Man kann die Designer-Show „Fashion Hero“ gemessen an der erzielten Reichweite zweifelsohne als Flop für ProSieben bezeichnen. In Unterföhring hat man sich weit mehr erhofft für diese Sendung mit Claudia Schiffer als prominentem Aushängeschild. Doch wie kaum eine andere TV-Show zuvor, ist es bei „Fashion Hero“ dringend geboten, sich das Geschäftsmodell hinter der Fernsehsendung genauer anzuschauen. Am Ende dieser Recherche steht dann die Erkenntnis: Die Show ist für viele Beteiligte ein durchaus zufriedenstellender Erfolg. Nur der Sender guckt dabei in die Röhre. Warum die Show trotz der schlechten Quoten ganz sicher nicht abgesetzt wird, klärt sich bei der Gelegenheit auch.



Doch alles der Reihe nach. Vom Start weg stehen bei „Fashion Hero“ enttäuschende Einschaltquoten freudigen Mitteilungen der beteiligten Modehäuser gegenüber. Karstadt, s.Oliver und Asos verkaufen die von den Designer der Show entwickelten Kleidungsstücke. Aufgezeichnet wurde „Fashion Hero“ deshalb schon vor Monaten, damit die Kollektionen zur Ausstrahlung im Handel sein können. Und sie verkaufen sich gut - trotz schlechter Einschaltquote. Wie passt das zusammen? Wir haben bei Petra Winter nachgehalt. Die frühere „Cosmopolitan“-Chefredakteurin ist bei „Fashion Hero“ als Einkäuferin für s.Oliver dabei.

Petra Winter© s.Oliver
Spricht man mit ihr, klingt es beinahe so als wäre die Show ein voller Erfolg. Kann das sein? Fangen wir bei den offensichtlich schlechten Einschaltquoten an. Wirtschaftlich sei das Engagement von s.Oliver an der Show auch bei diesen Quoten lohnenswert. „In der Zielgruppe 14 bis 29 Jahren sind wir am stärksten, da beträgt der Marktanteil 16 Prozent und das ist natürlich das, worauf es uns ankommt“, erklärt Petra Winter und betont den Werbeeffekt der Show für die Marke s.Oliver, die wie auch Karstadt und das Online-Portal Asos sehr präsent sind. „Nur das zählt für uns. Wie jedes werbetreibende Unternehmen versuchen wir natürlich Streuverluste zu vermeiden.“ Die gebe es bei „Fashion Hero“ nicht.

Winter im Gespräch mit DWDL.de: „Wenn nur ein Bruchteil der Zuschauerinnen und Zuschauer am nächsten Tag in die Geschäfte geht, um die Klamotten zu kaufen oder sich noch während der Sendung vor den Computer setzt und online bestellt - so wie sie es gerade tun - dann geht für uns die Rechnung trotzdem auf.“ Doch was steckt jetzt wirklich hinter dem jede Woche vermeldeten Ausverkauf der „Fashion Hero“-Kollektionen? Wer nur in kleinen Stückzahlen produzieren lässt, ist natürlich schnell ausverkauft. Wir wollen deshalb wissen, wie viel Aussagekraft hinter diesen Meldungen steckt. Wenig überraschend blockt Winter bei dem Thema ab: „Ich darf Ihnen keine konkreten Zahlen nennen.“

„Keine andere Castingshow hat mit den Produkten der Kandidaten so viel Umsatz gemacht"

Einen Versuch war es wert. Die s.Oliver-Einkäuferin gibt immerhin einen Denkanstoß: „Wir sind ein großer Konzern mit 1,5 Milliarden Euro Umsatz im vergangenen Jahr. Wir haben in Deutschland generell über 3000 Verkaufsflächen. Mit ,Fashion Hero‘ bespielen wir über 380 Point-of-Sales, darunter eigene Läden und Franchise-Partner. Und wenn man dann hochrechnet: Wir kaufen pro Sendung fünf bis sieben Stücke, die dann in allen Point-of-Sales ja auch nicht nur mit einem Teil beliefert werden, dann kommen Sie schon auf ein relevantes Volumen. Sie können dann selbst nachvollziehen, dass wir da nicht nur von 50 Teilen sprechen.“

Wirtschaftlich spiele „Fashion Hero“ damit in einer eigenen Liga. „Keine andere Castingshow hat mit den Produkten der Kandidaten so viel Umsatz gemacht wie ,Fashion Hero‘. s.Oliver ist nicht gerade klein, Karstadt ist auch ein großer Player, Asos ist ein bisschen kleiner, aber die machen auch ihr Ding. Wir alle bringen die Kreativität von mehr als nur einem Kandidaten auf den Markt und es verkauft sich“, betont Winter im Gespräch mit dem Medienmagazin DWDL.de. Pech für ProSieben: Von diesen Erlösen hat der Sender nichts. Winter ergänzt: „Und die Kollektion des Gewinners von ,Fashion Hero“, kommt in einem Wert von 1,5 Millionen Euro in den Handel.“