Georg Kofler © DWDL
Neues Feuer und alte Feindbilder

Wie Youtube Kofler ins Mediengeschäft zurück brachte

 

Georg Kofler ist zurück im Mediengeschäft - und hat auf dem Medienforum NRW gezeigt, was den Medienkongressen des Landes ohne ihn gefehlt hat. "Ich hatte mit den Medien abgeschlossen", sagte Kofler - und dann kam Youtube...

von Uwe Mantel
08.06.2016 - 16:09 Uhr

"Ich habe das chinesische Sprichwort ernst genommen: 'Wenn du durch die Tür gehst, bist du draußen.'" Mit diesen Worten erklärte Georg Kofler im Gespräch mit DWDL.de-Chefredakteur Thomas Lückerath auf dem Medienforum NRW, wieso er sich nach seinem Abschied bei Premiere 2007 komplett aus der Medien-Öffentlichkeit zurückgezogen hat. "Risikofreie Besserwisserei", wenn man nicht mehr in verantwortlicher Position sei, habe er "garantiert nicht machen wollen. Inzwischen darf er sich wieder äußern, denn er mischt wieder im Mediengeschäft mit - auch wenn das fast ein wenig unterging.

Bis heute bringen ihn die meisten eher noch mit seinem Energie-Unternehmen in Verbindung. Doch auch wenn das übergreifende Thema Energie "superspannend" sei, hätte man da schon eher Ingenieursfähigkeiten mitbringen müssen. "Und ich bin ausgewiesener Nicht-Ingenieur. Ich kann allenfalls für gute Laune sorgen." Die Medien scheinen also prädestiniert für einen wie Kofler. Trotzdem hielt er sich lange zurück. "Was hätte ich denn im konventionellen Mediengeschäft noch machen sollen?", fragt Kofler. Damals, in den 90ern, da seien die Privatsender noch die Innovatoren des Mediengeschäfts gewesen. "Wir hatten das Gefühl, wir krempeln diese Welt nochmal um", so Kofler, der über die guten alten Zeiten redete, um gleichzeitig zu betonen, dass er eigentlich gar nichts davon hält, ständig die alten Zeiten zu verklären.

Das "konventionelle Mediengeschäft" reizte ihn also nicht mehr - es musste schon Youtube kommen, um das Interesse wieder zu wecken. "Ich hatte eigentlich mit den Medien abgeschlossen, weil ich mir nicht vorstellen konnte, dass mich im Mediengeschäft nochmal neue Konstellationen interessieren könnten. Und dann haben sie (Jörg Hoppe und Christoph Post von DEF Media) mir Youtube-Videos gezeigt." Seine erste Reaktion: "Ich hab gesagt: Ganz ehrlich, die hätten sich bei mir damals nicht mal fürs Nachtprogramm bewerben dürfen. Doch als ich dann gehört habe: 1,2 Millionen Abonnenten, hunderttausende Abrufe innerhalb von 24 Stunden, habe ich gedacht: Hoppla!"

Vor allem habe ihn die Interaktivität, die Mobilisierungskraft, das unzählige Feedback begeistert: "Alles was wir vor 20 Jahren auf Kongressen diskutiert haben, sah ich plötzlich verwirklicht", so Kofler. Und noch etwas mache heute den entscheidenden Unterschied. Damals sei die technische Reichweite das große Problem gewesen, man habe unheimlich viel Geld verbrannt, um erstmal auf Sendung gehen zu können. "Anlaufverluste, Investitionen, wie sie's auch nennen wollen: Es war jedenfalls weg." Heute könne hingegen jeder auf Sendung gehen - mit kleinem Geld. "Unser Ur-Problem ist gar nicht mehr da. Du musst jetzt fast nichts mehr in die Technik und kannst alles in Phantasie und programmliche Inhalte investieren." Ein weiteres Schlüsselerlebnis waren die Video-Days. "15.000 Leute und fast keine Organisation! Da haben wir gesagt: Das muss man besser machen." Also hat man im Beauty-Bereich selbst die Glow-Convention aus der Taufe gehoben - und obwohl man auf klassische Werbung fast verzichtet hatte, sei das Event drei Wochen vorher ausverkauft gewesen.

