Willibald Müller © AGF Videoforschung
Nach dem einwöchigen Ausfall

Es gibt wieder Quoten - doch wie belastbar sind sie?

 

Nach einer einwöchigen Pause liegen nun wieder Quoten-Daten vor - die allerdings mit Beipackzettel geliefert wurden. Wir haben bei der AGF nachgefragt, wie belastbar die Zahlen sind und welche Schritte zur Behebung des Problems nötig waren.

von Uwe Mantel
19.01.2018 - 07:55 Uhr

Eine komplette Woche ohne Quoten liegt hinter der TV-Branche - und damit die größte Panne seit den 90er Jahren. Nachdem der erste Wiederaufnahme-Termin am Dienstag geplatzt war, gab die AGF am Donnerstagabend endlich Entwarnung, mehr oder weniger: Die technischen Probleme seien "weitgehend" behoben, ab Freitagmorgen wird es also wieder frische Daten zur Fernsehnutzung vom Vortag geben. Und wie erhofft sind durch die Panne wohl auch keine Daten verloren gegangen; die Quoten für die vergangenen Tage konnten nun also nachträglich ermittelt werden und wurden dem Markt auch bereits zur Verfügung gestellt. Die wichtigste Erkenntnisse aus diesen sieben Tagen haben wir in einem eigenen Artikel kompakt zusammengefasst.

Und doch bleiben nach dieser quotenlosen Woche Fragen offen, etwa was die tatsächliche Belastbarkeit der nun veröffentlichten Werte angeht. Denn geliefert wurden sie gewissermaßen mit Beipackzettel. Darauf wird gewarnt, dass "noch nicht das Berichtsniveau vor Ausfall der Verbindung erreicht" sei und es daher größere Unterschiede der nun vorliegenden vorläufigen im Vergleich zu den endgültig gewichteten Daten geben könne. Diese endgültig gewichteten Quoten liegen im Normalfall nach drei Tagen vor und enthalten mehr oder weniger deutliche Abweichungen zu den Werten, die direkt am Morgen danach veröffentlicht werden und die gemeinhin im Zentrum der Aufmerksamkeit stehen. In die endgültig gewichteten Werte geht beispielsweise die zeitversetzte Nutzung ein aber auch Daten von Haushalten, bei denen die Datenübertragung nicht im ersten Schritt geklappt hat und deren Werte erst verspätet eintreffen. Wann diese endgültigen Zahlen für die letzten Tage nachgereicht werden, ist bislang unklar.

Auf Anfrage von DWDL.de liefert AGF-Geschäftsführer Willibald Müller nun noch ein paar Anhaltspunkte, wie verlässlich die Werte derzeit sind. Für die Quoten-Ermittlung sollen im Idealfall mindestens 5.000 Haushalte im Panel ihre Daten übermitteln. Derzeit liege die Abrufquote bei 93 Prozent bezogen auf diese Sollgröße. Das ist offensichtlich nicht ideal, reicht nach den Vorgaben der AGF aber aus, um daraus die täglichen vorläufigen Quotendaten zu ermitteln. Nun soll möglichst schnell wieder der Schwellenwert von 5.000 berichtenden Haushalten erreicht werden.

Auch wenn sich die TV-Vermarkter in den vergangenen Tagen noch recht entspannt gezeigt haben: Steigender Unmut war im Markt angesichts der ungewöhnlich lange ausbleibenden Leistungswerte durchaus zu spüren. Uwe Storch, Stellvertretender Vorsitzender des Werbetreibenden-Verbandes OWM, lässt wissen: "Die aktuellen Ausfälle der AGF-Berichterstattung machen deutlich, wie wichtig nachhaltige Qualitätssicherungsmaßnahmen der AGF und ihrer Dienstleister für den Erfolg des JIcs [Joint Industry Committee; gemeint ist die AGF] sind. Es ist nicht akzeptabel für das deutsche Vorzeigeprojekt der Bewegtbildmessung, wenn solche vermeidbaren Ereignisse das Vertrauen in die Qualität der Daten beeinträchtigen."

Nicht alle Haushalte betroffen

Wenig vertrauensbildend wirkte da in den vergangenen Tagen auch die Nicht-Kommunikationsstrategie von AGF und GfK. Die Gründe für den Ausfall liegen nach wie vor im Dunkeln. Spekulationen von einem fehlerhaften Software-Update bis hin zu einem Angriff von Außen auf die Infrastruktur waren viele im Markt - und wer nicht klar kommuniziert, öffnet ihnen Tür und Tor. Auch im Nachgang lautet die Erklärung von AGF-Chef Willibald Müller in knappen Worten: "Es gab ein Problem am zentralen Server, der die Daten der Messgeräte TC Score in den Haushalten abruft" - woher das Problem kam, erklärt das nicht.

Beheben ließ es sich jedenfalls offenbar nicht am zentralen Server, stattdessen musste an den einzelnen Messboxen Hand angelegt werden. Besonders aufwendig waren die Arbeiten vor Ort aber nach AGF-Angaben nicht: "Zur Behebung war kein Software-Update nötig, sondern eine relativ einfach umzusetzende Reaktivierung des Übertragungsmoduls war ausreichend. Dies konnte teilweise von Anwendern in den Haushalten selbst vorgenommen werden, teils waren aber auch Techniker der GfK vor Ort nötig." Warum es dann trotzdem sieben Tage in Anspruch genommen hat, erklärt Müller so: "Wir haben die Reaktivierungsmasnahmen sofort gestartet. Allerdings braucht es seine Zeit, bis alle Haushalte erreicht wurden."

Wobei mit "alle Haushalte" weniger als die Hälfte des gesamten, etwas über 5.000 Haushalte umfassenden Panels gemeint sind - denn, wie schon immer kommuniziert, war nur das Messgerät TC Score von dem Ausfall betroffen, das wiederum nur in 2.331 der Panel-Haushalte steht. Die GfK kann dieses Gerät nur zur Messung der klassischen Empfangswege Kabel, Terrestrik, Satellit einsetzen. In diesen Haushalten ersetzt es die klassische Set-Top-Box. Wo das nicht möglich ist, kommt ein anderes Gerät zum Einsatz (TC-UMX), das auf das Audiomatching-Verfahren zurückgreift. Hier funktionierte die Übermittlung der Daten an die GfK auch während der Auszeit der letzten Tage problemlos.

Nachdem das akute Problem nun größtenteils gelöst scheint, richtet sich das Augenmerk der AGF darauf, eine Wiederholung zu vermeiden: "Wir arbeiten gemeinsam mit der GfK an einem Maßnahmen-Paket, um einen solchen Ausfall für die Zukunft auszuschließen", sagt Willibald Müller. In den vergangenen Tagen habe aber nun zuerst die kurzfristige Behebung der aktuellen Probleme im Mittelpunkt gestanden. Welche Folgen der Ausfall für die mit der Quotenmessung beauftragte GfK hat, kann man unterdessen nur spekulieren. Zu Fragen einer möglichen Schadensersatzforderung wollte Willibald Müller unter Verweis aufs Vertragsgeheimnis nichts sagen.

Über den Autor

Uwe Mantel ist stellvertretender Chefredakteur des Medienmagazins DWDL.de. Schaut seit den 80ern Fernsehen und schreibt seit 2004 auch darüber. Kann sich sowohl in gute Serien als auch trockene Zahlen vertiefen. Und seine fränkische Herkunft nicht verleugnen.

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