Die ersten Monate waren qualvoll. Da redet auch in Berlin niemand drum herum. Einschnitte und Stellenabbau seien aber nötig gewesen, um den Sender auf finanziell solide Beine zu stellen. Und trotz dieser Phase in der N24 sehr mit sich selbst beschäftigt war, gelang dem Sender 2010 das erfolgreichste zweite Halbjahr der Sendergeschichte. Im Frühjahr zeigte sich N24-Geschäftsführer Torsten Rossmann deshalb zuversichtlich, dass sich 2011 nach dem Abschluss des Umbaus noch erfolgreicher entwickeln würde.

 

Mit Spannung hatten nicht nur die eigenen Mitarbeiter sondern die ganze Branche darauf gewartet, was sich bei einem aus der ProSiebenSat.1 Media AG herausgelösten N24 ändern würde. Und die Tatsache, dass sich zunächst nicht viel änderte, war eher eine Überraschung. Das Rad hat N24 eben nicht neu erfunden. Programmflächen, die bislang von ProSiebenSat.1-Material bestritten wurden, mussten ersetzt werden. Einige neue Magazine und ein neuer Talk sind gestartet, Stefan Aust ist mit eigenem Format auf "seinem" Nachrichtensender zu sehen, große Reportagen werden eigenproduziert und das Senderdesign wurde komplett modernisiert.
 
Beim Programmschema gab es einige Korrekturen. So wurde die große Live-Strecke in klare 15-minutige Nachrichtenblöcke formatiert und der Beginn der Primetime entsprechend der großen Sender auf 20.15 Uhr verlegt. Damit fährt der Sender gut, wie Geschäftsführer Rossmann am Geburtstag der Unabhängigkeit im Gespräch mit DWDL.de zusammenfasst: "Wenn wir auf die letzten 12 Monate zurückblicken, war das in jeder Hinsicht ein hervorragendes Jahr: Die besten Marktanteile in der Sendergeschichte und mehr Werbeerlöse als geplant."
 
Gerade Letzteres dürfte manchen Beobachter überraschen. Denn nicht nur Wettbewerber n-tv beobachtete die Wahl von iq media als neuen N24-Vermarkter zunächst skeptisch. Kann ein Vermarkter ohne große TV-Erfahrung einen Spartensender wie N24 erfolgreich verkaufen? Offenbar schon. Auf konkrete Nachfrage erklärt Rossmann: "Die Einbuchungen für 2011 liegen sowohl im TV- als auch im Onlinebereich über dem Vorjahresniveau zum selben Zeitpunkt." Besonders die enge Verzahnung von Vermarkter und Sender vor Ort in Berlin, aber auch die intensive Vermarktung der SevenOneMedia im Onlinebereich hätten dabei geholfen.
 
Doch der Erfolg von N24 ist nicht allein hausgemacht. Um den Erfolg in Relation zu setzen, muss man an dieser Stelle erwähnen, dass sich auch Wettbewerber n-tv über ein sensationelles Jahr freut. Denn: Bad news sind good news - und die helfen dann allen im Nachrichtengeschäft. Themen wie Fukushima oder Libyen, jetzt Syrien aber auch Anfang des Jahres Ägypten oder Tunesien sorgten für reichlich Zulauf für Nachrichtensender. Und zur Freude der Sender scheinen sie - trotz immer wieder vereinzelter Detail-Kritik an der Berichterstattung - durch diese Ereignisse auch jetzt noch zu profitieren.
 
"Dass wir auch im April und Mai Rekordwerte verzeichnen konnten und im Juni derzeit sogar bei 1,8 Prozent Marktanteil liegen, zeigt, dass Nachrichtenfernsehen in Deutschland nachhaltig an Relevanz gewonnen hat", ist sich N24-Chef Rossmann sicher. Und schiebt als kleine Spitze an die Wettbewerber in Köln hinterher: "Nicht zuletzt konnten wir unsere Marktführerschaft auch als komplett unabhängiges Unternehmen weiterhin behaupten."