Weg von Scripted Reality © RTL/Sat.1; Collage: DWDL
Viel probiert, wenig gewonnen

Der Weg weg von Scripted Reality: Was bisher geschah

 

Kommende Woche stellt RTL seinen Nachmittag neu auf - mal wieder. Doch der Weg weg von der Scripted-Reality-Farbe, den RTL vor längerem eingeschlagen hat, ist holprig und - ebenso wie bei Sat.1 - bislang vor allem von Fehlschlägen geprägt.

von Uwe Mantel, Alexander Krei, Timo Niemeier
05.02.2020 - 08:04 Uhr

Ab der kommenden Woche bietet RTL im Nachmittagsprogramm, das über Jahre hinweg mit kostengünstigen und teils fragwürdigen Scripted-Reality-Produktionen gefüllt worden war, mit Oliver Geissen, Marco Schreyl und Steffen Henssler gleich drei bekannte Köpfe auf, um die vor sich hin dümpelnden Quoten endlich wieder in den Griff zu bekommen. Denn klar ist: Auch wenn der Fokus primär auf der Primetime liegt - ein linearer Sender braucht als Fundament ein starkes Tagesprogramm, auf das sich aufbauen lässt.

Ob das mit den neuen Shows "Kitsch oder Kasse?", Marco Schreyls Talk oder "Hensslers Countdown - Kochen am Limit" gelingt, wird die spannende Frage der nächsten Wochen sein. Und auch bei Sat.1 wird man gespannt zusehen - dort ist die Not angesichts der soliden Quote der Blaulicht-Formate am Nachmittag noch nicht so groß, allerdings haben auch die Verantwortlichen in Unterföhring beispielsweise einen neuen Talk mit Dr. Johannes Wimmer in der Hinterhand. Vorerst hat Sat.1 aber noch alle Hände voll mit dem Vorabend zu tun, wo man sich bei der Lossagung von der Scripted-Reality-Farbe mindestens so schwer tat wie RTL am Nachmittag. Auch dort steht kommende Woche mit dem Comeback von "Big Brother" ein ganz wichtiger Neustart an.

Dabei kann man den Sendern zumindest nicht vorwerfen, in den vergangenen Jahren nicht etliches probiert zu haben, um die Problemzonen wieder in den Griff zu bekommen - von Coaching-Formaten über Soaps, ein Magazin und Dating, vor allem aber im Bereich spielerischer Wettbewerbsformate. Doch als halbwegs erfolgreich übrig geblieben ist aus alledem eigentlich kaum mehr als "Die Superhändler" bei RTL. Was die beiden Sender sonst noch versucht haben, haben wir im Folgenden zusammengetragen.

Lebenshilfe / Coaching

Jetzt helfen wir Ihnen! - Die Problemlöser im Einsatz (Sat.1)

Auf bekannte Gesichter zu setzen, ist keine ganz neue Idee. Schon vor zwei Jahren beschritt Sat.1 mit "Jetzt helfen wir Ihnen" ähnliche Wege. Katia Saalfrank, Lencke Steiner und Christopher Posch wollten den Zuschauern anhand realistischer Geschichten Lebenshilfe bieten. Probleme löste das Trio aber nicht: Nach drei Wochen war schon wieder Schluss.

Der schnelle Euro - So klingelt's in der Kasse (Sat.1)
Jeweils zwei Familien zeigen, wie sie durch Alltags-Kniffe den ein oder anderen Euro sparen wollen. Die "Couch-Checker" bewerten das ganze vom Sofa aus hinsichtlich der Praktikabilität. Sat.1 zeigte das Format Anfang 2018 zwei Wochen lang am Nachmittag, nach dieser Test-Phase kehrte es wegen mauer Quoten aber nie mehr zurück.

Vorher Nachher – Dein großer Moment (RTL)

Ein Experten-Team kümmert sich um Styling, Traumfigur oder die eigenen vier Wände – ein "Wohlfühlformat" und "Herzensfernsehen" sollte es werden, versprach Moderatorin Janine Kunze. Tatsächlich tat RTL alles dafür, dass die Protagonisten am Ende das Gefühl bekamen, alle Probleme der Welt hätten sich in Luft aufgelöst. Nur die Quoten-Probleme nicht.

