4-wöchentliche Programmies © DWDL
Systematische Fehler

Vom Unsinn der 4-wöchentlichen TV-Zeitschriften

 

Die 4-wöchentlichen Titel sind die Billigheimer unter den Programmzeitschriften. Schon ab 79 Cent ist die Übersicht über satte vier Wochen Programm zu haben. Doch selbst dieses wenige Geld sind sie eigentlich kaum wert. Als verlässlicher Programmführer taugen sie jedenfalls nicht.

von Uwe Mantel
26.02.2012 - 09:40 Uhr

Während die meisten Programmzeitschriften angesichts von EPGs seit Jahren mit rückläufigen Auflagen zu kämpfen haben, hält sich ein Untersegment erstaunlich gut: Die 4-wöchentlichen Titel wie "nur TV", "TV pur", "tv!top" oder "TV 4x7". Hier bleiben die Auflagen recht konstant, steigen in manchen Fällen sogar an. Auf den ersten Blick scheinen sie ja auch ein attraktives Angebot zu machen: Ein Überblick über gleich vier Wochen TV-Programm für Preise zwischen 79 und 99 Cent. Dafür gibt es - außer Rätselseiten - wenig bis gar nichts drumherum. Konzentration aufs Wesentliche ist also das Konzept - das Problem ist nur: Selbst bei diesem Wesentlichen, nämlich der korrekten Wiedergabe des TV-Programms, versagen diese Zeitschriften regelmäßig.

Die TV-Sender in Deutschland geben ihr Programm mit einem sechswöchigen Vorlauf bekannt. Diesen Vorlauf nutzen die 4-wöchentlichen Titel voll aus - schließlich erscheinen sie bereits eine Woche vor Beginn der ersten Programmwoche, dazu kommt noch die Zeit für den Druck der Hefte. Das Dilemma dabei ist jedoch folgendes: Das, was die Sender als ihr Programm in sechs Wochen kommunizieren, unterscheidet sich nicht selten beträchtlich von dem, was dann tatsächlich läuft.

 

 

So kommen die Film-Ankündigungen insbesondere von ProSieben oder RTL II häufig eher losen Absichtserklärungen als einer festen Planung gleich. In den letzten beiden der vier Programmwochen stimmt daher in den Programmzeitschriften bei diesen Sendern kaum eine Film-Angabe. Für den vergangenen Sonntag waren in "nur TV" & Co. bei RTL II etwa die Filme "Ray" und "Explosiv - Blown away" angekündigt, tatsächlich aber liefen "Tomb Raider" und "Unstoppable". Wer bei ProSieben am letzten Sonntag den angekündigten Film "Final Destination 4" sehen wollte, war eine Woche zu spät dran: Er lief bereits am 12. Februar, weil er mit "Watchmen" den Platz getauscht hatte.

Das ist kein Einzelfall, in fast drei Viertel der von uns überprüften Fälle der vergangenen Wochen stimmten die Film-Angaben am Sonntag- und Freitagabend bei RTL II und ProSieben in den jeweils letzten beiden der vier Programmwochen nicht mit dem tatsächlichen Programm überein. Auch bei den Vox-Filmen am Donnerstag oder den Sat.1-Filmen am Samstag treten diese Fehler immer wieder auf. Im Ersten wurde in den 4-wöchentlichen Titeln für den vergangenen Samstag der Film "Die Doppelgängerin" angekündigt. Tatsächlich lief aber das "Star Quiz". Und dabei handelt es sich nicht um kurzfristige Programmänderungen, auf die gedruckte TV-Zeitschriften per se nicht reagieren können, sondern um Dinge, die noch mit meist vier Wochen Vorlauf kommuniziert werden und die in wöchentlichen wie 14-täglichen Programmies problemlos richtig abgedruckt werden können.

Dazu kommt, dass sich die diversen kurzfristigen Programmänderungen, die die Sender aufgrund enttäuschender Quoten regelmäßig durchführen, bei 4-wöchentlichen Titeln zum Ende hin natürlich aufsummieren. In den jetzt zu Ende gehenden 4-Wochen-Programmies stimmte zuletzt weder das ausgewiesene Programm am Sat.1-Vorabend noch am RTL II- und kabel eins-Nachmittag. Auch dass ProSieben am Montagnachmittag inzwischen keine Filme mehr wiederholt, sondern auch dort nun auf Sitcoms setzt, fand - anders als in 14-täglichen und wöchentlichen Titeln - noch keine Berücksichtigung.

In der Primetime backten in den 4-Wochen-Titeln noch in dieser Woche dienstags noch immer die "Torten-Tuner" bei kabel eins, obwohl sie schon Ende Januar abgesetzt worden waren. Donnerstags wurde bei Sat.1 am 23. Februar noch immer "Die perfekte Minute", "Bitte melde dich" und "ErmittlungsAKTE" angekündigt, obwohl damit bereits am 19. Januar Schluss war - über eine Woche bevor die 4-Wochen-Titel überhaupt begannen.

Besonders kurios ist der Fall des RTL II-Mittwochs. Am 11. Januar lief dort zum letzten Mal "King of Queens" im Viererpack, ehe man aufgrund der miserablen Quoten wieder auf Filme umschwenkte. Eigenlich kam diese Entscheidung auch für die 4-wöchentlichen Titel früh genug. Und tatsächlich wurden in den ersten beiden der vier Programmwochen das richtige Film-Ersatz-Programm ausgewiesen. Doch weil solche Umplanungen häufig etwas mehr Zeit in Anspruch nehmen, werden die späteren Programmwochen teils erst in einem zweiten Schritt aktualisiert. Die Folge: In den Programmwochen 3 und 4 wiesen "TV 4x7" und "nur TV" plötzlich wieder "King of Queens" aus - ein Fehler, der hätte auffallen können, wenn die Programmtabellen vor dem Druck noch einmal redaktionell überprüft worden wären. Bei "tv!top" trat dieser Fehler übrigens interessanterweise nicht auf.

Dazu kommen natürlich noch ganz kurzfristige Änderungen wie etwa nach dem Wulff-Rücktritt, die in gedruckten Zeitschriften naturgemäß gar nicht abbildbar sind. Doch die sind nicht das Problem. Das Problem ist, dass sich das TV-Programm offensichltich nicht verlässlich so weit im Voraus bekanntgeben lässt. 4-Wochen-Titel scheitern daher regelmäßig - und sind insbesondere in den letzten beiden Wochen kaum noch das Papier wert, auf dem sie gedruckt wurden.

Anzahl der Fehler in 4-Wochen-Programmzeitschriften

Fehler in 4-Wochen-Programmies
© DWDL
(Basis: Auswertung "nur TV", "TV 4x7", "tv!top", "TV Pur", exemplarisch 28.1.-24.2., nur Top 8 Sender)

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