Manfred Krupp © imago images / epd
Wie der HR seine Struktur verändern will

Krupps neue Strategie: "Wir müssen lernen loszulassen"

 

Zwei Jahre vor dem Ende seiner Amtszeit hat sich HR-Intendant Manfred Krupp vorgenommen, seinem Haus eine neue Struktur zu verpassen. Es geht ihm ums Loslassen und darum, digitales Denken zu verankern. Dabei dient auch funk als Vorbild.

von Alexander Krei , Frankfurt am Main
13.03.2020 - 16:38 Uhr

Auch der Hessische Rundfunk bekommt in diesen Tagen die Ausbreitung des Coronavirus zu spüren. Der Empfehlungen des Hessischen Sozialministeriums folgend, hat der Sender vorsorglich alle Veranstaltungen im Frankfurter Funkhaus bis Ende März abgesagt. Im Sender selbst wird derzeit allerdings nicht nur über das Virus gesprochen. Thema ist nicht zuletzt die veränderte Struktur, mit der sich der HR neu aufstellen möchte. Zwei Jahre vor dem Ende seiner Amtszeit hat Intendant Manfred Krupp zusammen mit weiteren Führungskräften an den Aufstellung gearbeitet, die ab August, wenn Hörfunkdirektor Heinz Sommer in den Ruhestand geht, in Kraft treten soll.

Schon in der vergangenen Woche stellte Krupp den HR-Gremien seine Pläne vor. Während die Betriebsdirektion in ihrer jetzigen Aufstellung weitgehend unverändert bestehen bleibt und das Justiziariat direkt beim Intendanten angesiedelt wird, bildet eine neue Programmdirektion den Kern des Umbaus. In ihr gehen die bestehende Fernseh- und Hörfunkdirektion mit dem bislang in der Intendanz angesiedelte Multimedia-Bereich auf. Gabriele Holzner, bislang ausschließlich für den Fernsehbereich verantwortlich, wird die neue Direktion medienübergreifend verantworten.


In der Programmdirektion sind Produktion, Bewegtbild, Audio und Multimedia angesiedelt, wobei Intendant Manfred Krupp im Gespräch mit DWDL.de deutlich macht, dass die Aufteilung nur ein erster Schritt ist. Eine eigene Multimedia-Einheit wird es künftig wohl kaum noch brauchen, wenn sämtliche Ausspielwege ohnehin stets crossmedial mitgedacht werden und auch der Audio-Bereich befinde sich in einem Transformationsprozess, betont er mit Blick auf die wachsende Zahl an Podcasts. Krupp spricht in diesem Zusammenhang von einer "medienübergreifenden Portfoliosteuerung". Ziel ist es, immer mehr Bereiche miteinander zu synchronisieren, beispielsweise die "Pop-Unit" des Hörfunks mit der Fernsehunterhaltung oder der Programmbereich Politik und Zeitgeschehen mit HR Info. Dabei muss jedoch nicht zwangsläufig eine Einheit entstehen.

"Es ist unser Ziel, Widerspruch als Normalität zu etablieren."
HR-Intendant Manfred Krupp

Ein internes Schaubild soll indes verdeutlichen, wie sich der HR die künftige Zusammenarbeit vorstellt. Der äußere Kreis, die sogenannte "Produkt-Unit", soll ganz auf die Bedürfnisse der Zuschauerinnen und Zuschauer ausgerichtet werden, während der innere Kreis, die "Service-Unit" mit Herstellungsleitung, Produktion, Medienforschung oder Kommunikation dabei helfen soll, die Programmkollegen zu unterstützen. "Das Modell gibt Gestaltungsmöglichkeiten", erklärt Krupp und verweist darauf, dass die einzelnen Programm-Units selbst entscheiden können, wie sie sich personell aufstellen. Ob mit einem Leiter an der Spitze oder, wie bei der Kultur-Unit, einem gleichberechtigten Führungsteam.

Generell wird es auch darum gehen, Verantwortung abzugeben. "Wir müssen lernen loszulassen", sagt Intendant Manfred Krupp bei dem Gespräch in seinem Büro gleich mehrfach. Das gelte auch für die künftige Programmdirektorin, auch wenn ihr Aufgabenbereich auf dem Papier größer sein wird als zuvor. "Es ist unser Ziel, Widerspruch als Normalität zu etablieren." Schneller und flexibler als je zuvor werde man sich auf die digitale Ausrichtung konzentrieren, kündigt Krupp an und verweist abermals auf die Kultur, die inzwischen zuerst digitale Produkte entwickelt und nur noch im zweiten Schritt an die klassischen Ausspielwege denkt. 

Wie sich Krupp die künftige Arbeit vorstellt, zeigt etwa der Podcast "Verurteilt", den man mit einigem Erfolg kürzlich im Fernsehen zeigte - auch wenn das Setting im spärlich ausgeleuchteten Radiostudio wenig Charme versprühte. Auch eine Doku-Reihe über den Frankfurter Flughafen kam beim TV-Publikum gut an, obwohl diese zunächst vor allem fürs Netz gedacht war. "Wir müssen Strukturen schaffen, um flexibler zu werden", erklärt der Intendant. Bei der Arbeitsweise habe man vom Jugendangebot funk gelernt, das in den vergangenen Jahren viel probierte und auch keine Scheu davor hatte, Ideen zu verwerfen. Oder um mit dem Intendanten zu sprechen: Loszulassen.


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