Trump Kelly © Fox News
Wie US-Journalisten mit Donald Trump umgehen

Truth or Trump - Wie ernst nehmen ihn US-Medien?

 

In Deutschland gilt Donald Trump als gefährlicher Witz. Aber wie gehen US-Medien damit um, dass aus dem schlechten Scherz ein tatsächlicher Kandidat wurde? Sie sind differenzierter - und erfinden nebenbei neue journalistische Formate. Einige stellen sich sogar auf Trumps Seite. Eine Analyse.

von Christian Fahrenbach
09.08.2016 - 16:03 Uhr

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Gleich zu Beginn seiner wöchentlichen CNN-Sendung schaut US-Medienjournalist Brian Stelter am Sonntag ernst drein. Es gehe heute um Menschen mit einem besonderen Beruf, sagt er. „Man kann es vielleicht den einsamsten Fernseh-Job überhaupt nennen“, gibt er einen Hinweis. „Trump-Supporter.“ Die erste halbe Stunde seiner Show führt er mit vier von ihnen ein Gespräch. Inhaltlich war es nicht wahnsinnig aufregend: Medien sind böse, Hillary sowieso und Trump ist Opfer. Was man halt so sagt, wenn der eigene Kandidat im Hintertreffen liegt. Hinter den Kulissen muss diese Ausgabe von „Reliable Sources“ eine Herausforderung gewesen sein. Kommentatoren sind rar, die in Panels oder als Interviewpartner den republikanischen Präsidentschaftskandidaten und seine Skandale verkaufen.

Auffällig war an dem Gespräch aber vor allem das ungewöhnliche Setup. Stelter hat sich getraut, die oft nervige Ausgewogenheit in US-Medien aufzubrechen und so beinahe ein neues Format für die seriösen Medien geschaffen. Weil der Kandidat so dermaßen über jede bisher etablierte Politiker-Skala hinausschießt, brauchen die US-Medien solche neuen Zugänge. Im Vergleich zu den deutschen Medien fällt in den Vereinigten Staaten zudem eins auf: Die Zeiten, in denen Trump ausschließlich als quotenbringender Clown inszeniert wurde, sind vorbei. Als aus einem vermeintlichen Gag schleichend von Vorwahl zu Vorwahl und Debatte zu Debatte Ernst wurde, begriffen die meisten Medien, dass sie zu lange zu begeistert Fläche für einen Mann gegeben haben, der eben doch nicht nur spielen will. Das Bild des 70-Jährigen ist inzwischen genauso vielschichtig, wie die Taktiken, mit denen über ihn berichtet wird – das gilt für Medien von ganz rechts bis ganz links.

Das Spektrum der Betrachtungen ist vielfältig

Da sind zunächst die Hardcore-Fanseiten, immer nahe an der Verschwörungstheorie. Vom einst durch saftige Enthüllungen in der Lewinsky-Affäre bekannt gewordenen Drudge Report oder dem geifernden Talkshow-Moderator Rush Limbaugh haben auch in Deutschland viele gehört. Shootingstar der aktuellen Wahlkampf-Saison ist Milo Yiannopoulos, ein aufmerksamkeitsgeiler Vertreter der sogenannten „Alt-Right“ und Gallionsfigur der trumpfreundlichen Seite Breitbart. Er ist stolz auf seine Verbannung bei Twitter nach einer üblen Hass-Kampagne gegen eine farbige „Ghostbusters“-Schauspielerin und er war Organisator einer Veranstaltung beim Nominierungsparteitag in Cleveland, bei der auch Geert Wilders auftreten durfte. Strategie dieser neuen Angebote ist es, die extreme Basis zu erreichen: Maximale Reichweite durch eine loyale Community. Stark in sozialen Netzwerken nehmen sie Trump als ihren Heilsbringer extrem ernst - schließlich sichert er ihnen das Geschäftsmodell.

Trump Discussion on CNN© CNN

Deutlich heruntergedimmt sind Trumps gemäßigte Befürworter in traditionellen Medien. Brian Stelter hat Recht, wenn er sagt, dass es nicht viele von ihnen gibt. Da ist aber beispielsweise die boulevardeske New York Post, immerhin ein etabliertes Printmedium. Sie unterstützt Trump – doch dann wird es schon recht dünn. Maximal Sean Hannity als ultrakonservatives Fox-News-Flaggschiff spielt noch treu in dieser Schwergewichts-Klasse. Insgesamt verhält sich Fox in diesem Wahlkampf aber differenzierter als es das deutsche Klischee gerne sehen will. Während der Vorwahlen waren ausgerechnet die Moderatoren der republikanischen Debatten auf dem vermeintlichen Skandalsender am besten vorbereitet und hatten die präzisesten Fragen an den mutmaßlichen Milliardär. Bei den auf CNN ausgestrahlten Diskussionsrunden hatte Trump ein leichteres Spiel.

Besonders Fox-Frau Megyn Kelly hat sich profilieren können, nachdem Trump sie für seinem Empfinden nach besonders kritische Fragen beleidigte, ihr sei nicht nur Blut aus den Augen getreten, sondern "woauchimmer". In den Folgewochen positionierte sich Kelly noch mehr als ohnehin schon als exzellent vorbereitete Fragenstellerin, "Vanity Fair" widmete ihr sogar eine Titelgeschichte. Und dennoch: Es ist eine deutliche Parteinahme, eine Umfrage, in der Trump 15 Prozentpunkte hinter Clinton liegt, damit einzuleiten, dass „61 Prozent der Wähler denken, dass Hillary Clinton nicht aufrichtig ist, und dennoch hat sie in der jüngsten Fox-News-Umfrage einen großen Vorsprung gegenüber Donald Trump.“ Das gehört am Ende wieder zu jener pseudo-kritischen Haltung von Fox News, die weniger Anti-Mainstream als in erster Linie opportunistisch ist.

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