Thorsten Braun © Disneymedia+
Disney Channel seit fünf Jahren im Free-TV

"Unsere Content-Pipeline hat sich massiv gefüllt"

 

Seit fünf Jahren sendet der Disney Channel im Free-TV und nach einer langen Zeit des Stillstands zogen die Quoten zuletzt deutlich an. Daran, Super RTL von der Spitze der Kindersender zu verdrängen, denkt Senderchef Thorsten Braun jedoch vorerst nicht.

von Alexander Krei , Köln
16.01.2019 - 15:49 Uhr

Die Geschichte wurde schon oft erzählt: Als der Disney Channel 2014 den Weg ins Free-TV antrat, erwarteten viele Beobachter weitreichende Veränderungen im Kinderfernsehmarkt. So mancher beschwor bereits das Ende der Dauermarktführerschaft von Super RTL herbei, das seinerzeit gemeinsam mit dem öffentlich-rechtlichen Kinderkanal an der Spitze lag. Doch wenn der Disney Channel in diesen Tagen seinen fünfjährigen Geburtstag feiert, dann hat sich an dieser Konstellation erstaunlich wenig geändert. Noch immer liegt der Kölner Sender deutlich in Führung - 2018 erzielte Super RTL gemeinsam mit dem Ableger Toggo Plus 22,0 Prozent bei den 3- bis 13-Jährigen und damit nur geringfügig weniger als 2013, als Disney noch hinter der Bezahlschranke sendete.

Und doch scheint es, als habe der Disney Channel nach mehreren Jahren des Stillstands inzwischen noch einmal Fahrt aufgenommen. Erstmals konnte der Sender im vorigen Jahr die Einstelligkeit hinter sich lassen und in der wichtigen Tagesschiene durchschnittlich mehr als elf Prozent Marktanteil erzielen; vereinzelt waren sogar knapp 19 Prozent drin. "Unser Wachstum wurde schon mehrfach totgesagt, aber wir sind trotzdem weiter gewachsen", sagt Thorsten Braun, der seit Herbst 2017 zusätzlich zur Vermarktung auch die Programmverantwortung beim Disney Channel übernommen hat, selbstbewusst beim Gespräch in der DWDL.de-Redaktion. "Unser Ziel ist es, 2019 prozentual zweistellig zu wachsen und langfristig gesehen so nahe wie möglich an Super RTL heranzukommen."

Dass es 2018 ein ganzes Stück nach oben ging, hat gute Gründe. So schärfte Disney seine Zielgruppen-Ausrichtung und fokussiert sich tagsüber inzwischen auf sechs- bis neunjährige Kinder. Dazu kommt, dass Animationsprogramme inzwischen weit mehr Programmflächen einnehmen als das noch zu Brauns Amtsantritt der Fall gewesen ist. "Die Brüche, die durch die Live-Action-Blöcke entstanden sind, konnten wir dadurch bereits zu einem großen Teil reduzieren." Wer Serien wie die Rollschuh-Soap "Soy Luna" sehen will, muss inzwischen zur App greifen. "Diese Entwicklung wird sich in diesem Jahr am Vorabend weiter fortsetzen", kündigt Thorsten Braun im Gespräch mit DWDL.de an. Vor allem der Animations-Hit "Miraculous", auf den ein guter Teil des Aufschwungs zurückzuführen ist, soll dann eine große Rolle spielen.

Geholfen hat allerdings auch, dass den amerikanischen Disney-Chefs inzwischen dämmert, dass der Free-TV-Markt nach anderen Regeln funktioniert. Thorsten Braun formuliert diese Einsicht diplomatischer. "Unsere Content-Pipeline hat sich massiv gefüllt, nachdem wir die US-Kollegen überzeugen konnten, verstärkt in Animation zu investieren", erzählt er. "Mittlerweile besitzen wir auch deutlich mehr Freiheiten, am Markt einzukaufen." Gleichzeitig erwies sich auch die Verpflichtung von Benedikt Weber als gute Entscheidung. Jahrelang hatte der Moderator bei Super RTL für Erfolge gesorgt, inzwischen ist er mit seiner "Beni-Challenge" zum Gesicht des Disney Channels geworden. "Ein echter Gamechanger", sagt Braun.

