Was wird jetzt scheinbar ernst?

R2D2 und C3PO werden Realität. So ein bisschen zumindest. Auf der CES 2026 wirkte Robotics plötzlich nicht mehr wie: „Wow, der kann tanzen“, sondern wie: „Das ist die wirklich der nächste heiße Sch.…“ Allerdings mit einer wichtigen Einschränkung, die zwischen all den Humanoid-Demos fast beruhigend war. Roboter kommen zuerst in die Industrie und wohl erst später in unsere Haushalte. In Las Vegas konnten sie schon Wäsche anfassen, aber eben oft noch quälend langsam oder eher showig. Trotzdem hat Chip-Gigant Nvidia diese Welle zum besonderen Moment erklärt. CEO Jensen Huang sprach den einen Satz, den jeder mit nach Hause nahm: „The ChatGPT moment for robotics is here.“ Und er lieferte die Timeline gleich mit. Laut Reuters sieht Huang humanoide Roboter „in weniger als fünf Jahren“ breit in Fertigungsumgebungen, also dort, wo Prozesse planbar sind und der Boden nicht voller Legosteine liegt. Pionier Boston Dynamics wiederum klingt wie das Controlling in Menschengestalt, und genau deshalb ist es glaubwürdig. CEO Robert Playter setzt den Maßstab bei Lernfähigkeit und Einsatzreife. Sein Modell „Atlas“ muss neue Aufgaben in „one to two days“beherrschen. Dazu kommt eine knallharte Timeline: „Atlas“ soll innerhalb von zwei Jahren in Hyundais Georgia-Werk arbeiten, Hyundai wiederum plant die systematische Einführung auf dem Factory Floor bis 2028.

Und dann ist da Tesla, bzw. Elon Musk, der große Zampano, der alles in eine Zukunftserzählung hebt, in der sich nüchterne Zeitpläne wie Beleidigungen anfühlen. Musks Kernthese: „The demand will be insatiable.“ Und noch eine Medizin-Provokation gefällig, die gerade viral geht? Auf die Frage „Also nicht Medizin studieren?“ antwortet Musk: „Yes. Pointless.“ Dann setzt er noch einen drauf. In drei Jahren werde „Optimus“ „besser operieren“ als menschliche Chirurgen, und bis 2030 werde es „wahrscheinlich mehr Optimus-Roboter geben, die großartige Chirurgen sind, als es Chirurgen auf der Erde gibt.“  Ach ja, langfristig glaubt er außerdem, dass es mehr humanoide Roboter als Menschen geben wird (so etwa 2040). Musk eben. Der Versuch einer Einordnung: Nvidia baut das Betriebssystem („Physical AI“), Boston Dynamics baut den ersten echten Industrie-Case mit Uhrzeit und Werkshalle, und Musk baut den Mythos, der wieder einmal Kapital und Aufmerksamkeit anzieht, unabhängig davon, ob die Wäsche heute schon fertig wird. Die CES 2026 hat gezeigt: Roboter ziehen zuerst in die Fabrik, nicht ins Wohnzimmer. Und wenn es nach Musk geht, kommt danach der Moment, in dem dein Kind fragt, ob Hausaufgaben noch Sinn ergeben… und irgendwo in der Ecke ein Humanoid leise antwortet: „No. Pointless.“

Was finde ich richtig smart?

HBO Max kommt nach DACH nicht als der nächste Streaming-Messias, sondern als jemand, der sehr genau zugeschaut hat, wie sich die Konkurrenz in den letzten Jahren selbst die Kniescheiben weggegrätscht hat: zu teuer, zu kompliziert, zu viel App-Eitelkeit. Start war am 13. Januar 2026, und statt „Download unsere App und liebe uns“ heißt die Launch-Strategie sinngemäß: „Sei dort buchbar, wo die Menschen ohnehin schon sind.“ Dafür hat das WBD-Team in DACH ein beeindruckendes Aggregatoren-Orchester zusammengetrommelt. Prime Video als Zusatz-Abo in Deutschland und Österreich, RTL+ als exklusiver Bundle-Partner (Deutschland, Österreich soll folgen), plus waipu.tv als Launch-Partner. Und in der Schweiz liefern Sunrise und Swisscom den Shortcut in bestehende Entertainment-Pakete. Das ist kein Zufall, sondern die entscheidende Einsicht 2026. Der Markt ist nicht mehr „Streaming vs. Pay-TV“, sondern Bequemlichkeit vs. Kündigungsbutton. Dazu kommt eine Preisleiter, die bewusst auf „Probierbarkeit“ trimmt (5,99 Euro mit Werbung bis 16,99 Euro Premium) und als Trichter für Bundles funktioniert. Und beim Content spielt HBO Max aus, was die meisten Späteinsteiger nicht haben. Ein echtes Qualitäts-Siegel (HBO) plus ein Studio-Backbone, das sehr schnell sehr breit liefern kann, und das auch lokal nachschärft. In Deutschland holt sich HBO Max zusätzlich Output-Deals mit Leonine und Constantin Film, dazu eine kuratierte Auswahl von DCM und weiteren Partnern. Und während draußen der WBD-Paramount-Netflix-Nebel die Branche wieder einmal komplett verschluckt, wirkt das Führungs-Duo Casey Bloys und JB Perrette bewundernswert wie zwei erfahrene Lotsen auf der Brücke. Keine großen Reden, kein Pathos, nur Kurs halten. Bloys’ Haltung zu all dem Deal-Geraune ist sinngemäß: bringt nichts, das zu berücksichtigen, vieles ist „out of our hands“, also mach deinen Job. Genau diese Ruhe passt zur Strategie. Fazit: Spät dran kann man auch als Vorteil lesen, weil man nicht jede Dummheit der anderen erst selbst ausprobieren muss. Ich finde das richtig und gut. HBO Max kommt nicht mit Partytröte. HBO Max kommt mit Navi für seine Kunden. Ich wünsche ihnen, vor allem auch dem tüchtigen deutschen Team, viel Erfolg.

