Tagesschau © NDR/Thorsten Jander
Fünf Jahre nach der Umbenennung

Tagesschau 24: Rückgrat mit überschaubarer Quote

 

Vor fünf Jahren hat die ARD ihren weitgehend unbekannten Nachrichtenkanal EinsExtra nach der Tagesschau benannt. Trotz eines überschaubaren Marktanteils hält man den Sender für einen Erfolg, zumal sich die Mehrkosten wohl in Grenzen halten.

von Alexander Krei
28.04.2017 - 16:16 Uhr

Ob EinsExtra, EinsPlus oder Einsfestival - wer sich vor gar nicht allzu langer Zeit zu einem der ARD-Digitalsender verirrte, dürfte mit einiger Sicherheit zunächst irritiert gewesen sein. Aus den Namen ließ sich die Ausrichtung der einzelnen Kanäle jedenfalls nur schwer ableiten. So gesehen war es ein recht geschickter Schachzug, dass der NDR entschied, den von ihm verantworteten Sender EinsExtra in Tagesschau 24 umzubenennen und das Publikum auf diese Weise mit einer seit Jahrzehnten bekannten Marke anzusprechen.

Fünf Jahre liegt die Umbenennung von EinsExtra inzwischen zurück - und blickt man auf den heutigen Marktanteil von gerade mal 0,3 Prozent, den Tagesschau 24 erreicht, dann stellt sich unweigerlich die Frage, ob das nicht ein bisschen wenig ist angesichts des großen Bekanntheitsgrad der ältesten Nachrichtensendung des deutschen Fernsehen. "Im Gegenteil", beschwichtigt Kai Gniffke, Erster Chefredakteur von ARD-aktuell, auf DWDL.de-Nachfrage. "0,3 Prozent Marktanteil sind sehr viel für einen Kanal, der nur auf Kurzzeitnutzung setzt und nicht auf Dokumentationen."

ARD-aktuell-Chefredakteur Kai Gniffke© NDR/Thorsten Jander
Mehr als zwei Millionen Menschen informieren sich seinen Angaben zufolge jeden Tag bei Tagesschau 24 über das Weltgeschehen - mit steigender Tendenz, wie Gniffke (Foto) ausführt. "Das zeigt, wie groß das Interesse an diesem öffentlich-rechtlichen Nachrichtenkanal ist." Der steht gewissermaßen in Konkurrenz zu den privaten Sendern n-tv und N24, denen das öffentlich-rechtliche Angebot trotz geringener Marktanteile ein Dorn im Auge sein dürfte. Wer den Namen des Senders zu wörtlich nimmt, wird dennoch enttäuscht, denn ähnlich wie seine Kontrahenten setzt auch Tagesschau 24 nicht rund um die Uhr auf Nachrichten.

In den Abend- und Nachtstunden dominieren dann doch Dokumentationen und Wiederholungen von Talkshows und Reportagen, nur vereinzelt leistet sich Tagesschau 24 eigene Projekte wie etwa kürzlich den "Moscheereport" mit dem zuvor von n-tv gekommenen Constantin Schreiber. Doch wofür das alles, wird so mancher Beobachter fragen - erst recht, weil die Öffentlich-Rechtlichen in ihren Hauptprogrammen doch ebenfalls einen hohen Nachrichtenanteil aufzuweisen haben.

"Sehr geringer Mehraufwand"

"Tagesschau 24 bildet das Rückgrat der Nachrichten der ARD im Fernsehen", betont Kai Gniffke. "Durch Tagesschau 24 ist die ARD in der Lage, kurzfristig auf plötzliche Ereignisse wie Charlie Hebdo oder den Absturz der Germanwings-Maschine mit stundenlangen Sondersendungen zu reagieren." Angaben zur Höhe des Budgets macht der Chefredakteur dagegen nicht. Eine Berechnung sei "seriös kaum möglich" oder "von sehr beschränktem Aussagewert", sagt er.

Stattdessen rechnet er vor, dass die ARD ohne Tagesschau 24 die gleichen Kapazitäten bereitstellen müsste wie ohne dieses Nachrichtenangebot. "Um jederzeit Breaking-News-fähig zu sein, muss die ARD sowohl redaktionell als auch produktionstechnisch Kapazitäten vorhalten. Da sowohl die Sendungen im Ersten als auch Tagesschau 24 von denselben Teams produziert werden, entsteht durch Tagesschau 24 nur ein sehr geringer Mehraufwand", so Gniffke.

Wie nah der Sender an die "Tagesschau" im Hauptprogramm angedockt ist, lässt sich übrigens immer dann beobachten, wenn der Nachrichtenkanal gerade mal wieder eine Sendung des Ersten übernommen hat. Auf den Abspann folgt dann meist eine Kamerafahrt epischer Länge durchs Hamburger Studio, ehe der Moderator - nun vor überschaubarer Zuschauerzahl - nach mehrfacher Wiederholung der Eröffnungsfanfare endlich mit der Sendung für Tagesschau 24 beginnen darf.

Nicht nur deshalb kommt Tagesschau 24, gerade im Vergleich zu den oft lauten Angeboten der Konkurrenz, erstaunlich entspannt daher. Manchmal vielleicht etwas zu entspannt, um sich in Breaking-News-Situationen als Anlaufstation ins Gedächtnis des Publikums zu rufen.

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