"Wenn Super RTL in die Werbung geht, wollen wir nach Möglichkeit Serien zeigen."
Thorsten Braun, Senderchef Disney Channel

Für die Zukunft strebt er an, den Disney Channel als weiblichsten Kindersender zu positionieren, was mit einem Verhältnis von 60 Prozent Mädchen zu 40 Prozent Jungs auch schon jetzt ganz gut funktioniert. Um möglichst weiter zu wachsen, blickt Thorsten Braun aber auch auf die Konkurrenz - und dabei ganz besonders auf die Startzeiten, die im Kinderfernsehen "alles" seien. "Wenn Super RTL in die Werbung geht, wollen wir nach Möglichkeit Serien zeigen. Daher stellen wir uns bei der Programmplanung inzwischen mehr denn je die Frage, ob wir nicht zwischendurch auf einen Werbeblock verzichten oder ihn kürzen können, um den Audience Flow zu verbessern."

Auf Geld will er mit diesem Schritt aber nicht verzichten, versichert der Senderchef. Helfen könne die Slapstick-Serie "Taffy", die von einem Hund und einem cleveren Waschbär handelt, der sich als süße Katze ausgibt, und in ihrer Machart ein wenig an "Tom & Jerry" erinnert. Durch die kurzen Geschichten kann der Disney Channel recht flexibel auf die Werbezeiten von Super RTL reagieren. Zu den Frühjahrs-Neustarts zählt mit "Das Haus der 101 Dalmatiner" aber auch eine moderne Neuinterpretation des Klassikers im Animationsstil. Den Bereich der lokalen Eigenproduktionen will der Sender zudem neuen "Beni Challenges" mit einer neuen Staffel seiner Kinder-Kochshow "An die Töpfe, fertig, lecker!" ausbauen.

Claude Schmit© Super RTL/Markus Nass
Beim Konkurrenten Super RTL, an dem Disney übrigens noch immer die Hälfte der Anteile hält, gibt man sich in der Rückschau betont gelassen. "Der Disney Channel hat das Kinderfernsehen nicht so durcheinander gerüttelt, wie wir alle es am Anfang gedacht haben", erklärte Senderchef Claude Schmit (Foto) gegenüber DWDL.de. "Mit 22 Prozent Marktanteil im vergangenen Jahr sind wir wieder klarer Marktführer und sogar fast auf dem Niveau vor Einstieg des Channels. Wir sind immer noch doppelt so stark wie Disney und dreimal so stark wie Nick. Für mich ist die Welt des Kinderfernsehens also völlig in Ordnung." Für 2019 stellt Schmit verstärkte Investitionen in Eigenproduktionen und einen Ausbau der Digitalgeschäfte in Aussicht.

Der Disney Channel setzt indes auch in der Primetime wieder auf Eigenes: Ab dem 4. Februar stellt Moderator Steven Gätjen die Fragen in "Disney Magic Moments - Die große Quizshow". "Am Anfang haben wir in der Primetime sehr viel ausprobiert, leider war manches davon nicht so erfolgreich. Vielleicht haben wir uns da etwas zu viel auf einmal zugemutet", räumt Thorsten Braun gegenüber DWDL.de ein. "Gleichzeitig war das Gute daran, dass wir herausgefunden haben, was bei den Zuschauern ankommt - und das sind Formate, die sich rund um Disney drehen." Im Fokus stehen aber auch weiterhin Filme, die an gleich fünf Abenden gezeigt werden. "Hier müssen und werden wir ganz sicher einige Leuchttürme setzen, vermehrt in Form von Erstausstrahlungen."

Im Serienbereich funktionieren vor allem die altbekannten Sitcoms gut, also die "Goldies", wie Braun Klassiker wie "Die Nanny" oder "Hör mal, wer da hämmert" nennt. Bei denen könnten die Zuschauer jederzeit einsteigen, "weil ihnen das Setting bestens vertraut ist". Zu ihnen gesellt sich ab dem 13. Februar das "Roseanne"-Spin-Off "Die Conners", das so mancher sicher eher bei ProSieben vermutet hätte. In den USA zählt die Serie mit durchschnittlich rund sieben Millionen Zuschauern noch immer zu den großen Quoten-Erfolgen, auch wenn ohne den einstigen Serien-Star Roseanne Barr einstige Spitzenwerte nicht mehr drin sind. Für den Disney Channel dürften sich "Die Conners" mit einiger Sicherheit noch als verspätetes Geburtstagsgeschenk erweisen.

Über den Autor

Alexander Krei ist seit 2009 Redakteur beim Medienmagazin DWDL.de. Liebt die große Fernsehshow ebenso wie das kleine Kammerspiel. Analysiert neue Formate und die Quoten am Morgen danach. Sport mag er am liebsten, wenn er in der Glotze läuft.

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