Was wird uns 2026 mit Sicherheit beschäftigen?

Die Frage, ob die KI-Blase platzt oder ob sie einfach nur die Luft rauslässt und erwachsen wird. Wer diese Woche die Podcasts „The Media Odyssey“ (Evan Shapiro/Marionm Ranchet) und „Tech Tonic“ von der „Financial Times“ hört, findet dazu Einschätzungen. Beide sind sich einig, dass es brennt, nur nicht, ob’s ein Lagerfeuer oder ein Waldbrand ist. Shapiro spielt Feueralarm. Sein Begriff „AI Hubble“ steht bei ihm für diese galaktische Mischung aus Erwartungen, Bewertungen und Milliarden in Chips und Rechenzentren. Seine These: Das System befeuert sich selbst. Und wenn irgendwo der Geldhahn klemmt, wird aus „Revolution“ sehr schnell „Rückbau.“ Nicht weil KI tot, sondern weil die Party vorbei ist. Ranchet hält dagegen. 2026 sei nicht „Burst“, sondern Aufräumen. KI wird langweilig, und genau das sei gut. Weniger Demo-Zauber, mehr Alltag. Das Expertengespräch bei „Tech Tonic“ wirkt dagegen wie die erwachsene Stimme im Raum. Ja, Hype. Ja, Übertreibung. Aber KI ist eben auch eine Infrastrukturwette. Teuer, energiehungrig, und irgendwann stellt jemand die unromantische Frage nach Rendite. Woran erkennt man’s? „Burst“ riecht nach Capex-Bremse bei den Cloud-Riesen, plötzlich normalen GPU-Lieferzeiten, CFOs mit Taschenrechnern. Und einer zweiten Reihe an KI-Startups, die leise verschwindet. „Correction“ sieht eher aus wie Erwachsenwerden. Konsolidierung, weniger Tools, mehr echte Workflow-Nutzung. KI als Feature, nicht als Religion. Mein Fazit: Egal ob nun Bubble-Burst oder nur „Überhitzung mit Substanz“, so oder so, wie immer gilt: „Nobody knows anything.“ Dennoch vermute ich, 2026 könnte das Jahr werden, in dem KI und die damit verbundenen Investitionen vom reinen Staunen ins nüchterne Controlling wechseln.

Zum eigene Meinung bilden hört hier: https://open.spotify.com/episode/3F9FzD0HrmkBZPRg4CWS5p oder lest hier: https://www.ft.com/content/7e7b4110-963c-4d78-9549-2d3d09f9bc19?utm_source=chatgpt.com

Worüber freue ich mich sehr?

