Netflix, Amazon, Maxdome & Sky Go © Netflix/Amazon/Maxdome/Sky
SvoD-Dienste und ihre Download-Funktionen

Zwischen Restriktionen und technischen Neuerungen

 

Die Download-Funktion ist inzwischen Standard bei allen SVoD-Diensten - bei den einen ist sie wichtiger, bei den anderen weniger. Doch ob man die Funktion künftig noch braucht, ist fraglich. Und schon heute gibt es zahlreiche Restriktionen, auf die die Nutzer achten müssen. Ein Überblick...

von Timo Niemeier
17.08.2017 - 08:06 Uhr

Bei der Download-Funktion ist Netflix lange ein Hinterbänkler gewesen: Während Amazon, Sky, Maxdome und das inzwischen eingestellte Watchever auch eine Offline-Nutzung von Serien und Filmen anboten, wollte man davon bei Netflix lange nichts wissen. "Das ist fürchterlich! Dann muss man sich mit Dateien rumschlagen und Downloads planen. Wir möchten genauso einfach sein wie es Fernsehen immer war", schimpfte Netflix-Chef Reed Hastings noch im Jahr 2014 im Gespräch mit DWDL.de. Zwei Jahre später dann die Kehrtwende: Netflix führte die Download-Funktion doch noch ein.

Ist man nett, könnte man sagen, Netflix war damals seiner Zeit voraus. Ist man das nicht, müsste man schreiben, Netflix hat die Zeichen der Zeit damals nicht erkannt und wollte etwas durchdrücken, wozu viele Nutzer einfach noch nicht in der Lage waren. Wobei die Überlegung hinter der früheren Aussage von Netflix ja durchaus logisch erscheint: Weil es immer mehr WLAN-Hotspots und auch immer mehr Datenvolumen in den Handyverträgen gibt, können sich künftig immer mehr User Filme und Serien anschauen, ohne diese vorher runterzuladen. Nur: Auch 2017 ist das noch Zukunftsmusik, zumindest wenn es um eine sehr intensive Nutzung der bestehenden SVoD-Dienste geht.

Wie wichtig aber ist die Download-Funktion für die verschiedenen Dienste heute - und welche Rolle wird sie in der Zukunft einnehmen? Wird sie in zwei, fünf oder zehn Jahren gar absolet? DWDL.de hat sich bei Netflix, Amazon, Sky und Maxdome umgehört und zeigt außerdem einige Unterschiede in der Nutzung der einzelnen Apps auf.

Netflix

Grundsätzlich und für alle Dienste gilt: Die zum Download angebotenen Filme, Serie und Dokumentationen sind Teil von Lizenzvereinbarungen. Und weil die Plattformen diese mit den einzelnen Lizenzgebern individuell vereinbaren, gibt es auch immer wieder ein paar Unterschiede zwischen den Titeln. Bei Netflix sind vor allem die Eigenproduktionen zum Download verfügbar, hinzu kommen auch einige andere eingekaufte Formate - aber längst nicht alle. Wie viele Titel Netfilx zum Download anbietet, wollte man auf Anfrage nicht mitteilen. Nur so viel: Man bemühe sich in den Verhandlungen mit externen Lizenzgebern auch immer um die Download-Rechte - "da Kunden sich diese Funktionalität wünschen". Nach dem erfolgten Download bleiben alle Titel mindestens 30 Tage verfügbar. Läuft der Download ab, kann dieser erneuert werden - aber nicht unendlich oft. Auch hier gibt es unterschiedliche Regelungen, aber oft können einzelne Titel und Folgen nur zwei bis drei Mal pro Jahr heruntergeladen werden.

