heute-journal mit Marietta Slomka © ZDF/Klaus Weddig
Mehr Sendezeit für das "heute-journal"

Warum das ZDF die News-Dosis erhöht - und die ARD nicht

 

Am Wochenende zeigen die Sender seit jeher nur ein abgespecktes Nachrichten-Programm. Das ZDF verlängert ab dem kommenden Wochenende nun aber zumindest sonntags das "heute-journal". Die ARD hingegen hat jüngst am Freitag sogar noch gekürzt. Wie kommt das?

von Timo Niemeier
28.03.2019 - 08:33 Uhr

Am kommenden Sonntag weitet das ZDF die Sendezeit des "heute-journals" auf 30 Minuten aus, die sonntägliche Ausgabe des Nachrichtenmagazins ist damit genauso lang wie die werktäglichen Sendungen. Und das ZDF ist auch nicht der einzige Sender im deutschsprachigen Raum, der sein Nachrichten-Angebot am Wochenende ausbaut: Der ORF führte erst vor wenigen Wochen eine "ZiB 2"-Ausgabe am Sonntag ein, zuvor sendete das wichtigste Nachrichtenmagazin Österreichs nur werktags. Woher kommt dieser Sinneswandel?

Wulf Schmiese© ZDF/Torsten Silz
"In politisch unsicheren Zeiten wollen die Menschen verlässliche Einordnung. Wie die sehr guten Quoten des ‘heute-journals’ zeigen, die in den letzten zwei Jahre weiter gestiegen sind, sind wir offenbar recht erfolgreich im Vermitteln und Erklären von Nachrichten. Sonntags haben wir besonders viele Zuschauer", sagt "heute-journal"-Redaktionsleiter Wulf Schmiese im Gespräch mit DWDL.de.

Dabei gibt es natürlich auch Gründe für ein reduziertes Angebot im Vergleich zu normalen Wochentagen. Behörden und Unternehmen sind nicht so stark oder gar nicht besetzt, O-Töne sind für die Fernsehmacher so schwerer zu bekommen.  Und auch wenn es immer etwas zu berichten gibt, ist schlicht in der Regel nicht so viel los wie unter der Woche. Zudem berufen sich die Sender auch auf ein geringeres Interesse an Nachrichten: "Für weite Teile des Landes blieb das Wochenende eben Wochenende, deshalb langten 15 Minuten", sagt Wulf Schmiese über die bisherige Vorgehensweise.

Doch die Zeiten ändern sich: "Nun sehen wir - und dazu hat sicher auch die technische Entwicklung beigetragen, die den Nachrichtenfluss rund um die Erde beschleunigt -, dass der Sonntag nicht mehr per se ein nachrichtenarmer Tag ist", so der "heute-journal"-Redaktionsleiter. Die zusätzliche Zeit will Schmiese nutzen, um auch die Hintergründe einer Nachricht stärker zu beleuchten. "Auch ein aktuelles Interview ist nun schon am Sonntag möglich - mit uns kann die neue Nachrichtenwoche beginnen", so Schmiese.

"Für weite Teile des Landes blieb das Wochenende eben Wochenende, deshalb langten 15 Minuten."
Wulf Schmiese, Redaktionsleiter "heute-journal"

Den zweiten Wochenend-Tag lässt das ZDF aber unangetastet. "Samstags scheint das Bedürfnis der Zuschauer nach Wochenende am größten", sagt Schmiese. Daher wird es hier auch bei 15-minütigen "heute-journal"-Ausgaben bleiben. Anders als an den meisten anderen Tagen der Woche geht die Nachrichtensendung samstags auch erst um 22:45 Uhr on air. Auch "heute+" bleibt weiter generell auf die Werktage beschränkt, am Wochenende gibt’s am späten Abend nur kurze "heute Xpress"-Ausgaben. Der Schritt am Sonntag führt aber dazu, dass das ZDF insgesamt zwölf Stunden mehr Nachrichten pro Jahr zeigen wird.

Das Erste ist von solchen Schritten weit entfernt - und hat seine Nachrichten am Wochenende zuletzt sogar gekürzt. Das "Nachtmagazin" gibt es freitags seit wenigen Wochen gar nicht mehr, auch samstags und sonntags setzt man zu später Stunde auf kurze "Tagesschau"-Ausgaben. Und  auch den "Tagesthemen" räumt man freitags mit 15 Minuten nur die Hälfte der Sendezeit an wie montags bis donnerstag. Am Samstag und Sonntag ist die Sendung immerhin 20 Minuten lang.

