Saisonbilanz 2016/17 – ProSieben © ProSieben/DWDL
Saison-Rückblick 2016/17

ProSieben: Shows können Serien-Delle nicht ausbügeln

 

Weil aus den USA nur wenige Serien nachkommen, die auch im Free-TV funktionieren, leidet ProSieben. Da "Big Bang Theory" nicht alle Löcher stopfen kann, bräuchte es mehr eigene Inhalte. Glänzen kann der Sender nach wie vor im Show-Bereich und mit Filmen.

von Timo Niemeier
14.06.2017 - 09:39 Uhr

Unterm Strich ist es eine schwierige TV-Saison für ProSieben gewesen: Immer häufiger muss man sich in Unterföhring auch bei seinem zweiten großen Sender mit einstelligen Marktanteilen in der Zielgruppe begnügen. Waren zwischen September 2015 und Mai 2016 noch jedes Mal zweistellige Monatsmarktanteile drin, so gelang ProSieben das in der vergangenen Saison nur noch vier Mal. Im Vergleich zum jeweiligen Vorjahresmonat hat ProSieben zuletzt in acht von neun Monaten schlechter abgeschnitten, nur im Oktober 2016 hielt man sich auf Vorjahresniveau. Doch woher kommt der Quotenrückgang?

Das größte Problem hat ProSieben wohl im Bereich der US-Serien. Denn während "The Big Bang Theory" weiterhin grandios läuft und in der Spitze für Marktanteile von mehr als 20 Prozent gut ist, kommen wenig neue, starke Formate nach - und das, obwohl man mit nahezu allen großen Hollywood-Studios Verträge geschlossen hat. So gerieten alle Superhelden-Serien mehr oder weniger schnell zum Flop: "Legends of Tomorrow" enttäuschte von Anfang an, die Bilanz von "Supergirl" fällt katastrophal aus und im vergangenen Sommer konnte auch schon "The Flash" meist nur noch einstellige Marktanteile einfahren. Doch nicht nur Superhelden haben Probleme: Auch "Gotham" konnte nicht mehr an die Werte der ersten Staffel anknüpfen, zuletzt scheiterte das in den USA so starke "This Is Us".


Auf der Haben-Seite kann ProSieben neben "The Big Bang Theory", das nach wie vor die stärkste US-Serie im deutschen Fernsehen ist und am Montagabend auch in Wiederholungen gut läuft, "Grey’s Anatomy" verbuchen, das immerhin eine Konstante am Mittwochabend ist. Davor gingen allerdings "Limitless" und "Containment" gnadenlos baden. Hier muss man ProSieben zugute halten, einen langen Atem gehabt zu haben. Trotz schwacher Quoten hielt der Sender bei der Ausstrahlung durch. Die "Simpsons" haben dienstags nur als Erstausstrahlung Zugkraft, die Wiederholungen laufen inzwischen meist unter Senderschnitt. Hinzu kommt die Tatsache, dass "2 Broke Girls" zwar gut läuft, in den USA aber bereits beendet wurde. Hier muss sich ProSieben bald auf die Suche nach einem potenziellen Nachfolger machen. Zu den weiteren Serien-Enttäuschungen zählen "Mike & Molly", das am Mittwochabend mit ganz schwachen Quoten zu Ende ging, und "Empire", das inzwischen ein Dasein in der Nacht fristet.

Bei der Vielzahl an schwächelnden US-Serien kommt unweigerlich die Frage auf, ob ProSieben zumindest perspektivisch die eigenproduzierte Fiction wieder für sich entdeckt. Mit "Jerks", das ja offiziell Maxdome zugeschrieben werden muss, gab es immerhin ein kleines, zartes Pflänzchen, das zwar gute Kritiken bekam, gleichzeitig aber mit sehr wechselhaften Quoten zu kämpfen hatte. "Jerks" wird fortgesetzt, aber ansonsten deuten sich keine großen Veränderungen an. Die vor zwei Jahren geplante Serien-Offensive scheint im Sande verlaufen zu sein. Im Gegensatz dazu kann ProSieben sehr froh sein, am Sonntag nicht dem Beispiel von Sat.1 und RTL gefolgt zu sein. Denn während diese dort gegen den "Tatort" eine Show nach der anderen versenken, fährt ProSieben regelmäßig sehr gut mit seinen Blockbustern. Schwerer tut man sich mit Filmen am Freitagabend.

