Es sollte nicht lange dauern, bis Gil Ofarim mit seiner Vergangenheit konfrontiert wurde. "Ich habe viel von dir gehört", wurde der Musiker von TV-Bauer Patrick Romer noch vor dem Einzug ins Dschungelcamp begrüßt. "Von mir? Ich hoffe nur Gutes", entgegnete Ofarim – und als Zuschauer wusste man in diesem Moment nicht so recht, ob die Antwort nun ironisch, naiv oder einfach nur blöd war. Auch Patrick schien es ähnlich gegangen zu sein. "Leider gar nichts Gutes", erwiderte er schließlich und brachte damit Ofarims selbst verschuldeten Abstieg der vergangenen Jahre ziemlich treffend auf den Punkt.

Da sitzt nun also der Mann, der einen Hotel-Mitarbeiter einst fälschlicherweise beschuldigte, ihn aus antisemitischen Gründen abweisend behandelt zu haben, im australischen Dschungel umgeben von Reality-Personal, früheren Fernsehstars und Simone Ballack, und weiß nicht so recht, was er eigentlich sagen soll. Von einer Verschwiegenheitserklärung spricht er, die ihn dazu zwinge nicht über den Vorfall zu reden. Und so sagt der inzwischen 43-Jährige immerzu, dass er nichts sagen darf.

In der Sendung vom Dienstag, immerhin schon der fünfte Tag im Dschungel, war Ofarims Vergangenheitsbewältigung nun erneut Thema - diesmal am Lagerfeuer im Gespräch mit dem Schauspieler Stephen Dürr. Darin äußerte Ofarim zwar "Ängste in Bezug auf meine Kinder", stellte sich aber in erster Linie selbst als Opfer dar. "Dieser Hass, diese Anti-Haltung, hätte ich nicht gedacht", sagte er und äußerte die Hoffnung auf einen Neuanfang. "Das kann es nicht gewesen sein."

Gil Ofarim und Stephen Dürr © RTL Gil Ofarim und Stephen Dürr bei der Nachtwache.

Doch wie genau er sich den Neuanfang vorstellt, bleibt im Dunkeln. Wer jedenfalls auf Aufklärung, ein großes Geständnis oder zumindest eine kleinlaute Entschuldigung wartete, wurde enttäuscht. Vielleicht auch so mancher bei RTL.

Was die Frage aufwirft, was Ofarims Auftritt eigentlich soll.

Dessen Teilnahme an der erfolgreichen TV-Show mag womöglich als zweite Chance, vielleicht sogar als Zeichen des guten Willens gesehen worden sein. In Wirklichkeit erweist sie sich nun allerdings vor allem als Belohnung, noch dazu eine gut bezahlte, für ein gravierendes Fehlverhalten, das einst schon der Zentralrat der Juden mit deutlichen Worten kritisierte.

"Wir haben in unserer Gesellschaft ein Antisemitismus-Problem, viele sind gerade in der jetzigen aufgeheizten gesellschaftlichen Situation verunsichert und erleben Judenhass und Ablehnung", erklärte der Zentralrat einst nach Ofarims Geständnis. "Es ist richtig, bei einem Antisemitismusvorwurf auf der Seite des Betroffenen zu stehen, ihm beizustehen und die Antisemitismuserfahrung zunächst nicht in Frage zu stellen. Umgekehrt darf so ein Vorwurf niemals grundlos erhoben werden. Und das ist hier leider passiert."

Dabei kann man in Deutschland bekanntlich selbst dann Dschungelkönigin werden, wenn man wegen Totschlags verurteilt wurde. Voraussetzung für Ingrid van Bergens späten Reality-Erfolg war jedoch, dass sie ihre Tat bereute. In Ofarims Fall fällt es leider schwer, diese Reue zu erkennen. Bloß darauf zu hoffen, dass die Entschuldigung schon vor laufenden Kameras erfolgen wird, ist in diesem Fall zu kurz gedacht. RTL wäre daher gut beraten gewesen, Gil Ofarim nur dann die große Primetime-Bühne zu bieten, wenn er schon im Vorfeld die richtigen Worte gefunden hätte. Mit seinem anhaltendem und geradezu dröhnenden Schweigen liegt nun ein ärgerlicher Schatten über einer Staffel, die abseits davon eigentlich den üblichen Unterhaltungswert bietet.

"Wir verurteilen das Verhalten von Gil Ofarim", erklärte der Zentralrat der Juden vor zwei Jahren. Und: "Er muss in jeder Hinsicht die Konsequenzen für seine Lüge tragen." Eine hohe TV-Gage hatte der Zentralrat damals vermutlich eher nicht im Sinn.