Betsy Brandt © DWDL.de
DWDL.de-Umfrage bei den Primetime Emmys 2013

Binge-Watching: Ein Trend, der linearem TV schadet?

 

Es ist eine Debatte zwischen Verfügbarkeit und Vorfreude: Wie werden wir in Zukunft fernsehen? Binge-Watching, das Schauen von mehreren Folgen oder ganzen Staffeln am Stück, ist derzeit ein Trend. Wir haben uns bei den Emmys unter Fernsehmachern umgehört.

von Thomas Lückerath
25.09.2013 - 16:00 Uhr

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Was macht ein Branchendienst am roten Teppich der Primetime Emmys? Einen Weg suchen, die furchtbar belanglosen Fragen nach Outfit, Favoriten und tagesaktuellen Befindlichkeiten zu vermeiden und wirklich etwas zu erfahren. Das ist gar nicht so einfach in einem Umfeld, in dem echte Fragen einfach nicht erwartet werden und die internationale Presse nur eine untergeordnete Rolle spielt. Wir haben es dennoch versucht und wollten nach der aufsehenerregenden Rede von Kevin Spacey beim Edinburgh International Television Festival jetzt in Los Angeles von den Emmy-Stars wissen, was sie vom TV-Trend Binge-Watching halten, der derzeit Fragen über die Zukunft des Fernsehens aufwirft, und wie sie selbst eigentlich fernsehen. Angefangen haben wir mit der Gastgeberin der Preisverleihung. Lucy Hood, die Präsidentin der Academy of Television Arts & Sciences, ist eine langjährige, leidenschaftliche Fernsehmacherin aus dem Hause News Corp.

Lucy Hood© DWDL.de
„Binge-Watching ist definitiv auf dem Vormarsch“, erklärt Lucy Hood, die übrigens - kleine Randnotiz - kurzzeitig auch mal Chefin des Klingelton-Anbieters Jamba war. Sie sieht einen Wandel für das Medium Fernsehen. „Das USC Institute for Creative Technologies hat jüngst in einer Studie herausgefunden, dass längst mehr als 60 Prozent der Amerikaner Binge-Watching machen. Je jünger die Zuschauer desto intensiver ist dieser Trend zu beobachten. Teenager schauen gerne mal an einem Wochenende fünf Stunden oder länger eine einzige Serie, was natürlich besonders durch Streaming-Services wie Netflix unterstützt wird. Noch häufiger wird - dann eher von der Eltern-Generation - der DVR genutzt, um vielleicht zwei, drei Folgen aufzuholen. All das geht von der linearen Nutzung ab.“ Damit steht sie im Raum, die Frage nach den Auswirkungen dieses für Zuschauer bequemen Trends für eine Branche, die lange gewohnt war als Zirkusdirektoren bestimmen zu können, wie das Programm aussieht.

Rico Rodriguez© DWDL.de
Wohin die Reise für das Fernsehen geht, merkt man, wenn man die jüngeren Emmy-Gäste fragt. Sarah Hyland (22) und Rico Rodriguez (15) holten in diesem Jahr mit ihren Kollegen von „Modern Family“ erneut den Emmy in der Kategorie „Beste Comedyserie“. Während sich manch älterer TV-Kollege bei unseren Fragen nach dem TV-Trend Binge-Watching noch bemüht, möglichst diplomatisch dem linearen Fernsehen einen, wenn auch kleinen, verbalen Schulterklopfer zu geben, klingt das bei den beiden Jungstars ganz anders. Hyland und Rodrigeuz warten lieber bis eine Staffel verfügbar ist als Woche für Woche auf die neue Folge zu warten.

Sarah Hyland© DWDL.de
„Binge-Watching ist der absolute Trend momentan. Bei einer Serie wie ,Breaking Bad‘ muss ich einfach wissen wie es weiter geht und so viele Folgen wie möglich anschauen“, sagt Rico Rodriguez. Und Kollegin Sarah Hyland stimmt zu: „Ich nehme sehr viel Fernsehen auf, von ,The X-Factor‘ über ,Game Of Thrones‘ bis hin zu ,Community‘. Ich bin ein absoluter TV-Junkie - und davon überzeugt, dass Binge-Watching ein Trend ist, der bleibt. Zumal die Zuschauer durch beispielsweise Netflix noch besseren Zugang zu Serien haben.“

Julian Fellowes© DWDL.de
Doch es sind nicht nur junge Schauspielerinnen und Schauspieler, die die Sorgen von linearen TV-Sendern lediglich bedingt teilen können. Auch „Downton Abbey“-Schöpfer Julian Fellowes zeigt viel Verständnis dafür, dass immer mehr Zuschauer seine Serie aufnehmen und später schauen oder gleich zu DVD, Bluray oder Streaming greifen. Warum? „Weil sie keine Werbung schauen wollen. Ich glaube das Fernsehkonsumverhalten verändert sich nachhaltig, besonders auch mit neuen Plattformen wie Netflix und anderen Internet-Streaming-Services. Wir müssen offener werden, wie wir den Zuschauern die Serien anbieten. Ich kenne ganz viele Leute, die bei ,Downton Abbey‘ Bing-Watching machen. Das macht mir nichts aus, so lange die Menschen überhaupt ,Downton Abbey‘ schauen.“

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