Babylon Berlin © ARD Degeto/X-Filme/Beta Film/Sky Deutschland/Frédéric Batier
Nach dem Staffel-Finale der Mammut-Serie

"Babylon Berlin" ist gelaufen - und was kommt jetzt?

 

Alles andere als Mainstream war "Babylon Berlin". Erfolgreich war die Mammut-Serie für die ARD trotzdem, obwohl nach dem Spitzen-Auftakt viele Zuschauer abhandenkamen. Degeto-Chefin Christine Strobl sieht einen "Auftrag für weitere Serienüberlegungen".

von Alexander Krei
09.11.2018 - 11:47 Uhr

Wenn eine Serie innerhalb weniger Wochen mehr als die Hälfte ihrer Zuschauer verliert, dann ist das für einen Fernsehsender in aller Regel kein Grund zur Freude. Doch "Babylon Berlin" ist eben keine gewöhnliche Serie - das gilt ganz offensichtlich nicht nur für das Budget und die Umsetzung, sondern auch für die Bewertung der Quoten. "Es ist ein großartiger Erfolg, der mit nichts im deutschen Fernsehen vergleichbar ist", resümiert Christine Strobl, Geschäftsführerin der ARD-Tochter Degeto Film, im Gespräch mit DWDL.de. Die Serie sei "das Must-see der letzten Wochen" und die lineare Ausstrahlung mit im Schnitt fast fünf Millionen Zuschauern pro Folge "mehr als erfolgreich" gewesen.

Den Vorwurf, es sei der ARD angesichts von zuletzt weniger als vier Millionen TV-Zuschauern nicht gelungen, das Publikum in ausreichendem Maße bei der Stange zu halten, teilt die Degeto-Chefin erwartungsgemäß nicht. Dass die lineare Akzeptanz abnehme, sei bei High-End-Serien "ein bekanntes Phänomen", erklärt sie, und mit dem Start auf dem "Tatort"-Platz sei man ein gewisses Risiko eingegangen. "Unser Kalkül war ja, dass wir damit der Serie die bestmögliche Rampe im Ersten bauen, um sie dem großen Publikum zu präsentieren, und das ist voll aufgegangen. Dass sich dieser Erfolg unter der Woche auf einem Niveau von knapp vier Millionen fortsetzen lässt, damit haben wir nie gerechnet."

Der Erfolg, gerade von Serien, lasse sich heutzutage eben nicht mehr nur nach linearen Akzeptanzwerten beurteilen. "Daran werden wir uns gewöhnen müssen, auch wenn die Messungen der nicht linearen Nutzung derzeit leider noch nicht präzise genug sind", räumt Strobl ein. Mit Blick auf "Babylon Berlin" spricht sie von "unglaubliche Zugriffszahlen" in der ARD-Mediathek. Tatsächlich zählt die Serie dort inzwischen mehr als zehn Millionen Abrufe. "Interne Prognosen gehen sogar davon aus, dass wir nonlinear auf allen Ausspielwegen knapp 19 Millionen Zuschauer erreichen werden", sagt Strobl. "Die Serie hat somit ein Alleinstellungsmerkmal, das man derzeit mit keinem anderen Format oder Projekt im deutschen Fernsehen vergleichen kann."

Sascha Schwingel, Christine Strobl, Volker Herres
© ARD Degeto/Petra Stadler

Sascha Schwingl (Redaktionsleiter ARD Degeto), Christine Strobl (Geschäftsführerin ARD Degeto) und Volker Herres (Programmdirektor Das Erste)

Ein Erfolg, der nach Auffassung von Christine Strobl erst durch die von vielen kritisch beäugte Zusammenarbeit mit dem Pay-TV-Sender Sky möglich wurde. Dort war "Babylon Berlin" bekanntlich schon vor einem Jahr zu sehen. "Nur mit dem Vorlauf auf Sky war es möglich, internationale und nationale Kritiker und Jurys für diese Serie vorab zu begeistern und damit in die Ankündigung und Bewerbung einfließen zu lassen", meint die Degeto-Chefin zu DWDL.de. "Normalerweise gewinnt man erst nach der Ausstrahlung die Preise der Kritiker und des Publikums, die einer Serie echte Premiumqualität bescheinigen. Hier war der Beweis schon vor der Ausstrahlung der ersten Folge im Ersten mehr als erbracht, weil wir so ziemlich alle Preise gewonnen haben, die es zu gewinnen gab."

"Mut für neue Serienprojekte"

Durch die Ausstrahlung auf Sky sei "sehr viel Neugierde geweckt worden", sagt sie und verweist auf soziale Netzwerken und "Mund-zu-Mundpropaganda bei den Serienjunkies, die normalerweise nicht zwingend in der ARD nach ihrem Programm suchen". Entsprechend positiv blickt Christine Strobl somit auf die Zusammenarbeit, die "Mut für neue Serienprojekte" mache. Der Erfolg von "Babylon Berlin" wertet sie daher als "Auftrag für weitere Serienüberlegungen". Nun steht allerdings zunächst die dritte Staffel von "Babylon Berlin" an, die gerade gedreht wird - erneut ausschließlich in Deutschland, in deutscher Sprache und mit heimischen Kreativen und Produzenten, wie Strobl betont. "Der Produktionsstandort Deutschland boomt."

Doch muss angesichts des Serien-Hypes die Dosis klassischer Fernsehfilme möglicherweise zugunsten von mehr Serien reduziert werden? Christine Strobl ist da geteilter Meinung. "Auch jüngere Zuschauer unterscheiden erst mal nicht rein nach Serie oder Einzelstück", sagt sie und verweist auf "Terror" von Ferdinand von Schirach mit fast 20 Prozent Marktanteil oder den Zweiteiler "Gladbeck". "Mir scheint es gerade für den Erfolg bei den Jüngeren wichtig, dass sie überhaupt mitbekommen, dass wir ein solches Angebot im Programm haben." Umso ärgerlicher, dass "Babylon Berlin" schon in wenigen Tagen aus der Mediathek verschwunden sein wird. Doch die ARD beschwichtigt: Zum Jahreswechsel werde man die Serie erneut im Ersten ausstrahlen - und dann auch noch einmal in der Mediathek zeigen.

Über den Autor

Alexander Krei ist seit 2009 Redakteur beim Medienmagazin DWDL.de. Liebt die große Fernsehshow ebenso wie das kleine Kammerspiel. Analysiert neue Formate und die Quoten am Morgen danach. Sport mag er am liebsten, wenn er in der Glotze läuft.

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