Netflix Download© Netflix

Zudem müssen die Nutzer aufpassen, wenn sie einmal einen Titel abgespielt haben. In einigen Fällen muss dieser dann innerhalb der nächsten 48 Stunden angesehen werden - sonst ist auch dieser Download nicht mehr verfügbar und muss erneuert werden. Bei Titeln, die auf dem Gerät in weniger als sieben Tagen auslaufen, wird auf der Seite "Meine Downloads" die verbleibende Zeit angezeigt. Wird ein Download, aus welchen Gründen auch immer, abgebrochen, zählt dieser nicht als Download. Maximal können 100 Titel gleichzeitig als Download gespeichert werden. Manchmal kommt es auch zu Fehlermeldungen, wenn ein User zu viele Titel aus einer Lizenzvereinbarung herunterlädt. Da auch hier immer unterschiedliche Regelungen getroffen werden, reicht es meist aus, einfach einen Titel zu löschen, damit wieder genügend Platz ist.

Und welche Bedeutung wird die Download-Funktion in Zukunft noch für Netflix haben? Heute hört sich die Einstellung des Unternehmens schon deutlich anders an als noch vor wenigen Jahren. Gegenüber DWDL.de teilt ein Unternehmenssprecher mit: "Das Internet wird mit jedem Jahr besser und Kunden können weltweit immer mehr Videos streamen. In der Zwischenzeit hört Netflix von Menschen überall auf der Welt, dass das Herunterladen an Orten mit Einschränkungen bei der Internetgeschwindigkeit oder mit teuren Datenpaketen wichtig ist. In dem Bestreben von Netflix, den Dienst kontinuierlich zu verbessern, ist dies ein Feature, das Netflix anbieten kann, und das die Nutzererfahrung auf Netflix besser macht."

Maxdome

Beim deutschen SVoD-Anbieter Maxdome, der sich zuletzt immer mal wieder neu erfand, um gegen die übermächtig erscheinende US-Konkurrenz mithalten zu können, sind alle angebotenen Titel auch zum Download verfügbar. Das senkt in diesem Bereich das Frust-Potenzial der User wohl ganz erheblich. Hier sind alle Titel mindestens 14 Tage verfügbar, je nach Lizenz auch bis zu 30 Tage. Nach dem ersten Anspielen beginnt die Nutzungslizenz für die kommenden 48 Stunden, danach ist der Titel nicht mehr verfügbar. Alle heruntergeladenen Titel lassen sich auch im Ausland abrufen. Wenn die neue Portabilitäts-Verordnung der EU verabschiedet wird, könnten sogar die gesamten Dienste von den Usern im Ausland (z.B. während Urlauben) genutzt werden. Das betrifft neben Maxdome auch alle anderen Dienste. Gespeichert werden können die heruntergeladenen Dateien übrigens nur im internen Speicher des jeweiligen Geräts - und der Download ist derzeit noch auf 25 Videos begrenzt.

Über die Wichtigkeit de Download-Funktion weiß man bei Maxdome Interessantes zu berichten: "Befragungen unserer Nutzer zeigen, dass die Funktion zwar sehr erwünscht ist. Gleichzeitig sehen wir, dass die Funktion bei Weitem nicht so intensiv genutzt wird, wie es die Befragungen vermuten lassen", sagt ein Unternehmenssprecher gegenüber DWDL.de. Das sei ein Grund mehr für Maxdome, das Angebot "aktiv zu bewerben". Auch beim deutschen SVoD-Dienst sieht man, dass es immer mehr WLAN-Hotspots gibt, gleichzeitig sei die Download-Funktion von den Nutzern mehr und mehr gelernt. "Auf beide Entwicklungen sind wir gut vorbereitet und schauen ihnen entspannt entgegen." Bereits vor einem Jahr hat Maxdome sein Angebot auch in das ICE-Portal der Deutschen Bahn gebracht. Bahn-Kunden brauchen seither kein WLAN mehr, um das Angebot zu nutzen.

Funktion wird bei Weitem nicht so intensiv genutzt wird, wie es die Befragungen vermuten lassen.