Spiel / Wettbewerb

Zimmerhelden – Gewinner in vier Wänden (Sat.1) 

Das Konzept erinnerte ein Stück weit an die Dokusoap "5 Zimmer, 1 Gewinner", die RTL vor einigen Jahren im Nachmittagsprogramm testete. Ein Zimmer, acht Stunden Zeit und 500 Euro Budget – unter diesen Bedingungen gestalten fünf Heimwerker sich gegenseitig einen Raum ihrer Wohnung neu. Am Ende der Woche wird der ultimative "Zimmerheld" gekürt.

Die Superhänder - 4 Räume, 1 Deal (RTL)

 Im Vergleich zu "Bares für Rares" kommt's bei der Trödel-Version von RTL mehr auf taktisches Geschick an. Wer seinen Trödel loswerden will, verhandelt nacheinander einzeln mit vier Händlern - und ist ein Angebot ausgeschlagen, ist es auch definitiv weg. An den Erfolg von "Bares für Rares" reicht die Show bei Weitem nicht ran, sie liefert aber ordentliche Quoten und ist bislang der einzige Lichtblick am RTL-Nachmittag.

Hol dir die Kohle (RTL)

Für einige Wochen hatte RTL seine eigene "Höhle der Löwen" im Miniaturformat. Anstelle der Löwen hatten 100 Personen im Publikum darüber zu entscheiden, welcher Erfinder für seine Idee 5.000 Euro abgreifen kann. Das hohe Tempo der Show mit zahlreichen Erfindungen hätte eine Fortsetzung kompliziert gemacht. Am Ende hat die schwache Quote dem Sender die Lösung dieses Dilemmas abgenommen.

Unser allerschönstes Weihnachten (Sat.1)

Besinnlich geht anders: In "Unser allerschönstes Weihnachten" haben Familien gezeigt, wie sie Heiligabend verbringen. Am Ende gab es eine Gewinner-Familie. Der Konkurrenz-Charakter war nicht im Sinne des Festes und nicht im Sinne der Zuschauer, nach einer Woche zog Sat.1 frühzeitig den Stecker.

Wie genial ist das denn? (Sat.1) 

Mit diesem Format wollte Sat.1 den Gründer- und Erfinder-Trend in den Vorabend bringen, ging aber kläglich unter. Tüftler stellten hier ihre Erfindungen vor, es gaben neben einem Tages- auch immer einen Wochensieger. Nach drei Wochen mit miesen Quoten war schon wieder Schluss. 

Ran an den Speck (RTL) 

"The Biggest Loser" ist ein schöner Erfolg für Sat.1 und wohl auch deshalb probierte sich RTL an einem Abnehm-Format am Nachmittag. Mit Detlef Steves hatte man zudem ein bekanntes Gesicht für die Sendung gewonnen. Weil aber zu wenige Zuschauer einschalteten, als Familienmitglieder gegen ihre Kilos kämpften, flog das Format nach drei Wochen aus dem Programm. 

Mensch Papa! Väter allein zu Haus (RTL)

Was passiert, wenn Väter mit ihren Kindern allein zu Hause gelassen werden? Nicht viel. Das wurde offenbar auch den Zuschauern des RTL-Formats "Mensch Papa! Väter allein zu Haus" schnell klar. Die Quoten gingen nach einem sehr guten Start schnell zurück. 

Genial daneben – Das Quiz (Sat.1)  

Für den langen Atem, den Sat.1 mittlerweile mit "Genial daneben - Das Quiz" hat, muss man dem Sender Respekt zollen. Der Versuch, die Panel-Show am Vorabend mit einem Ableger zu etablieren, ist allerdings völlig gescheitert. Seit eineinhalb Jahren liegen die Quoten konstant weit unter dem Senderschnitt. 

Schätze aus Schrott (RTL)

Weil die "Superhändler" recht solide funktionierten, holte RTL seine "Schätze aus Schrott", die zunächst am Wochenende starteten, ins tägliche Programm. Dort konnte man sehen, wie Upcycling-Experte Thomas Klotz aus vermeintlichem Schrott Schätze zauberte. Das Format war kein Vollflop, aber auch eben kein wirklicher Erfolg.

