Sky Upfront 2016 © DWDL.de / Alexander Krei
Wie Sky weiter wachsen will

"Wir fangen gerade an, Geschwindigkeit aufzunehmen"

 

Sky benötigt neue Kunden und will daher verstärkt abseits des Fußballs wachsen. Beim groß angelegten "Sky Upfront" in Düsseldorf zeigte sich CEO Carsten Schmidt kämpferisch. Im Gepäck hatte er unter anderem eine neue Show mit Frank Buschmann.

von Alexander Krei
03.11.2016 - 01:24 Uhr

"Das stand doch schon in allen Zeitungen", platzte es aus Jürgen Klopp heraus. Sichtlich entspannt kam der Trainer des FC Liverpool seiner Aufgabe als Markenbotschafter von Sky nach und preschte – zugeschaltet von der Insel – vor, um auszuführen, was ohnehin schon jeder wusste: Mit Beginn der neuen Saison wird Frank Buschmann als Fußball-Kommentator bei Sky anheuern. Tatsächlich hielt sich der Neuigkeitswert bei der großen Programmpräsentation, die der Bezahlsender am Mittwochabend in Düsseldorf veranstaltete, in argen Grenzen, weil die großen News bereits einige Tage zuvor durchgesickert waren.

Frank Buschmann
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Kurz vor dem Ende der Veranstaltung machte Sky die Personalie aber noch ganz offiziell – und hatte dann doch noch eine News zu verkünden. Buschmann wird nämlich nicht nur als Kommentator in Erscheinung treten, sondern für den neuen Entertainment-Sender Sky 1, der an diesem Donnerstag startet, voraussichtlich ab Frühjahr die deutsche Version der ebenso schrägen wie erfolgreichen Sport-Comedyshow "A League of their own" präsentieren, für deren Produktion RedSeven Entertainment verantwortlich zeichnet. In verschiedenen Spielrunden müssen die Gäste ihr sportliches Wissen, Geschick und auch ihre Fitness unter Beweis stellen. Das englische Original der Show wird übrigens seit einigen Jahren von Late-Night-Moderator James Corden präsentiert – die Fußstapfen, in die Buschmann treten wird, sind also durchaus groß.

Die prominente Personalie zeigt ganz gut, wie sehr sich der in der Vergangenheit immer etwas bieder agierende Anzugträgerverein derzeit einem Wandel unterzieht – und ein Stück weit auch unterziehen muss, um neue Zuschauergruppen anzusprechen, mit denen die immer teurer werdenden Fußballrechte refinanziert werden sollen. Das lässt sich auch an der neuen Kochshow "Masterchef" erkennen, die sich Sky 1 mit Sicherheit einiges hat kosten lassen. "Sky für jedermann" nennt Sky-Deutschland-Chef Carsten Schmidt sein ambitioniertes Vorhaben und kündigt sogleich vollmundig an: "Wir machen Fernsehen, wie man es so von uns noch nicht kannte."

In Zukunft werde sich Sky nicht mehr nur auf den Sport reduzieren lassen. "Wir werden weiblicher und nehmen die Jungen stärker in den Fokus", so Schmidt, der in diesem Zusammenhang ganz lässig von der "Generation Chill" spricht, die bisher in der Sky-Welt häufig etwas zu kurz gekommen ist. Schnell wird beim "Upfront"-Abend, wie man die Präsentation überschrieb, deutlich, dass Sky die Vergangenheit nun endgültig hinter sich lassen will. Die Worte "chronisch defizitärer Bezahlsender" seien stets eine Floskel gewesen, betonte Schmidt. "Aber das ist vorbei. Wir haben den Turnaround geschafft. Von hier an werden wir richtig anfangen zu wachsen."

Carsten Schmidt
© DWDL.de / Alexander Krei

Carsten Schmidt bei der Sky-Programmpräsentation in Düsseldorf

In der Tat kann man Sky keineswegs Stillstand vorwerfen. Mit Sky Ticket hat man vor wenigen Wochen seinen Abo-freien Online-Dienst überarbeitet, mit Sky Arts einen Kultursender gestartet und mit Sky Cinema Family einen Kanal gelauncht, der ebenso wie die Kids-App den veränderten Blickwinkel auf die Kundschaft unterstreicht. Hinzu kommen der Start von Sky 1 und der baldige Wechsel von Sky Sport News HD ins Free-TV. Dass man es auch hiermit ernst meint, zeigt die Verpflichtung von Jörg Wontorra, der es ab Sommer mit einem neuen Fußball-Talk noch einmal wissen will. "Ich habe mir ein Jahr Ruhe gegönnt, ohne Ruhe zu haben", sagte der Moderator, der mit seiner Sendung voraussichtlich gegen den "Doppelpass" antreten wird. "Der Ruhestand", so Wontorra, "ist einfach nichts für mich."

"Der neue Maßstab"

Doch der Sport spielte in Düsseldorf wahrlich nur eine Nebenrolle. Viel lieber verwies Sky auf das neue Kulturformat "Art in The City" mit dem Musikjournalisten Axel Brüggemann oder die "Mitfahr-Randale", in der sich von diesem Freitag an unter anderem Micky Beisenherz als Chauffeur der etwas anderen Art versuchen wird. Und dann sind da auch noch die fiktionalen Eigenproduktionen, von denen Sky auf nationaler und europäischer Ebene insgesamt rund 30 in Auftrag gegeben hat. Die serielle Fortsetzung von "Das Boot" zählt hier ebenso dazu wie die 20er-Jahre-Serie "Babylon Berlin", die Tom Tykwer derzeit dreht.

Nichts weniger als einen "neuen Maßstab" sollen die "Original-Produktionen" von Sky zukünftig darstellen, war der Stimme in einem der zahlreichen "Upfront"-Trailer zu entnehmen. Passend dazu zeigte sich Fiction- und Entertainment-Chef Marcus Ammon davon überzeugt, dass "Babylon Berlin" bald "Fernsehgeschichte schreiben" werde. Bis zur Ausstrahlung wird allerdings noch knapp ein Jahr vergehen – erst im Herbst kommenden Jahres werden die Zuschauer das Ergebnis zu sehen bekommen. Ein erster Trailer zeigte allerdings schon mal, dass sich der Stoff recht deutlich von dem unterscheidet, was Serien-Deutschland seinem Publikum für gewöhnlich serviert.

Carsten Schmidt hat also nicht ganz unrecht, wenn er vom "Beginn eines neuen Abschnitts von Sky" spricht. Denn auch wenn manchem Kunden Nebengeräusche wie die Zunahme von Werbung oder das Wegfallen einiger Partnersender nicht schmecken mögen: So breit wie jetzt war der Bezahlsender mit seinen beinahe fünf Millionen Abonnenten in Deutschland noch nie aufgestellt. Und geht es nach Schmidt, dann war das, was man Werbekunden und Journalisten in Düsseldorf präsentierte, noch längst nicht alles: "Wir fangen gerade an, Geschwindigkeit aufzunehmen für das weitere Wachstum."

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