "tölpelhafte Kontaktaufnahme mit dem Konkurrenten". Diesmal lief die Kontaktaufnahme zu seinem neuen Arbeitgeber deutlich weniger tölpelhaft ab: Der Wechsel Weimers zum "Focus" blieb bis zur öffentlichen Bekanntgabe ein Geheimnis.
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