Georg Kofler
Georg Kofler im Gespräch mit DWDL.de-Chefredakteur Thomas Lückerath

Organisiert ist das alles in der Glow Media Group, die er gemeinsam mit Christoph Post, Jörg Hoppe und Holger Hansen gegründet hat, und an der er selbst 60 Prozent hält. Hoppe und Post bringen darin auch ihre Produktionsfirma DEF Media ein. "Wir sind kein Startup, wir können schon was", charakterisiert er die neue Verbindung. "Wir kombinieren unsere Fähigkeiten mit diesen neuen Dingen." In insgesamt sieben Geschäftsfeldern sei man unterwegs, gut 100 Mitarbeiter habe man mittlerweile an den Standorten Berlin, London, Manchester und bald auch New York. Es gehe um Social-Media-Marketing über Produktion audiovisuellen Contents aller Art bis zu Vermarktung oder die Veranstaltung von Publikums-Events.

Und natürlich komme er damit jetzt auch wieder mit der klassischen TV-Branche in Kontakt - wo er auf manch alten Weggefährten trifft. "Ich habe viele von den heutigen Führungspersonen ja selbst eingestellt!" Eine solche Verbindung hat er auch zur Teleshopping-Queen Judith Williams, die er einst zu H.O.T. holte. Mit ihr hat Glow nun ein Joint-Venture gegründet, in der auch Produkte betreut werden, die aus Investments in der "Höhle der Löwen" stammen.

Kofler mischt also längst wieder mit im TV-Geschäft - und liefert damit endlich auch wieder Kommentare zum aktuellen Geschehen in der Branche. Wie praktisch: Die alten Themen und Feindbilder sind immer noch aktuell - wie gerade die Bundesliga-Rechtevergabe. "Diese blöde No-Single-Buyer-Rule muss weg. Wie immer alle verlangen, dass das Pay-TV Milliarden für den Profifußball aufbringen soll, sie gleichzeitig aber nicht genügend Exklusivität einräumen wollen. Diese Heuchelei muss auch mal aufhören", so Kofler. Er habe damals alles auf eine Karte gesetzt und 360 Millionen für ein Szenario ohne Sportschau geboten, auf alle anderen Szenarien hingegen nur einen Euro. "Ich konnte mir nicht vorstellen, dass es Leute ohne Abonnenten gäbe, die mehr zahlen als Premiere vorher. Aber es gab diese Wahnsinnigen. Masters of the Universe aus dem Private-Equity-Bereich."

So richtig leidenschaftlich aufregen kann Kofler sich aber noch immer vor allem über ARD und ZDF und die "strukturelle Wettbewerbsverzerrung durch ein übergroßes öffentlich-rechtliches System", das auch die Kreativität töte. "Stellt euch vor, in der Modewirtschaft würde die Hälfte des Marktes von öffentlich-rechtlichen Unternehmen beherrscht. Was glaubt ihr denn, wie dann die Mode aussähe?" Besonders tangiert ihn das inzwischen natürlich das neue Jugendangebot. Es sei ein "Treppenwitz", dass da nun einer mit 45 Millionen herumgehe und sich Sachen "zusammenklauen" wolle, während andere fast ohne oder mit sehr überschaubaren Geldmitteln dort längst sehr erfolgreich seien - die Rocket Beans waren da nur ein Beispiel. "Das ist Scheckbuch-Social-Media, das ist doch krank!"

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Sie haben einen Text aus dem Archiv des Medienmagazins DWDL.de aufgerufen, das bis ins Jahr 2001 zurückreicht und mehrere Zehntausend Artikel umfasst.



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