Erfolge kann man im Show-Bereich meist dann verbuchen, wenn bekannte Marken an den Start gehen. "The Voice" ist weiterhin für mehr als 20 Prozent Marktanteil gut und, noch etwas wichtiger für ProSieben, "Germany’s Next Topmodel" präsentierte sich so stark wie seit Jahren nicht mehr. Trotz starker Konkurrenz durch "Alarm für Cobra 11" und "Der Lehrer" hat sich die Modelsuche zuletzt recht deutlich steigern können. Hier erntet der Sender die Früchte seiner konsequenten Entwicklungsarbeit am Format. Hinzu kommen vereinzelte Ausrufezeichen: "Kiss Bang Love" lief zumindest im Anschluss an die Modelsuche sehr gut, "Mission Wahnsinn" erzielte Anfang der Saison am späten Montagabend solide Quoten.

Beim "Auswärtsspiel" hat sich ProSieben mal wieder getraut, eine große neue Live-Show zu machen. Gemessen an dem Aufwand war der knapp zweistellige Marktanteil zwar kein großer Erfolg, aber die Show ist vielleicht etwas, worauf man aufbauen kann. Bei den großen Promi-Shows überzeugte vor allem die Promi-Darts-WM, während etwa die Neuauflage der Völkerball-WM enttäuschte. "Schlag den Star" funktioniert auch ohne Stefan Raab und ist am Samstagabend eine etablierte Größe. Überhaupt nicht funktioniert hat samstags "Deutschland tanzt", auch "Risky Quiz" (montags) und "Match Factor" (donnerstags) enttäuschten. Mit "Applaus und Raus" konnten ebenfalls keine guten Quoten erzielt werden, aber immerhin erhielt man dafür einen, wenn auch sehr umstrittenen, Grimme Preis.

Eine sichere Bank sind meist auch Joko und Klaas mit ihren Shows: "Die beste Show der Welt" läuft gut und auch "My Idiot Friend" präsentierte sich zum Einstand mit guten Quoten. Demnächst soll es zudem mit "Das Duell um die Welt" weitergehen. Überhaupt nicht aufgegangen ist dagegen der Schritt, "Circus Halligalli" auf den Dienstag zu verschieben. Dort lief es so schlecht wie nie zuvor, trotz der vielen Schlagzeilen rund um Goslinggate schalteten die Zuschauer zuletzt reihenweise ab. Hier stellt sich die Frage, ob ProSieben die sich auftuende Lücke in der kommenden Saison mit eigenproduzierten Formaten füllt oder auf günstige Sitcom-Wiederholungen setzt. Wie viele neue Primetime-Projekte nach dem Ende von "Circus Halligalli" mit Joko und Klaas anlaufen werden, bleibt zudem spannend zu beobachten. Im Aus von "HalliGalli" könnte letztlich aber auch eine Chance liegen.

Und dann ist da auch noch der Nachmittag, wo ProSieben nach wie vor regelmäßig gute Quoten einfährt und mit seinen Sitcoms oft Marktführer ist. Dass aber auch hier langsam aber sicher Handlungsbedarf besteht, zeigen einige Neuerungen: So hat man im März "The Middle" neu eingeführt, die Quoten schwanken stark und liegen im Schnitt bei rund elf Prozent. "Two and a Half Men" und "The Big Bang Theory" performen regelmäßig besser. Seit Anfang der Woche treiben nun auch die "Simpsons" mit einer Doppelfolge ihr Unwesen am Nachmittag. Dafür hat ProSieben die Doppelfolge der gelben Familie am Vorabend abgeschafft, um 18:30 Uhr zeigt man inzwischen ebenfalls die Nerds von "Big Bang Theory". Dieser Schritt wurde nötig, weil die "Simpsons" spürbar an Zugkraft verloren haben und auch "Galileo" mit nach unten zogen. Noch hat sich an der Situation aber nichts wesentliches verändert. Mit einer gänzlich neuen Programmfarbe in der Daytime oder am Vorabend ist vorerst dennoch nicht zu rechnen. Die echten Probleme des Senders liegen aber auch woanders: Dringender denn je ist ProSieben auf erfolgreichen Serien-Nachschub für die Primetime angewiesen. Keine leichte Aufgabe in einer Zeit, in der sich US-Importe zunehmend schwer tun.

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