Für die vierte Staffel will es RTL noch einmal wissen. Gleich zwei Wochen lang räumt der Privatsender ab sofort jeweils vier Abende in Folge frei, um seinem Publikum "Die Verräter" schmackhaft zu machen. Montags bis donnerstags steht um 20:15 Uhr also das Format auf dem Programm, das beweist, dass im Reality-Genre so viel mehr Bandbreite steckt als leichtbekleidete oder lautstark streitende Leute am Strand oder im Dschungel. Die Event-Strategie, die RTL diesmal fährt, ist der bislang ambitioniertest Versuch, das international gefeierte Reality-Ratespiel zum Erfolg zu führen, nachdem es hierzulande bislang nicht so richtig zünden wollte.

Nach einem ordentlichen bis guten Auftakt sanken die Quoten bei der linearen Ausstrahlung in Deutschland in den letzten Jahren stets ab. Dabei zeigt der Blick ins Ausland, welches Potenzial in dem Format steckt: In Großbritannien beispielsweise war das Finale von "The Celebrity Traitors" 2025 mit alles in allem über 15 Millionen Zuschauerinnen und Zuschauern bei der BBC letztlich sogar die meistgesehene Sendung des ganzen Jahres.

Von solchen Werten ist die deutsche Version weit entfernt - doch eines kann man den Programmverantwortlichen von RTL immerhin nicht vorwerfen: Einen kurzen Atem. Nun also der vierte Anlauf, der dritte im Free-TV (Staffel 2 blieb weitgehend RTL+ vorbehalten). Inwiefern die lineare Event-Programmierung aufgeht, hängt ein Stück weit auch davon ab, wie viele Fans schon vor der TV-Ausstrahlung im Streaming eingeschaltet haben. Dort, bei RTL+, werden nämlich bereits seit zwei Wochen wöchentlich zwei Folgen der neuen Staffel veröffentlicht, sodass das Finale in beiden Welten einigermaßen zeitgleich über die Bühne gehen wird.

Dadurch besteht fürs lineare Publikum einstweilen akute Spoiler-Gefahr. Und schon die erste Folge zeigt, dass Einiges los ist auf dem belgischen Schloss, dem Château de Mielmont, das erneut als Schauplatz für Verdächtigungen, Verbannungen und Morde dient. Einiges, über das man sich nur zu gern mit Anderen austauschen möchte - denn Diskussionsstoff fürs Publikum liefert "Die Verräter" auch in diesem Jahr wieder zur genüge.

Denn RTL gibt sich diesmal keineswegs nur mit Blick auf die Programmierung experimentierfreudig, sondern auch inhaltlich. Erstmals sind es 18 Promis, die sich auf das Spiel von Verrätern und Loyalen einlassen – zwei mehr als in den vorherigen Staffeln. Zu den neuen Kniffen gehört auch, dass erstmals vor den Augen aller Spieler ein weiterer Verräter durch einen geheimnisvollen Telefonanruf von Schlossherrin Sonja Zietlow bestimmt wird. Und mittels einer Glaskugel wird im Laufe der Staffel erstmals ein Kandidat die Möglichkeit bekommen, einen Mitstreiter direkt zu fragen, welches Spiel er wirklich spielt.

Doch noch bevor es überhaupt so richtig losgeht, weiß die Staffel mit einer Überraschung aufzuwarten. Um diesmal schneller in die Staffel zu starten, sorgt direkt ein ominöser Buzzer für Kopfzerbrechen – bis eine Person schließlich allen Mut zusammennimmt und ihn betätigt. Das verschafft ihr zwar Immunität beim ersten "Mord", führt aber auch dazu, dass sie gleich fünf andere Promis auserwählen muss, von denen einer die Nacht – im spielerischen Sinne – nicht überleben wird.

Blöd, wer zu diesem frühen Zeitpunkt noch nicht alle Namen seiner Kontrahenten auf dem Kasten hat und es schließlich notgedrungen so manchen trifft, den man eigentlich lieber verschonen würde. Nicht minder verwirrend gerät außerdem die Teilnahme von Julia und Nina Meise, den aus einer Pharma-Werbung bekannt gewordenen Zwillingen. Ganz davon zu schweigen, dass sich zwei der Verräter schon in der ersten Folge beinahe um Kopf und Kragen reden.

Die Verräter - Staffel 4 © RTL / Julia Feldhagen Marijke Amado und Moderatorin Sonja Zietlow
Überhaupt lässt die Auftaktfolge, die RTL jüngst auch im Rahmen einer prominent besetzten Premiere im Kölner Cinenova-Kino zeigte, die berechtigte Hoffnung zu, dass der Sender zusammen mit der Produktionsfirma Filmpool ein gutes Händchen bei der Besetzung des Casts bewiesen hat - wenngleich besagtes Zwillingspärchen durchaus einen gehörigen Nerv-Faktor an den Tag legt. Umso unterhaltsamer gerät aber der Auftritt von Marijke Amado. Die frühere Moderatorin der "Mini Playback Show" legt nicht nur eine bemerkenswerte Spielfreude an den Tag, sondern zündet ein regelrechtes Sprüche-Feuerwerk. Die Zutaten stimmen also. Nun bleibt zu hoffen, dass endlich auch das deutsche Publikum mit den "Verrätern" warm wird. Die Show hätte es definitiv verdient.

"Die Verräter – Vertraue Niemandem", bei RTL+, Sky und Wow und ab ab dieser Woche jeweils montags bis donnerstags um 20:15 Uhr bei RTL