Wer weiß denn sowas / Gefragt - Gejagt © Das Erste
Wiederholungen schaden den Quoten nicht

Masterfrage für die ARD: Darf's ein quizzchen weniger sein?

 

In den vergangenen Wochen zeigte Das Erste am Vorabend nur Wiederholungen von "Gefragt - Gejagt", auch bei "Wer weiß denn sowas" mussten schon alte Folgen eingeschoben werden. Den Quoten geschadet hat das erstaunlicherweise nicht. Kommt die ARD nun auf den Geschmack?

von Uwe Mantel
13.07.2020 - 14:01 Uhr

Wer in den vergangenen Wochen bei "Gefragt - Gejagt" am ARD-Vorabend reingeschaut hat, könnte durchaus etwas irritiert gewesen sein: Im Publikum wurde geklatscht, gejubelt und gebuht, auch von Abstand zwischen Moderator Alexander Bommes und den Kandidatinnen und Kandidaten konnte keine Rede sein. Die Erklärung ist einfach: Es handelte sich um Wiederholungen alter Folgen. Weniger als zwei Monate nach dem Start der neuen Staffel hatte die ARD schon Mitte Juni auf Archivware umgestellt. Vorübergehend, denn ab dem heutigen Montag werden nun wieder neue Folgen ausgestrahlt. Auch Mitte April waren auf dem Quiz-Sendeplatz um 18 Uhr schon einmal für drei Wochen Wiederholungen von "Wer weiß denn sowas?" zu sehen gewesen.

"Die Wiederholungen im Quiz-Bereich waren so nicht geplant, sie sind das Ergebnis der Auswirkungen der Corona-Pandemie", erläutert Frank Beckmann, der als ARD-Vorabendkoordinator die Quizschiene im Ersten verantwortet. "Wir haben angesichts der Situation in Deutschland unsere Produktionen zu Beginn der Corona-Krise unterbrechen müssen, um unser Publikum, unsere Kandidaten und unser Team zu schützen. Danach war mehrere Wochen nicht klar, ab wann und unter welchen Bedingungen wir wieder werden produzieren können. Daher mussten wir kurzfristig Wiederholungen von 'Wer weiß denn sowas?' einsetzen, um dennoch weiterhin ein verlässliches Programm bieten zu können."

"Gefragt - Gejagt" wurde damals früher als ursprünglich geplant zurück auf den Bildschirm gebracht. Während bei "Wer weiß denn sowas?" das Publikum stärker Teil des Konzepts ist, konnte man hier einfacher auch ohne Studiopublikum produzieren. Nun einfach die Folgenzahl von "Gefragt - Gejagt" hochzufahren, um die Lücke zu schließen, war aber dann auch keine Option, schon aus wirtschaftlichen Gründen. Denn auch wenn die Öffentlich-Rechtlichen zum weitaus größten Teil durch den Rundfunkbeitrag finanziert sind: Auf den so erfolgreichen Vorabend trifft das nicht zu. Beckmann: "Es war schnell zu erkennen, dass sich die Einschränkungen in Deutschland negativ auf die Werbeeinnahmen auswirken würden. Da unsere Sendungen in der Strecke des Vorabends zu einem hohen Anteil werbefinanziert sind, mussten wir mit einem geringeren Etat auskommen."

Quiz-Schiene sonst ohne Pausen

Generell ist es ja durchaus bemerkenswert, dass sich Das Erste am Vorabend in den vergangenen Jahren bei seinen Quiz-Formaten keine Pause gönnte. Während etwa das ZDF von seinen zur gleichen Zeit laufenden "SOKO"-Serien gerade mal für die Hälfte des Jahres frische Folgen produziert - ähnlich wie auch die ARD bei ihren 18:50-Uhr-Serien - wurde um 18 Uhr durchgehend frische Ware gesendet. Ein hoher Aufwand, der aber auch dazu geführt hat, dass aus der einstigen "Todeszone" inzwischen einer der erfolgreichsten Sendeplätze des Ersten geworden ist, um den man von vielen anderen Sendern beneidet wird. Doch nachdem nun erstmals Daten vorliegen, wie es mit Wiederholungen der Formate läuft, könnte man bei der ARD durchaus auf die Idee kommen, dass der hohe Aufwand gar nicht unbedingt notwendig ist.

Denn erstaunlicherweise liegt die durchschnittliche Reichweite der Wiederholungen von "Gefragt - Gejagt" in den letzten Wochen bei fast exakt dem gleichen Wert, den in den Wochen zuvor die Erstausstrahlungen erzielt hatten. Der Marktanteil zog - geschuldet der ferienzeit-bedingt langsam geringer werdenden TV-Nutzung - sogar an. Und die höchste Reichweite von "Gefragt - Gejagt" in diesem Jahr wurde mit einer Wiederholungs-Folge am Dienstag vergangener Woche erzielt. Bei "Wer weiß denn sowas" lag die Reichweite der Wiederholungs-Folgen im Frühjahr ebenfalls nur minimal unter dem Staffelschnitt der Erstausstrahlungen, die Marktanteile bewegten sich auf unverändert sehr hohem Niveau.

"Treue der Zuschauerinnen und Zuschauer nicht überstrapazieren"

Frank Beckmann sieht das als "Beweis für die Stärke unserer Marken und die Treue unserer Zuschauerinnen und Zuschauer", gibt aber direkt zu bedenken: "Beides darf man nicht überstrapazieren." Doch ausgeschlossen ist es für die Zukunft auch nicht, dass man auch generell hin und wieder Wiederholungen einschiebt. Noch seien die Planungen für das kommende Jahr nicht abgeschlossen und auch die längerfristigen Folgen der Corona-Pandemie nicht abzusehen. Auch, ob das "Quizduell" in der Live-Variante, das neben "Wer weiß denn sowas?" und "Gefragt - Gejagt" in den vergangenen Jahren das dritte Format für den 18-Uhr-Sendeplatz war, zurückkommen wird, steht noch nicht fest. Für 2020 gebe es keine Pläne, für 2021 sei noch nichts entschieden. Klar ist aber, dass die aufgezeichnete Variante "Quizduell-Olymp" weiterhin freitags um 18:50 Uhr im Programm bleibt, auch über dieses Jahr hinaus.

In welcher Schlagzahl es 2021 mit den erfolgreichen Quiz-Formaten am Vorabend weitergehen wird, ist also noch nicht klar - aber was ist das schon in diesen Tagen, in denen Corona nicht nur das Fernsehen ständig vor neue Herausforderungen stellt? "Im Moment freue ich mich darüber, dass wir zunächst wieder Erstsendungen produzieren können – wenn auch unter erschwerten Bedingungen und ohne Publikum", sagt Frank Beckmann. Und wenn alles so läuft wie geplant, dann soll im September zumindest auch wieder die erste Klappe für neue Folgen "Wer weiß denn sowas?" fallen.

Über den Autor

Uwe Mantel ist stellvertretender Chefredakteur des Medienmagazins DWDL.de. Schaut seit den 80ern Fernsehen und schreibt seit 2004 auch darüber. Kann sich sowohl in gute Serien als auch trockene Zahlen vertiefen. Und seine fränkische Herkunft nicht verleugnen.

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