"Zum Beginn des Wochenendes suchen die Zuschauerinnen und Zuschauer verstärkt unterhaltendes Programm."
Sendersprecher Das Erste

Das Erste bietet also schon freitags ein Nachrichten-Sparprogramm - doch warum? Auf DWDL.de-Anfrage meldet sich nicht die eigentlich angefragte und für Nachrichten zuständige Gemeinschaftsredaktion ARD-Aktuell, sondern die Pressestelle des Ersten – dort hält man die Angelegenheit offenbar zuallererst für eine Frage der Programmplanung. Und in der scheint einfach kein Platz für die Nachrichten: "Am Freitag haben wir nach der 20-Uhr-’Tagesschau’ einen 90-minütigen Fernsehfilm-Sendeplatz, um 21:45 Uhr senden wir die ‘Tagesthemen’, danach folgen zwei weitere Filme in 90-Minuten-Länge, die in der Regel um 1 Uhr enden. Zu dieser späten Zeit wird eine rein nachrichtliche ‘Tagesschau’ dem Informationsbedürfnis des Publikums eher gerecht." Die Idee, den Programmablauf zu ändern und nach den "Tagesthemen" nicht noch zwei alte Krimis zu zeigen, die ohnehin meist nur schlechte Quoten holen, ist in der ARD dabei wohl noch niemandem gekommen.

Besonders kurios ist das, weil die Kürzung am Freitag nicht mit einer anderen Antwort zusammen passen will: "Die Wochentage Montag bis Freitag sind nachrichtenstärker als das Wochenende, weil an diesen Tagen zum Beispiel Pressekonferenzen, Sitzungen des Bundestages, Urteile der Bundesgerichte etc. stattfinden", heißt es. Wenn aber der Freitag genau so wie ein Montag oder Mittwoch einzuschätzen ist, macht eine verkürzte "Tagesthemen"-Ausgabe und ein Wegfall des "Nachtmagazins" nur bedingt Sinn. Dazu heißt es von der Pressestelle: "Zum Beginn des Wochenendes suchen die Zuschauerinnen und Zuschauer verstärkt unterhaltendes Programm und dem Bedürfnis kommen wir mit unserer Planung entgegen." Wenn es die aktuelle Nachrichtenlage erfordere, könne man zudem mit der Verlängerung von "Tagesschau" oder "Tagesthemen" reagieren.

"Kein Handlungsbedarf" bei RTL

Auch die Privatsender handhaben die Nachrichten am Wochenende etwas anders als unter der Woche. RTL etwa verzichtet am Samstag und Sonntag auf sein "Nachtjournal" – nicht aber wie die ARD bereits am Freitag. Ein Sendersprecher sagt nun gegenüber DWDL.de, dass man es begrüße, dass das ZDF seinem Informationsauftrag künftig besser nachkommen will. "Natürlich prüfen auch wir immer wieder, ob wir mit unseren umfangreichen, wochentäglich über fünfstündigen Informationsangeboten und denen am Wochenende gut aufgestellt sind."

Auf angespannte Nachrichtenlagen könne man auch dort immer reagieren, zudem verweist man auf den konzerneigenen Nachrichtensender n-tv und die zugehörigen Online-Angebote. Für den Moment sehe man jedenfalls "keinen zusätzlichen Handlungsbedarf", zumal ein Privatsender auch die Kosten genauer abwägen müsse als die Öffentlich-Rechtlichen. "Die Hauptnachrichten, ein Magazin und Newsflashes auch im Laufe des Abends – mit diesen RTL-Programmen und den genannten weiteren Angeboten informieren wir als Mediengruppe unsere Zuschauer auch am Wochenende vollumfänglich über das aktuelle Geschehen."

Über den Autor

Timo Niemeier schreibt mit kleiner Unterbrechung seit 2014 für DWDL.de, er lebt in Wien und ist damit der Alpen-Beauftragte. Mag seichte Unterhaltung ebenso wie anspruchsvolle High-End-Serien, kann sich aber auch in Geschäftsberichten verlieren.

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