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Media-Update vom 6. Februar

Online-Werbung wird untersucht, SAP XM am Ende

 

Das Bundeskartellamt wird die aktuelle Situation am Markt der Online-Werbung untersuchen, Vertreter klassischer Medien kritisieren seit Langem die US-Konzerne. Außerdem: SAP beendet ein Prestige-Projekt und G+J e|MS startet seinen "Umfeld-Finder".

von Timo Niemeier
06.02.2018 - 15:15 Uhr

Bundeskartellamt
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Das Bundeskartellamt wird sich mit den Machtverhältnissen in der Online-Werbung auseinandersetzen. Die Wettbewerbshüter haben nun angekündigt, eine entsprechende Sektoruntersuchung einzuleiten. Im Zuge dessen werde man mit verschiedenen betroffenen Unternehmen Gespräche führen und sich verschiedene Sichtweisen anhören. Im Frühjahr 2018 will man Fragebögen an Marktteilnehmer versenden. Dabei geht es vor allem um die großen US-Player, die nach Ansicht heimischer Werber und Vermarkter den Markt dominieren.

Andreas Mundt, Präsident des Bundeskartellamtes, sagt: "Online-Werbung hat in den letzten 20 Jahren ein außerordentlich hohes Wachstum verzeichnet. In Deutschland schätzt man das Marktvolumen auf fünf bis neun Milliarden Euro. Aufgrund der großen wirtschaftlichen Bedeutung für Werbetreibende sowie für Inhalteanbieter im Netz und angesichts der Diskussionen um ein schwieriges wettbewerbliches Umfeld auf diesem Markt, haben wir entschieden, den Bereich zu untersuchen." Im Fokus der Untersuchungen stehen demnach auch die "walled gardens", geschlossene Systeme, die Google und Facebook laut Vertretern der klassischen Medien inzwischen aufgebaut hätten.

SAP XM
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SAP wird das vor rund zweieinhalb Jahren mit großen Ankündigungen gestartete Projekt SAP XM beenden, zum Ende des ersten Quartals wird der Betrieb eingestellt. Das bestätigte der Konzern gegenüber den Kollegen von "Horizont". Die 100 betroffenen Mitarbeiter sollen in anderen Teilen des Unternehmens unterkommen. Ganz sterben soll SAP XM aber nicht: Die Learnings, die man aus dem Projekt gezogen habe, sollen nun bei SAP Hybrid und SAP Ariba einfließen, heißt es vom Unternehmen. Bei der Vorstellung von SAP XM hieß es noch, die Plattform solle Online-Werbung für die Werbungtreibenden kontrollierbar und transparent machen. Das Online-Media-Netzwerk wollte Werbungtreibende und Publisher in der Cloud auf einer gemeinsamen Plattform verbinden, um die komplexen Prozesse im Mediaeinkauf zu vereinfachen.

Angepeilt waren einmal 100 Millionen Euro Umsatz - nun wird SAP XM eingestellt. Offiziell gibt man sich bei SAP jedoch gelassen: "Die Vision von SAP XM bleibt erhalten. Um sie weiter zu skalieren, wollen wir jetzt aber die größere SAP-Maschine in Gang setzen", sagt Wolfgang Faisst, verantwortlich für das Projekt, gegenüber "Horizont". Johann Freilinger, verantwortlich für Marketing und Vertrieb, ergänzt: "Wenn wir die Submarke SAP XM einstellen, bedeutet das nicht, dass wir uns von unserem fundamentalen Ansatz verabschieden, im Gegenteil. SAP XM geht jetzt auf in einem größeren Organismus."

G+J EMS
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Das Vermarktungsunternehmen G+J e|MS hat seinen "Umfeld-Finder" gelauncht. Mit dem Tool soll es Werbekunden und Mediaagenturen leichter gemacht werden, ein passendes Themenumfeld in den verschiedenen G+J-Titeln zu finden. Bislang war dafür ein telefonischer oder schriftlicher Abstimmungsprozess zwischen Agentur, Kunde und Vermarkter notwendig. Über das Tool können die verschiedenen Umfelder gesucht und reserviert werden. Getestet wurde der "Umfeld-Finder" von den GroupM-Agenturen Wavemaker und Mediacom, nun können sich ab sofort alle Mediaagenturen für eine Nutzung anmelden.

Derzeit verhandelt G+J e|MS bereits mit weiteren Verlagen, die den "Umfeld-Finder" auch in ihre Vermarktungseinheiten aufnehmen wollen. Frank Vogel, Sprecher der Geschäftsleitung G+J e|MS, sagt: "Der Umfeld-Finder ist eine maßgeschneiderte Lösung, mit der wir den Wunsch der Agenturen nach einer datenbankgestützten Auswahl spezifischer Themenumfelder zur Realität machen. Die Planungs- und Buchungsprozesse werden damit in Zukunft deutlich gestrafft. Gleichzeitig bekommen Agenturen und Kunden eine in dieser Form noch nie dagewesene Umfeld-Transparenz in unserem Portfolio."

Geldscheine
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Das Außenwerbe-Unternehmen JCDecaux hat seinen Umsatz im vergangenen Jahr um 2,3 Prozent auf 3,47 Milliarden Euro gesteigert. Besonders im letzten Quartal des Jahres lief es mit einem Plus von 3,6 Prozent gut. Unternehmenschef Jean-François Decaux sagt: "2017 hat JCDecaux erneut ein Rekordergebnis erzielt. [...]. Dieses beachtliche Ergebnis verdanken wir einer Reihe von Faktoren: der immer stärkeren Rolle unserer digitalen Stadtmöbel, der Erholung unseres Chinageschäfts, einer Verbesserung der Marktsituation in Frankreich sowie soliden Umsatzzuwächsen in den USA und den übrigen europäischen Märkten der Gruppe. Zwar mussten wir in Großbritannien eine Geschäftsabschwächung hinnehmen, in der 'übrigen Welt', besonders in Lateinamerika, machten sich jedoch die positiven Effekte der Konsolidierung bemerkbar."

OWM
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"Spiegel Online" hat in der vergangenen Woche eine Artikel-Serie über die Marktforschungs-Branche veröffentlicht und damit für Wirbel gesorgt. Laut den Recherchen sind viele Ergebnisse der Marktforscher manipuliert, der Betrug geschehe demnach systematisch. Joachim Schütz, Vorsitzender der Organisation Werbungtreibende im Markenverband (OWM), zeigt sich deshalb nun besorgt. Im Interview mit "werben & verkaufen" sagt er: "Werbungtreibende, Agenturen, Medien – alle sind auf solide  und saubere Marktforschung angewiesen. Wenn Fake-Interviews durchgeführt werden, dann ist das eine Katastrophe." Die Auftraggeber müssten sich die Angebote genau anschauen und bei Dumping-Preisen hellhörig werden. "Hochwertige Marktforschung zum Nulltarif gibt es nun mal nicht."

Was noch zu sagen wäre…

Sie haben auch den Super Bowl und die Halbzeitshow von Justin Timberlake gesehen, aber die aufwändig produzierten Werbeclips im US-Fernsehen verpasst? Die Kollegen von "AdWeek" haben alle Werbeeinschaltungen zusammengefasst und zu einem zweiminütigen Video komprimiert.

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