Soaps

Freundinnen - Jetzt erst recht! (RTL)

"Im Gegensatz zu einer klassischen Daily sind die Zuschauer nicht gezwungen, jede Folge zu sehen", hieß es vor dem Start der Serie - dumm nur, dass das Publikum sich das etwas zu sehr zu Herzen nahm. RTL hielt zwar tapfer 160 Folgen lang durch und konnte im Lauf der Zeit die Quoten auch steigern - doch letztlich eben bei Weitem nicht genug. 

Alles oder nichts (Sat.1)

Statt mit Telenovela-Stoff setzte Sat.1 bei seinem neuesten Daily-Versuch auf einen Kampf um Macht, Geld und Anerkennung. Das war anders als das, was man sonst so am Vorabend sieht - doch erfolgreicher wurde es dadurch nicht. Und dass dann nach wenigen Wochen auch noch die Hauptdarstellerin ging, gab der Serie endgültig den Rest. Sat.1 zog nach 50 Folgen die Reißleine, den Rest der 105 produzierten Folgen gab's nur noch im Pay-TV und bei Joyn.

Herz über Kopf (RTL)

Obwohl RTL gerade erst mit "Freundinnen" gescheitert war, brachte man im Herbst schon den nächsten Versuch an den Start - diesmal garniert mit einer Crime-Story. Vielleicht war dann der Titel "Herz über Kopf", der nicht gerade auf eine Krimigeschichte schließen lässt, aber auch nicht die beste Wahl. Die Quoten fielen jedenfalls noch schlechter aus als bei "Freundinnen", daher dürfte RTL für die nächsten Monate vor weiteren Überlegungen über eine neue Soap vorerst gefeit sein.

Dokusoap

Promis privat (Sat.1)

Schon vor Jahren galt "Promis privat" als Vorabend-Hoffnung für Sat.1, doch erst 2018 und 2019 nahm der Sender das Format ins Programm. Darin wurden unter anderem Daniel Völz, Iris Klein, Melanie Müller oder Jenny Elvers in ihrem Alltag fernab von der Promiwelt begleitet - "bei entscheidenden Wendepunkten und Neuanfängen in ihrem Leben". Die Wende am Vorabend brachten die Promis nicht.

Auf fremden Sofas (RTL)

Big Brother is watching you: Mehrere Familien und Paare - prominent und unprominent - lassen ihre Wohnung mit Kameras ausstatten und sich nicht nur filmen. Kommentiert wird all das von der heimischen Couch aller gezeigten Familien und Paare. Zwei Stafeln versuchte RTL am Nachmittag - die erste Runde lief noch ganz gut, beim zweiten Mal lief's aber so schlecht, dass man nun wieder unbeobachtet dem eigenen Alltag nachgehen kann.

Talk

Ungelogen (Sat.1)

In den Dailytalks von einst hatte der Lügendetektor Hochkonjunktur. Für "Ungelogen" grub Sat.1 das Gerät im vorigen Herbst wieder aus und strickte ein ganz ansehnliches Talk-Format darum, in dessen Mittelpunkt "das ehrlichste Gespräch des Lebens" stehen sollte. Ohne Studiopublikum und mit vergleichsweise wenig Krawall ging die Sendung über die Bühne – und nach nur zehn Folgen war in einem quotenschwachen Umfeld auch schon wieder Schluss.

Magazin

Endlich Feierabend (Sat.1)

Angesichts des großen Erfolgs des "Frühstücksfernsehen" verfällt man in Unterföhring alle paar Jahre wieder auf die Idee, dass ein Magazin doch auch am Vorabend funktionieren müsste - und muss alle paar Jahre wieder feststellen, dass das nicht so einfach ist. Das war auch bei "Endlich Feierabend" so - wobei Sat.1 aus dem Live-Faktor am Vorabend auch einfach nicht genug rausgeholt hat. Trotz miserabler Quoten hielt man ein ganzes Jahr durch - doch Besserung wollte sich nicht einstellen, sodass dann endlich Feierabend war.

Dating

Nächste Ausfahrt Liebe (Sat.1)

Zwei Wochen lang versuchte Sat.1 im Herbst am Vorabend mit einer Art Blind-Date auf vier Rädern zu punkten - und einem "Liebes-Navi", das die Turteltauben mit mehr oder weniger brisanten Fragen aus der Reserve locken sollte. Was absurd klingt, war es dann dann auch. Und an "First Dates" bei Vox kam der Neustart ohnehin in keinster Weise heran.  

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