Claude Schmit © MG RTL D / Stefan Gregorowius
Inhalte-Ausbau statt App-Offensive

Super RTL will 2020 in Kindernachrichten investieren

 

Viel hat Super RTL im Digitalen probiert und manches Projekt ist gar nicht erst gekommen. Da wirkt es beinahe wie eine Rückkehr zu den Wurzeln, wenn der Sender jetzt für 2020 mehr Eigenproduktionen ankündigt, darunter ein Nachrichtenmagazin für Kinder.

von Alexander Krei , Köln
13.11.2019 - 02:03 Uhr

Wenn es in den vergangenen beiden Jahren um die Wachstumsperspektiven von Super RTL ging, dann war viel vom Ausbau des Digitalgeschäfts die Rede. Daran will der Sender auch weiter anknüpfen – und doch scheint es, als wolle sich der Marktführer im Kinderfernsehen wieder ein Stück weit auf sein Kerngeschäft konzentrieren. Und so ist die wichtigste Botschaft, die am Dienstagabend vom traditionellen Gansessen mit einem ausgesuchten Kreis von Journalisten im Haus des Geschäftsführers Claude Schmit ausgeht, eine rein inhaltliche: Super RTL arbeitet an einem Nachrichtenmagazin.

Ab Frühjahr will der Sender seine jungen Zuschauer täglich elf Minuten am Vorabend über gesellschaftliche und politische Themen informieren, orientiert an dem, was für die relevant und interessant sei. "Täglich Toggo" lautet der Arbeitstitel des Formats, das mit einer starken Bildsprache daherkommen und den vorwiegend Sechs- bis Neunjährigen nach dem Motto "Mehr Lachen, mehr sehen, mehr verstehen" die Welt erklären soll. Es ist ein Herzensprojekt von Martin Gradl, der vor wenigen Monaten als Content Director bei Super RTL begonnen hat und zuvor lange im Informationsbereich der Mediengruppe tätig war.

Für das neue Nachrichtenmagazin will er folgerichtig auch mit seinen ehemaligen Kollegen von infoNetwork zusammenarbeiten. Die Entscheidung ist mutig – und gewissermaßen ein Angriff auf den öffentlich-rechtlichen Kinderkanal, der mit den Kindernachrichten "logo" bislang ein Alleinstellungsmerkmal hat. Geschäftsführer Claude Schmit macht keinen Hehl daraus, dass sich mit "Täglich Toggo" kein Geld verdienen lässt. Auch deshalb habe man sich lange vor dem Start eines entsprechenden Formats gewunden, erklärt er.

Nun sei jedoch der richtige Zeitpunkt gekommen, sagt Schmit. Sein neuer Programmchef sieht gar das "Zeitalter der Kinder" gekommen. Diese seien nie zuvor so interessiert und engagiert gewesen wie heute. "Um uns herum passiert jeden Tag so viel, und gerade Kinder mit ihrer großartigen Neugier wollen wissen und verstehen", so Martin Gradl. "Wir sind uns der enormen Verantwortung bewusst, die komplexen Ereignisse unserer Welt konsequent aus Kindersicht aufzubereiten und arbeiten bereits mit Begeisterung und Energie am redaktionellen Feinschliff."

Bereits am 18. Januar wird Super RTL zudem die bislang ausschließlich online ausgestrahlte "Toggo Show" ins lineare Programm nehmen – jeweils samstags und sonntags um 8:30 Uhr. Zudem hat sich der Sender mit "Novelmore" das erste Playmobil Original gesichert. Ein entsprechendes Special soll bereits am 22. November gezeigt werden. Nachschub hat sich Super RTL zudem für die Primetime gesichert: Weil dort "CSI: Miami" und "Dr. House" noch immer gute Quoten erzielen, soll es ab Februar der im Rollstuhl sitzende und nicht immer gut gelaunte Kommissar "Caïn" richten. Die französische Serie ist in deutscher Erstausstrahlung zu sehen.

"Wir haben Lehrgeld bezahlt"

Mit Blick auf die Digitalstrategie, die unter Boris Bolz forciert wurde, schaltet Super RTL hingegen ein paar Gänge zurück. Während man sich zuletzt an einer Vielzahl an Apps versuchte, soll der klare Fokus fortan auch abseits des klassischen Fernsehens auf der Marke Toggo liegen – ähnlich wie man das im Vorschulsegment bereits erfolgreich mit Toggolino vorgemacht hat. "Wir haben im letzten Jahr Lehrgeld bezahlt", räumt der Chief Digital & Marketing Officer ein. So ist etwa das vor einem Jahr angekündigte soziale Netzwerk namens "PopShake" noch vor dem Start begraben worden. Der britische Partner habe sich nicht an das gehalten, was er versprochen habe, so Bolz.

Auch die SvoD-Plattform Kividoo steht vor dem Aus. Stattdessen sind inzwischen testweise Kinderformate bei TVNow abrufbar. Gleichzeitig will Super RTL, anders als es die Mediengruppe sonst handhabt, verstärkt auf YouTube setzen. Mit über 140 Millionen Videostarts und einer durchschnittlichen monatlichen Wachstumsrate von 15 Prozent habe man bereits innerhalb eines Jahres zu den führenden Anbietern für Kinderunterhaltung der Videoplattform aufschließen können. Auch im HbbTV-Bereich sehen die Verantwortlichen des Senders noch großes Potenzial. 

Sorge vor der neuen Konkurrenz durch den angekündigten Streamingdienst Disney+ haben die Kölner indes nicht. Vielmehr wird erwartet, dass der frei empfangbare Disney Channel attraktive Inhalte an das neue Angebot verlieren könnte – zum Vorteil von Super RTL, an dem Disney ja bekanntlich noch immer die Hälfte der Anteile hält. An der Marktführerschaft des Kindersenders hat sich aber auch trotz zuletzt steigender Marktanteile des Disney Channels nichts geändert, zusammen mit dem Timeshift-Sender Toggo Plus liegt Super RTL in diesem Jahr bei 21,8 Prozent in der Zielgruppe der 3- bis 13-Jährigen.

Und auch finanziell läuft's blendend: Stolz verweist Geschäftsführer Claude Schmit auf die besten Netto-Erlöse und das drittbeste Ergebnis seit der Gründung des Senders. Das ist auch deshalb bemerkenswert, weil sowohl die Sehdauer als auch die wichtigen Werbeinsel-Reichweiten in der Daytime rückläufig sind. "Wir verlieren an Reichweite, gewinnen aber an Werbeerlösen", sagt Schmit. Bange ist ihm mit Blick in die Zukunft nicht. Das Geschäft, schwärmt er, sei noch nie so spannend gewesen wie heute.

Über den Autor

Alexander Krei ist seit 2009 Redakteur beim Medienmagazin DWDL.de. Liebt die große Fernsehshow ebenso wie das kleine Kammerspiel. Analysiert neue Formate und die Quoten am Morgen danach. Sport mag er am liebsten, wenn er in der Glotze läuft.

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