Markus Mörchen © ZDF/Rico Rossival
Die Nachrichtensendung für Kinder startete 1989

"logo!" feiert Jubiläum: "Vor 30 Jahren total verpönt"

 

Die Kinder-Nachrichtensendung "logo!" hat Geburtstag: Am 9. Januar 1989 begann das ZDF mit der regelmäßigen Ausstrahlung. Auch heute ist das Format noch ein großer Erfolg in der jungen Zielgruppe. DWDL.de hat mit Redaktionsleiter Markus Mörchen über die Sendung gesprochen.

von Timo Niemeier
09.01.2019 - 16:30 Uhr

Das Medien-Nutzungsverhalten von Kindern und Jugendlichen hat sich in den vergangenen Jahren radikal verändert. Fernsehen spielt dabei immer öfter nur noch eine Nebenrolle, das Smartphone hat den Fernseher als wichtigstes Medium längst abgelöst. Die jungen Zielgruppen schauen immer weniger klassisches Fernsehen und holen sich ihre Inhalte zunehmend von Instagram-Sternchen und Youtubern. Trotz dieser ganzen Veränderungen feiert die Kinder-Nachrichtensendung "logo!" nun Jubiläum. Vor exakt 30 Jahren begann die Ausstrahlung.

Bis 1998 lief "logo!" ausschließlich im ZDF, seit dem Start des Kika ist die Sendung dort beheimatet. Täglich gibt es regelmäßig am Vorabend Nachrichten für Kinder - und bis heute ist die Sendung erfolgreich: Im vergangenen Jahr kam "logo!" auf durchschnittlich 370.000 Zuschauer. Der Marktanteil in der Zielgruppe der Kinder zwischen 3 und 13 Jahren lag bei 19,1 Prozent und damit über dem Schnitt des Kika. Seit dem Start im Jahr 1989 hat "logo!" einige Preise eingesammelt, darunter unter anderem den Deutschen Fernsehpreis in der Kategorie Beste Information.

"logo!" besteht seit jeher aus einem Themen-Mix: Auf der einen Seite gibt es "harte" Themen aus Politik und Wirtschaft, die kindgerecht für die Zielgruppe aufbereitet werden. Hinzu kommen Service-Themen, die möglichst nah dran sein sollen an den Zuschauern. Dann geht es etwa um Mobbing, Probleme in der Schule oder Fragen zu Smartphones und sozialen Netzwerken. "‘logo!’ war und ist immer aktuell. Wir sind modern, gehen mit der Zeit und vereinen trotzdem die Grundtugenden, die es noch vor 30 Jahren gab", sagt "logo!"-Redaktionsleiter Markus Mörchen im Gespräch mit DWDL.de.

Eingeführt von Markus Schächter

Doch auch die Kika-Sendung musste sich in den vergangenen Jahren natürlich verändern. "Die Welt ist in den letzten Jahren komplizierter geworden. Viele Nachrichten-Themen, die früher weit weg waren, sind heute stärker an uns und die Kinder herangerückt", sagt Mörchen. Seit fast einem Jahr betreibt die Redaktion der Sendung nun schon einen eigenen Instagram-Kanal. Dort werden Themen angeteasert, zudem will man sich hier verstärkt mit den Zuschauern austauschen. "Da merken wir, dass auch ältere Kinder und Jugendliche ein sehr hohes Informationsbedürfnis haben und sehr viel mit uns über diesen Kanal kommunizieren", sagt Mörchen. Es sei wichtig, einen Kanal für die Jugendlichen zu haben, die nicht mehr automatisch jeden Tag den linearen Sender einschalten. So könne man sie auch weiterhin mit Nachrichten versorgen. Auch die Webseite hat sich mittlerweile weitentwickelt. Hier gibt es eigenständige Artikel, die bei den Kindern oft auch für Hausaufgaben verwendet werden, so Mörchen.

Eingeführt wurde "logo!" übrigens von Markus Schächter, der damals noch Leiter der "Kinder und Jugend"-Redaktion im ZDF war. Zwischen 2002 und 2012 war Schächter Intendant beim Sender - und während inzwischen längst Thomas Bellut auf dem Mainzer Lerchenberg das Sagen hat, ist "logo!" geblieben. Wirklich feiern will man den Geburtstag am heutigen 9. Januar allerdings erst im Sommer mit einer Tour durch Deutschland. "Ab Ende Januar können sich Kinder mit Themen bei uns melden, die sie besonders wichtig finden. Im Juni senden  wir dann drei Wochen lang jeden Tag live aus einem anderen Ort und berichten über diese Themen", so Redaktionsleiter Markus Mörchen.