Es gibt Kritiker-Sätze, die klingen wie eine komplette Kampagne in einem Atemzug. Der britische „The Telegraph“ hat so einen rausgehauen: „This could be the greatest tank film ever made.“ Und plötzlich ist klar, warum der Dennis Gansel-Film „Der Tiger“ (international: „The Tank“) gerade weit über Deutschland hinaus so auffällig performt. Er ist kein braves Geschichtsdrama, sondern ein hochkonzentrierter Druckkochtopf aus Stahl, in dem Krieg nicht als Panorama, sondern als psychologischer Innenraum erzählt wird. Die Charts sprechen eine erstaunlich deutliche Sprache. In den weltweiten Prime-Video-Filmcharts steht „The Tank“ am 15. Januar 2026 auf Platz 1. Natürlich auch in Deutschland. Moviepilot berichtet zusätzlich, der Film sei in 17 Ländern gleichzeitig auf Platz 1 gelandet. Was macht diese eher sperrige Thematik so „klickbar“? Vielleicht genau diese seltene Mischung: Action, die nicht verherrlicht, sondern in etwas kippt, das sich wie ein Fiebertraum auf Ketten anfühlt. GQ bringt die Haltung dahinter in einem Satz auf den Punkt: „Seit Langem hat kein deutscher Kriegsfilm so viel Mut bewiesen, einfach auch spannend zu sein.“ Und Tittelbach erinnert daran, was der eigentliche Star ist: der Panzer selbst, wie einst das U-Boot in Wolfgang Petersens „Das Boot.“ Unterm Strich: „Der Tiger“ ist gerade ein globaler Streaming-Treffer, weil er das Genre Antikriegsfilm zuschnürt: eng, hart, nervös. Ich freue mich sehr darüber, da ich als einer der Verantwortlichen beim Produzenten Pantaleon Films die Genese dieses Films und sein Greenlight durch Amazon Prime Video mit begleiten durfte. Ich gratuliere allen beteiligten Kreativen beim Produzenten und Streamer, allen voran Dennis, zu diesem großartigen Kritiker- und Publikums-Erfolg.

Und was kostet eigentlich so ein richtiges Serienfinale im Streaming-Zeitalter? 

Netflix hat diese Frage mit der finalen Staffel 5 von Stranger Things beantwortet, als hätte jemand den Taschenrechner in den Upside Down geworfen. 59,6 Millionen Views in den ersten fünf Tagen (Rekord für eine englischsprachige Netflix-Serie), danach der Weihnachts-Nachschlag. Und am Ende das Neujahrs-Finale als globaler Lagerfeuer-Moment. In der Woche 29.12.–04.01. stand Stranger Things 5 wieder auf #1 mit 31,3 Millionen Views und die gesamte Staffel liegt inzwischen bei 105,7 Millionen Views – No. 9 in Netflix’ ewiger Bestenliste (das 91-Tage-Fenster läuft noch weiter). Und jetzt kommt der Teil, bei dem jeder Controller kurz das Licht ausmacht. Laut Puck/Forbes-Reporting soll jede Episode in Staffel 5 50–60 Millionen US-Dollar gekostet haben. Also insgesamt grob 400–480 Millionen. Zum Vergleich: Staffel 1 war 2016 angeblich noch bei 48 Millionen US-Dollar gesamt. Das ist nicht „Budget-Wachstum“, das ist eine ausgewachsene Blockbuster-Mutation. Dazu passen die Gagen. Winona Ryder und David Harbour sollen in der Top-Tier-Kategorie jeweils um die 9–9,5 Millionen US-Dollar für die finale Staffel liegen. Bei anderen aus dem Kerncast wurden ebenfalls kräftige „Wir-sind-jetzt-Hit“-Aufschläge kolportiert. Die Kritiker waren am Ende überwiegend gnädig (Tomatometer 83%), die Fan-Wertung dagegen sichtbar beleidigt (Popcornmeter um die 53%), inklusive dem üblichen Social-Media-Ritual, dass ein Finale erst dann als „mutig“ gilt, wenn es mindestens drei Lieblingsfiguren opfert und einen Twist hat, den vorher niemand wollte.

Netflix selbst konnte währenddessen in Ruhe zählen, und sehen, wie das Event sogar die alten Staffeln wieder nach oben spült. Ich bin auch Fan. Nicht nur „aus Medienpflicht“, sondern wirklich. Und vielleicht ist genau deshalb mein Geständnis so unerquicklich für manche. Ich war NICHT enttäuscht vom Serienfinale. Ich fand es nicht perfekt, nicht frei von Pathos, nicht frei von „könnte man straffer erzählen.“ Aber es hat etwas geschafft, woran erstaunlich viele Kultserien scheitern. Es hat die Landung nicht in Flammen absolviert. Nach dem kollektiven Game of Thrones-Trauma ist das schon ein Qualitätsmerkmal. Und ganz ehrlich, wenn eine Serie über zehn Jahre Kindheit, Freundschaft und Monster in Fahrradtempo erzählt hat, darf sie sich zum Abschied auch erlauben, einmal groß zu sein, statt nur clever. Stranger Things geht nicht nur als Serie, es geht als Jahreswechsel-Programm mit einem Halb-Milliarde-Preisschild und maximalen, globalen Impact. Und in einer Zeit, in der alle über „Content-Überangebot“ klagen, ist das vielleicht die eigentliche Magie. Wenn’s drauf ankommt, können immer noch alle gleichzeitig hinschauen. Ich bin den Duffer Brüdern jedenfalls dankbar für zehn Jahre Spitzenunterhaltung. Jetzt bitte nur keine Franchise-Spin-Offs von Showrunnern aus der zweiten Reihe konzipieren lassen, liebes Netflix.