Tina Fey30 Rockefeller Plaza. Nein, das ist nicht einfach bloß eine beliebige Adresse in New York City. Das amerikanische Network NBC ist hier beheimatet - und es gibt wohl nur wenige, die sich dort so gut auskennen wie Tina Fey. Fast zehn Jahre lang arbeitete sie als Autorin für die Comedyshow "Saturday Night Live", die noch heute aus dem legendären Studio 8H gesendet wird. 1999 wurde Fey zum ersten weiblichen Chefautor befördert und spätestens von diesem Moment an war ihre weitere Karriere vorgezeichnet.

All ihre Erfahrungen und Eindrücke, die sie bei "SNL" sammeln konnte, verarbeitete Fey später in ihrer eigenen Comedyserie - und die wurde nicht nur wegen ihres Namens schnell zum Aushängeschild des in die Krise geschlitterten Networks. "30 Rock" steht inzwischen wie keine zweite Serie für NBC, Fey hat dem Sender eine Identität zurückgegeben, die ihm lange fehlte - kein Wunder, dass sie erneut beste Chancen hat, den Primetime Emmy ihr Eigen nennen zu dürfen, schließlich findet sich kaum ein Intellektueller, der nicht begeistert ist von der inzwischen 40-Jährigen, die einst übrigens Drama studierte und bei NBC davon sicherlich profitieren kann.

Keine Frage: Der Big Apple im Allgemeinen und "30 Rock" im Speziellen haben Tina Fey geprägt. Doch damit steht sie längst nicht alleine, denn auch die anderen Schauspielerinnen, die auf einen Emmy als beste Hauptdarstellerin in einer Comedyserie hoffen, haben der Metropole am Hudson einiges zu verdanken, so auch Julia Louis-Dreyfus. Die 39-Jährige stammt gar aus New York und auch für sie war "Saturday Night Live" so etwas wie der Grundstein ihrer Karriere. Bereits in den 80ern gehörte sie zum Ensemble der Show - rund 20 Jahre vor ihrem bislang größten Erfolg, der CBS-Comedy "The New Adventures of Old Christine", die allerdings in diesem Jahr nach fünf Staffeln eingestellt wurde.

Auch die Karriere von Amy Poehler nahm erst durch ihre ersten Auftritte in "Saturday Night Live" im Jahr 2001 so richtig Fahrt auf. 2008 spielte sie schließlich sogar neben Tina Fey eine der Hauptrollen in der Komödie "Baby Mama". Nun ist sie neben dem "30 Rock"-Star für einen Primetime Emmy nominiert - der Lohn für ihre Hauptrolle in der ebenfalls bei NBC ausgestrahlten Comedyserie "Parks and Recreation". Mindestens einmal Station in New York gemacht zu haben, scheint in diesem Jahr also die Grundvoraussetzung für eine Nominierung gewesen zu sein. So zog es Toni Collette - eigentlich eine gebürtige Australierin - in den 90ern auf die Bühnen des Broadway. Nun ist sie für ihre Rolle als eine an einer Identitätsstörung leidende Mutter zweier Kinder in der Showtime-Serie "United States of Tara" für den Primetime Emmy nominiert.

GleeCollettes Konkurrentin um die Auszeichnung, Lea Michele, stand sogar bereits im Alter von acht Jahren auf den berühmten Brettern in New York. Inzwischen gehört die 23-Jährige zu den Shootingstars des amerikanischen Fernsehens: Ihrer Rolle als Rachel Berry im FOX-Hit "Glee" hat sie es zu verdanken, dass sie nun auf einen Primetime Emmy hoffen darf. Das tut auch Edie Falco, die - natürlich - in New York geboren wurde. Als "Nurse Jackie" bescherte die Schauspielerin dem Sender Showtime riesige Erfolge. Und es ist vermutlich überflüssig zu erwähnen, dass die Serie in New Yorker Notaufnahme spielt.

Doch es dürfte nicht einfach werden, Tina Fey den Emmy streitig zu machen. Bei allem Erfolg scheint sie allerdings nach wie vor auf dem Boden geblieben zu sein. In einem Interview mit der "Süddeutschen Zeitung" sagte Fey im Frühjahr über sich: "Meine Familie und ich leben in New York, nicht in Hollywood. Ich führe auch nie meinen Hund im Sonnenuntergang am Strand spazieren, mit einem charmanten Fotoreporter an meiner Seite. Stattdessen arbeite ich, gehe nach Hause und dann - nein, eigentlich arbeite ich nur und gehe dann wieder nach Hause." Um sich den Preis abzuholen, müsste Tina Fey New York allerdings dann doch einmal in Richtung Hollywood verlassen. Die Fotoreporter warten bestimmt.