Die Maus steht zwar inzwischen wieder an ihrem angestammten Platz in Köln, doch im Gegenzug muss Esther Sedlaczek an diesem Wochenende in der "Maus-Show" passen. Weil sich die Moderatorin im Mutterschutz befindet, springt ein Mann für sie ein, dem man bislang vermutlich nicht unbedingt für den Job als Quizmaster auf dem Schirm hatte: Florian Silbereisen, hauptberuflicher Schlagerstar-Dompteur und "Traumschiff"-Kapitän.
Wie schnell das Fernsehen dabei ist, seine Stars in eine Schublade zu stecken, lässt sich an Silbereisens Beispiel ziemlich gut ablesen. Seit mehr als 20 Jahren führt er mehrfach im Jahr in den Messehallen der Republikum samstagabends routiniert durch "Schlagerboooms" und "Adventsfeste" – ein Job, den er so gut beherrscht, dass die einst als Seniorenveranstaltungen verschrienen Schunkelshows inzwischen auch beim jüngeren Publikum erstaunliche Erfolge feiern.
Doch wahrscheinlich ist es exakt dieses Schubladendenken, das dazu führt, dass man Silbereisen im Fernsehen abseits dieser bewährten Formate kaum zu sehen bekommt. Dass es sich lohnen kann, auch andere Schubladen zu öffnen, hat Silbereisen jetzt in der "Maus-Show" unter Beweis gestellt. Mit erkennbarem Spaß am Spiel und einem guten Gespür für Spontaneität hat er seinen Premieren-Auftritt als Quizmaster erstaunlich gekonnt absolviert – und schaffte den Spagat, nicht nur selbst eine gute Figur zu machen, sondern auch seine Gäste ins rechte Licht zu rücken. Ein wirklich gelungener, Achtung Wortspiel, Mausflug!
"Ich bin ja nur der Ersatzmann heute", sagte Silbereisen irgendwann, als sich Jörg Pilawa, Motsi Mabuse und weitere Promis gerade darum bemühten, das Eifelstädtchen Prüm möglichst zielgenau auf einer Deutschlandkarte zu verorten. Und schon im Vorfeld der Show mühte sich der Moderator erkennbar darum, den Eindruck zu zerstreuen, die Quizbühne ein weiteres Mal zu betreten. "Nur dieses eine Mal" werde er als Quizmoderator am Samstagabend zu sehen sein, versicherte er auf Facebook, um schon im nächsten Satz zu betonen, wirklich nur "einmalig als Ersatzspieler" einzuspringen. Und überhaupt: "Eine zweite Chance gibt’s nicht: Alles muss auf Anhieb an diesem einmaligen Abend klappen!"
Was es zu bedeuten hat, wenn Florian Silbereisen die Einmaligkeit eines Events betont, lässt sich übrigens am 31. Dezember beobachten, wenn er zum zweiten Mal den "Silvester-Schlagerbooom" präsentieren wird – jene Show, die es ursprünglich ebenfalls nur ein einziges Mal geben sollte. Ohne Esther Sedlaczek den verdienten Maus-den Job streitig machen zu wollen - aber vielleicht sollten die Verantwortlichen in der ARD in einem ruhigen Moment darüber nachdenken, Florian Silbereisen häufiger mal in andere Schubladen zu stecken.