Während Stefan Raabs Produktionsfirma an einer Neuauflage der "Schillerstraße" arbeitet, ist die ARD schon weiter. Genauer gesagt: ARD Kultur. Ja, richtig gehört: Unter seinem Kulturlabel macht der öffentlich-rechtliche neuerdings eine Comedyshow, die das Grundkonzept der legendären Impro-Comedyshow von Sat.1 aufgreift. Mit dem Unterschied, dass nicht Cordula Stratmanns Wohnzimmer als Setting dient, sondern die Bühne des Deutschen Theaters in Berlin.

Dem geht es gerade wirtschaftlich nicht allzu gut. Und wenn man einem Verriss der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" Glauben schenken darf, dann war's das nun auch mit seinem Ansehen. Von einem "Rufschaden" war vor ein paar Tagen die Rede – und das nur, weil die ARD dort keine Hochkultur aufführen ließ, sondern ein Ensemble junger Comedians auf die Bretter schickte. "Banausen" nennt die ARD das Format, die "FAZ" will stattdessen ein "Grauen mit Grinsen" erkannt haben.

Tatsächlich muss die Show, produziert von der angesehenen Firma Steinberger Silberstein, auf eine Feuilleton-Redakteurin der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" einigermaßen verstörend gewirkt haben, weil der berühmte "Don Juan", verkörpert von Nico Stank, gleich in der ersten Folge wahlweise als Bachelor oder "Fuckboy" dargestellt wird und der Humor, vorsichtig formuliert, meist nicht gerade subtil daherkommt. Das Format, das "Comedy. Theater. Chaos." im Titel trägt, ist damit gewiss näher an der "Comedy-Märchenstunde" als an einer handelsüblichen Arte-Übertragung.

Banausen © MDR/ARD KULTUR/Frédéric Batier Der Cast: Nico Stank, Tom Böttcher, Ana Lucia, Fred Costea, Florentine Osche und Jonas Hien - mit Host Anna Dushime.

Aber ist das wirklich schlimm – oder gar rufschädigend?

Über Humor lässt sich bekanntlich streiten, und man kann der ARD im Falle der "Banausen" gewiss nicht vorwerfen, mutlos zu sein. Fünf Comedians – neben Stank sind auch Tom Böttcher ("Sketch History"), Tülin Sezgin ("Conny from the Block"), Fred Costea ("Stabil"), Florentine Osche ("extra 3") und Ana Lucia ("falsch, aber lustig") und Jonas Hien ("Stulle und Bulle") mit dabei – klassische Stoffe auf ehrwürdiger Bühne improvisieren zu lassen, ist zunächst einmal ein Wagnis. Und natürlich gelingt nicht jede Umsetzung der von Moderatorin Anna Dushime ("Der letzte Drink") ausgerufenen Regieanweisungen. Was man dem Ensemble aber nicht vorwerfen kann, ist fehlende Lust am Spiel. Und so bewegt sich die Show über 45 Minuten hinweg zwischen Klassiker und Kalauer. Ein Drahtseilakt, gewiss. Erst recht für Verfechter der Hochkultur.

Gleichzeitig kommt "Banausen" als betont niedrigschwelliges Kulturangebot daher. Sicher, die Abiprüfung wird kein Schüler bestehen, der sich zur Vorbereitung ausschließlich die Impro-Version von Shakespeares "Sommernachtstraum" in der Mediathek ansieht. Und doch wirkt "Banausen" schon alleine deshalb charmant, weil Theater hier einmal nicht sonst üblichen Samthandschuhen angefasst wird. Wer nun den Untergang des Abendlandes wittert, weil hier Jugendwörter wie "cringe" oder "crazy" fallen, sei beruhigt: Nur einen Klick weiter spielt das WDR-Sinfonieorchester die Tondichtung "Don Juan" op. 20 von Richard Strauss - ganz klassisch ohne Fuckboy.

"Banausen - Comedy. Theater. Chaos." in der ARD-Mediathek sowie am 12. und 19. April um 23:25 Uhr im RBB Fernsehen.