Maxdome-Sprecher

Anders als andere Dienste kann man Maxdome übrigens nur über das WLAN nutzen - und nicht etwa auch über mobile Daten. Wenn sich User nach dem Thema bei Facebook erkunden, verweisen Mitarbeiter darauf, dass man die Daten der Nutzer nicht zu sehr strapazieren wolle - als ob diese das nicht selbst entscheiden könnten. Gegenüber DWDL.de kündigt Maxdome nun eine Lösung dieses Problems an: "Wir arbeiten gerade an der Komprimierbarkeit der Video-Dateien, um mittelfristig auch mobile Streams außerhalb des WLANs anbieten zu können."

Amazon

Ebenfalls eine selbst auferlegte Beschränkung bringt die Amazon Prime Video App mit sich. Diese ist nämlich über Android nicht wie etwa Netflix oder Maxdome ganz normal im Google Play Store zu finden, sondern muss erst kompliziert über die Amazon-Seite heruntergeladen werden. Zuerst lädt man sich allerdings erst einmal den Amazon Shop herunter, muss dann an den Sicherheitseinstellungen schrauben um die App überhaupt installieren zu können - und dann lädt man darüber die Video-App. Gerade für etwas ältere Leute oder User, die sich nicht so viel mit den technischen Voraussetzungen beschäftigen, ist das eine große Hürde. Via iOS ist die Amazon Prime Video App ganz regulär im iTunes-Store zu finden. (Update: Seit dem 29. August ist die Android-Version der App ganz normal im Google Play Store verfügbar.)

Einmal geladen, bietet die App schließlich 14.720 Titel zum Download an (Stand: 9. August 2017). Neben den Eigenproduktionen von Amazon sind auch viele eingekaufte Titel im Angebot. "Amazons Ziel ist es, so viele Titel wie möglich zum Download verfügbar zu machen", sagt ein Sprecher gegenüber DWDL.de. Dabei fährt das Unternehmen auch eine recht userfreundliche Politik: Amazon Originals können beliebig oft heruntergeladen werden. Die Verfügbarkeit weiterer Titel hängt dann vom jeweiligen Lizenzgeber ab. Auch bei Amazon gilt: Startet man eine heruntergeladenen Inhalt, bleiben 48 Stunden Zeit, ihn anzusehen. Wird der Titel nicht abgespielt, steht er 30 Tage lang zur Verfügung. Danach muss jeweils der Download erneuert werden. Anders als etwa Maxdome spricht Amazon von einer "regen Nutzung" der Download-Funktion - nennt aber keine konkreten Zahlen.

Sky Go

Etwas komplizierter ist die Sachlage bei Sky. Via Sky Ticket bietet man einen Großteil seines Angebots auch Nicht-Abonnenten an, diesen steht dann aber keine Download-Funktion zur Verfügung. Sky Go ist dagegen nur für bestehende Kunden, die das Angebot auch unterwegs nutzen wollen. Die Möglichkeit des Titel-Downloads gibt es aber auch hier nicht, dafür brauchen die Abonnenten Sky Go Extra, das mit monatlich fünf Euro zu Buche schlägt. Damit können dann 80 Prozent der Titel heruntergeladen werden, zudem kann man das Angebot dann auch auf zwei Geräten parallel nutzen.

Auch bei Sky Go Extra gibt es einige Restriktionen, die die Nutzer beim Download der Titel beachten müssen. So können maximal nur 25 Titel gleichzeitig heruntergeladen werden, zudem kann jede Folge einer Serie oder jeder Film nur zweimal im Kalenderjahr heruntergalden werden. Dafür zählt auch bei Sky nur ein vollständiger Download als Download, abgebrochene Versuche werden nicht auf das Jahreslimit angerechnet. Die heruntergeladenen Titel bleiben jeweils 30 Tage lang verfügbar und nach Beginn der Wiedergabe müssen die User den Film oder die Serie innerhalb von 48 Stunden ansehen. Die Download-Funktion selbst bleibe auch künftig sehr wichtig, teilt Sky kurz und knapp mit.

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