"Die Redaktionen haben also erkannt, dass die Realität, wie sie früher abgebildet wurde, weit weg war von vielen Menschen."
"logo!"-Redaktionsleiter Markus Mörchen

Der Start im Jahr 1989, ein Jahr zuvor gab es eine dreimonatige Probephase, war allerdings nicht ganz einfach. "Die Erzählweise von ‘logo!’ war vor 30 Jahren total verpönt", sagt Markus Mörchen. Die Art, auch komplexe Sachverhalte möglichst einfach und kindgerecht zu erklären, hat nicht jedem gefallen. "Heute ist das anders. Inzwischen hat selbst die ‘Tagesschau’ ihre Grafik-Erklärstücke, das wäre vor 10 Jahren so auch noch nicht denkbar gewesen. Die Redaktionen haben also erkannt, dass die Realität, wie sie früher abgebildet wurde, weit weg war von vielen Menschen." Er selbst, so Mörchen, habe vor Jahren gedacht, dass klassische Nachrichtensendungen viel mehr erklären müssten, als die das damals taten. Heute würden das viele Redaktionen aber sehr intensiv tun. Dennoch ist "logo!" bis heute die einzige Nachrichtensendung für Kinder im Fernsehen, einige Verlage haben zuletzt Titel für die junge Zielgruppe auf den Markt gebracht, etwa die Spiegel Gruppe mit "Dein Spiegel" der Zeit Verlag mit "Zeit Leo". Im Hörfunk richtet sich Radio Teddy nun auch schon seit mehr als 13 Jahren an Kinder. 

Und auch wenn es keine weiteren Kinder-Nachrichten im TV in Deutschland gibt - andere europäische Sender haben so etwas sehr wohl. Hier findet über die EBU ein Austausch statt. Markus Mörchen ist sogar Vorsitzender des Youth News Exchange, dem Zusammenschluss aller Öffentlich-Rechtlichen in Europa, die Kindernachrichten machen. Einmal im Jahr treffen sich die Vertreter und sprechen über die neuesten Entwicklungen. "Da diskutieren wir sehr viel über Entwicklungen, die in Nordeuropa ganz anders aussehen. Die sind in manchen Feldern viel weiter als wir in Deutschland, gerade bei digitalen Themen", sagt Mörchen. Es gebe dort oft einen unverkrampfteren Zugang zu digitalen Medien. Zudem findet ein täglicher Themenaustausch statt. So können die Kinder-Reporter aus Deutschland auch im schwedischen Fernsehen zu sehen sein - und anders herum. Diese Kooperation macht Sinn, haben die klassischen Korrespondenten bei ihren Themen doch nur selten den Blickwinkel der Kinder im Auge. 

logo Moderatoren 2018© ZDF/Dirk Staudt/Jana Kay
Das aktuelle "logo"-Moderatorenteam besteht aus Tim Schreder, Jennifer Sieglar und Linda Fuhrich.

Inzwischen ist "logo!" mit seinen 30 Jahren so alt, dass die ersten Moderatoren jünger sind als die Sendung selbst. Tim Schreder, der seit dem vergangenen Jahr auch "Live nach Neun" im Ersten moderiert, ist 1991 geboren und präsentiert "logo!" nun schon seit 2011. Er war der erste, der jünger ist als die Sendung selbst. Weitere werden in den kommenden Monaten und Jahren folgen. Ein fixes Alter, bei dem Moderatoren oder Redakteure zu alt wären für "logo!", gibt es nicht. "Wenn, dann gibt es eine Alterssperre im Kopf. Die fällt, wenn man merkt, dass man sich von der Zielgruppe entfernt", so der Redaktionsleiter. Für viele junge Journalisten im ZDF ist "logo!" auch ein Sprungbrett: Einige frühere Redakteure der Sendung würden heute bei "heute" oder dem "heute-journal" arbeiten, sagt Markus Mörchen.

Und auch wenn Moderatoren, Redakteure und Zuschauer meist irgendwann aus dem "logo!"-Alter herauswachsen: Nachschub gibt es immer. "Das Grundbedürfnis von 1989, Kindern einen altersgerechten Zugang zu Informationen zu ermöglichen, gibt es noch heute", sagt Mörchen und ergänzt: "Das hat sich auch noch einmal verstärkt." Früher habe man den Kindern einfach verboten, die "Tagesschau" zu sehen. Was heute über die Bildschirme der Smartphones geht, können Eltern dagegen kaum vollständig kontrollieren. "Heute können Kinder an so viele Informationen kommen. Und leider sehen sie dabei viel zu oft die falschen Bilder." Vermarkter würden vermutlich von "Brand Safety" sprechen, wenn sie ihren Kunden "logo!" schmackhaft machen sollten. Der große Erfolg zeigt, dass es Bedarf an einem Format wie "logo!" gibt. Vielleicht ja auch noch in 30 Jahren.

"logo!" läuft samstags bis donnerstags um 19:50 Uhr und freitags um 19:25 Uhr im Kika. 

Über den Autor

Timo Niemeier schreibt mit kleiner Unterbrechung seit 2014 für DWDL.de, er lebt in Wien und ist damit der Alpen-Beauftragte. Mag seichte Unterhaltung ebenso wie anspruchsvolle High-End-Serien, kann sich aber auch in Geschäftsberichten verlieren.

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