Foto: ZDF/Carmen Sauerbrei © ZDF/Carmen Sauerbrei
Die Kritik zur Sendung

Kein Abgesang auf "Wetten, dass..?"

 

Man könnte bestimmt viele Dinge an "Wetten, dass..?" vom Samstagabend kritisieren - aber eigentlich hat Gottschalk doch genau das geschafft, wofür er da ist.

von Uwe Mantel
11.11.2007 - 14:48 Uhr

Foto: ZDF/Carmen Sauerbrei„Wetten, dass..?“ ist nicht nur die meistgesehene Show des deutschen Fernsehens, es ist mit Sicherheit auch eine der meistkritisierten. Kaum eine Ausgabe, nach der sich am nächsten Tag nicht irgendjemand zu einem Verriss hätte hinreißen lassen, manchmal sicher nicht ganz zu Unrecht.

Auch wer diesmal einen Abgesang auf „Wetten, dass..?“ schreiben wollte, hätte kein Problem, gleich mehrere Ansatzpunkte zu finden. International hochrangige Gäste fehlten, die Wetten waren nicht unbedingt spektakulär, die Gäste kamen nur, weil sie einen neuen Film, ein neues Buch oder eine neue Tournee zu promoten hatten – und Gottschalks Witze hatten doch eh kein Niveau.

All das könnte man kritisieren – doch warum? Wer sich am Samstag die zweidreiviertel Stunden vor den Fernseher gesetzt hat, musste es nicht bereuen und wurde gut unterhalten – und was will man denn mehr? Hat es denn geschadet, dass diesmal keine US-Filmstars auf Gottschalks Couch saßen? Dass „Wetten, dass..?“ zeitweise eher nach einer etwas groß geratenen Ausgabe von „Gottschalk & Friends“ aussah, wo zum gefühlt zwanzigsten Mal Alice Schwarzer zu Gast war?


Nein, eher im Gegenteil: Erstens fehlte diesmal die Sprachbarriere als Spontaneitätsbremse. Und zweitens sind Sticheleien und Frotzeleien unter guten Bekannten, wie es Thomas Gottschalk und Alice Schwarzer oder Boris Becker augenscheinlich sind, doch erst wirklich möglich. Anspielungen auf die, nennen wir es unsteten Liebesverhältnisse bei Boris Becker oder das Sticheln mit manchem Vorurteil gegenüber Alice Schwarzer („Wer denkt denn bei Dir auch an Mode“) wären gegenüber den meisten hochkarätigen Gästen aus Übersee, mit denen sich die Konversation meist auf ein „Ich freue mich so hier zu sein und deutsche Fans sind eh die Besten“ beschränkt, gar nicht denkbar.

Sicher hatten manche Sprüche Gottschalks nicht das höchste Niveau, waren manchmal vielleicht sogar zumindest an der Grenze zur Gürtellinie – doch mal ehrlich: Gottschalk war nie anders und mit derartigen Sprüchen ist er groß geworden. Gottschalk ist spontan und dabei rutscht ihm vielleicht auch manches raus, was er nach längerem Überlegen nicht öffentlich gesagt hätte – und das ist wohltuend und ein Grund, warum er immer noch ein Millionenpublikum zum Einschalten bewegen kann – ihm das nun vorzuwerfen, ist hingegen scheinheilig.

Und die Wetten? Ja, es fehlte vielleicht die richtig spektakuläre Aktion mit großen Aufbauten. Doch dafür waren die vorhandenen um so origineller. Dass ein Mann in fünf Minuten einen Kürbis aushöhlt, sich reinsetzt und dann über einen See paddelt, hört sich nicht nur skurril an, sondern sah auch skurril aus. Und dass ein Mann im Wasser-Schlabbern gegen seinen Hund angetreten ist, brachte sicher nicht nur die Menschen in der Halle dazu, in lautes Gelächter auszubrechen. Gut, dass ausgerechnet dieser Kandidat, der zudem noch haushoch verlor, zum Wettkönig des Abends gekrönt wurde, war für alle anderen Kandidaten an diesem Abend, die sich mehr anstrengen mussten, etwas schade. Doch es zeigt auch eines: Die Zuschauer wollen am Samstagabend gar nicht so hohes Niveau, wie Fernsehkritiker das vielleicht gerne hätten. Sie brauchen auch gar keine spektakulären Wetten. Sie wollen einfach gut unterhalten werden und lachen. Das hat „Wetten, dass..?“ diesmal ohne Frage geschafft.

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