Fred Kogel, Constantin Medien © Constantin Medien/Kogel & Schmidt GmbH
Es drohen Kampfabstimmungen

Hauptversammlung bei Constantin: Showdown in München

 

Vor der Hauptversammlung der Constantin Medien AG erscheinen die Streitparteien unversöhnlich. Einigen sie sich nicht, wird es wohl zu Kampfabstimmungen kommen. Es steht nichts weiter als die Zukunft des Unternehmens auf dem Spiel.

von Timo Niemeier , München
23.08.2017 - 00:31 Uhr

Es ist ein wichtiger Tag für die Constantin Medien AG. Am heutigen Mittwoch, den 23. August, geht es auf der ordentlichen Hauptversammlung (HV) des Medienkonzerns um die Zukunft des Unternehmens. Gelingt nach mehr als einem Jahr der Grabenkämpfe endlich der benötigte Befreiungsschlag? Oder versinkt das Unternehmen weiter im Kleinkrieg seiner Gesellschafter? Weil es für die Beteiligten um viel Geld geht, lassen sich seriöse Prognosen kaum treffen. Derzeit sieht aber alles danach aus, als ob sich der Clinch zwischen dem ehemaligen Constantin-Chef Bernhard Burgener und dem jetzigen Aufsichtsratsboss Dieter Hahn fortsetzt.

Ein Blick auf die Tagesordnungspunkte der Hauptversammlung sowie in die Gegenanträge zeigt, dass es am Mittwoch in den Räumen des Hilton Munich Park zum großen Showdown kommen könnte. Constantin Medien hatte zuletzt ja bereits öffentlich gemacht, Sport1 verkaufen zu wollen. Die Ankündigung überraschte Mitte Juni, hatte Constantin bei der letzten HV im Juni doch erst beschlossen, das Sportgeschäft zu stärken. Weil der Konzern aber dringend Geld braucht, wird nun eben "die langfristig beste und vielversprechendste Strategie" (O-Ton Constantin-CEO Fred Kogel) zu Geld gemacht.

Auf der Hauptversammlung soll das auch ganz offiziell beschlossen werden: Die Aktionäre sollen die Entscheidung der letzten HV, sich künftig auf den Sportbereich zu konzentrieren, revidieren (DWDL.de berichtete). Gegen alle Entscheidungen der letzten HV hatte Bernhard Burgener, der heute Chef der Constantin-Tochter Highlight Communications ist, Anfechtungsklage eingereicht. Zur Erinnerung: Burgener war mit seinen Stimmrechten von den Abstimmungen ausgeschlossen worden, nur deshalb konnten Hahn und Kogel ihre Punkte durchdrücken. Die Aufhebung des Beschlusses zur künftigen Fokussierung des Unternehmens ist der einzige Punkt, an dem Hahn und Kogel nun notgedrungen nachgeben. Bei allen anderen Punkten, die Burgener anfechtet, wollen die Constantin-Chefs die früheren Beschlüsse bestätigen lassen. Eine Konfrontation ist vorprogrammiert.

Auch bei der Wahl der Aufsichtsratsmitglieder wird es wohl zu einer Kampfabstimmung kommen. Die Amtszeit von Ober-Aufseher Dieter Hahn und dem Aufsichtsratsmitglied Jean-Baptiste Felten enden mit Ablauf der Hauptversammlung. Constantin will, dass beide auch darüber hinaus im Aufsichtsgremium bleiben. Highlight-Chef Bernhard Burgener lehnt das ab. Er schlägt vor, stattdessen Andreas Benz und Paul Graf in den Aufsichtsrat zu wählen. Und geht es nach dem Willen Burgeners, sollen auch die restlichen Mitglieder des Gremiums abberufen und ausgetauscht werden. Erfolgschancen ungewiss.

Burgener will Kogel Vertrauen entziehen

Zudem will Highlight auf der HV Constantin-Chef Fred Kogel das Vertrauen entziehen. Geht der Beschluss durch, wäre das de facto das Ende von Kogel an der Spitze des Unternehmens. Erst im März hatte der Vorstandsvorsitzende seinen Vertrag bis Ende 2018 verlängert. Und auch der Beschluss der letzten Versammlung, dass Aufsichtsratsmitglieder nur noch mit drei Viertel Mehrheit abberufen werden können, will Burgener aufheben lassen.

Nein, derzeit sieht es nicht danach aus, als würden sich Dieter Hahn und Bernhard Burgener doch noch irgendwie einig werden. Highlight will am Mittwoch sogar durchdrücken, dass Constantin Schadenersatzansprüche gegen den gesamten Vorstand sowie Dieter Hahn geltend macht. Als Grund nennt Highlight die vertagte HV Mitte 2016 sowie die vielen gerichtlichen Auseinandersetzungen, die Constantin seit der HV im November führen muss und die das Unternehmen viel Geld gekostet haben und bis heute kosten.

Weiter Streit um Darlehens-Rückzahlung

Ein weiteres, großes Problem für alle Beteiligten ist die Finanzsituation. Ein 36-Millionen-Euro-Darlehen von der Bernhard Burgener nahestehenden Stella Finanz wollte Constantin Medien längst zurückzahlen, Stella verweigert aber nach wie vor die Rückabwicklung. Als Sicherheit hatte Constantin damals Highlight-Aktien verpfändet – diese kann man derzeit nicht bei wichtigen Abstimmungen nutzen. Um das Darlehen abzulösen, hat sich Constantin Geld von der Unicredit geholt, dieses Darlehen läuft Ende September aus. Diese Finanzierungsfrage müssen die Verantwortlichen schnellstmöglich klären. Sollte das nicht klappen, wäre der Fortbestand des Unternehmens gefährdet, das hat Constantin zuletzt in seinem Geschäftsbericht eingeräumt. Im April 2018 wird zudem eine Schuldverschreibung in Höhe von 65 Millionen Euro fällig. Auch hier hat Constantin noch keine Lösung präsentiert. Mit dem Erlös aus einem möglichen Sport1-Verkauf wird man die knapp 100 Millionen Euro Schulden wohl kaum bezahlen können.

Es wäre wohl im Interesse von beiden Parteien, sich doch noch irgendwie gütlich zu einigen und dann gemeinsam an einem Strang zu ziehen, um das Überleben des Konzerns zu sichern. Spätestens, wenn man mit dem geplanten Verkauf von Sport1 möglicherweise doch nicht den angepeilten Erlös erzielen kann, weil die Interessenten um die Not bei Constantin wissen und den Preis drücken, könnte darauf spekuliert werden, dass sich Hahn und Burgener doch noch zusammenraufen. Hier geht es schließlich für beide um viel Geld.

Derzeit sieht es aber nicht danach aus. Dieter Hahn und Bernhard Burgener wirken unversöhnlich, keiner von ihnen will nachgeben. Ein Showdown scheint vorprogrammiert. Das macht die Hauptversammlung so spannend: Kann sich endlich einer der beiden entscheidend im Machtkampf durchsetzen oder geht die Hängepartie weiter?

DWDL.de ist am Mittwoch vor Ort in München und berichtet von der Hauptversammlung der Constantin Medien AG.   

Über den Autor

Timo Niemeier schreibt mit einer kleinen Unterbrechung seit 2014 für DWDL.de. Lebt in Wien, das deutsche Fernsehen liebt er aber trotzdem. Mag seichte Unterhaltung ebenso wie anspruchsvolle High-End-Serien, kann sich aber auch in Geschäftsberichten verlieren.

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