Sky PK © clap / Daniel Häuser
Nach der ersten Sky-Präsentation

Lustlos: Wie Sky sich selbst um eine große Chance bringt

 

Mit dem Charme einer theoretischen Führerscheinprüfung bemühte sich Premiere am Mittwoch nicht wirklich spürbar darum, das neue PayTV-Angebot Sky überzeugend zu verkaufen. Eindrücke vom ersten Auftritt des neuen PayTV-Riesen, der leider sehr nüchtern und wenig emotional ausfiel. Ein Kommentar...

von Thomas Lückerath
28.05.2009 - 16:31 Uhr

SkyDie Vorstellung des neuen Programmangebots von Sky am Mittwoch im Münchener Literaturhaus erschöpfte sich über weite Teile in einer Darlegung des Programmangebots, was interessant gewesen wäre, wenn nicht im Grunde alles gleich bleiben würde. Das Angebot von Sky unterscheidet sich, abgesehen von anders zusammengestellten Paketen und vielfach in Sky-umgebrandeten Kanäle, allenfalls im Detail vom bisherigen Premiere-Programmangebot. Eine klare Botschaft, eine klare Linie, eine nötige Weiterentwicklung fehlt. Der große Relaunch erinnert eher an die tausendste Neuordnung des Angebots ohne ein direkt erkennbares, irgendwie anderes Konzept. Immerhin: Ein ausgebautes, sehr attraktives HDTV-Angebot wurde vorgestellt. Doch gerade als man dachte, es sei ein wirklicher Fortschritt, erfährt man, dass dies nur mit Einschränkungen bzw. - konkreter - nur für Sateliten-Kunden gilt. Als Sky-Sportvorstand Carsten Schmidt das neue Sportprogramm vorstellte, blieben auch ihm nicht mehr als ein paar Seiten einer unattraktiven Powerpoint-Präsentation um zu erklären, was neu ist.

Es ist völlig unverständlich, wie man gleichzeitig die große neue Entertainment-Marke sein will und bei der Präsentation den Eindruck erweckt, man habe selbst keine große Lust auf das Programm. Sicherlich nicht förderlich ist dabei die Tatsache, dass einige Führungskräfte des Unternehmens in mal mehr, mal weniger gutem Englisch nicht wirklich überzeugen und mitreissen können. Sicher: Solange das die groß angekündigte Werbekampagne ab Juli macht, fällt die Präsentation am Mittwoch nicht schwer ins Gewicht. Und  es geht natürlich auch nicht darum, dass Journalisten gut unterhalten wollen werden, aber sie sind nun einmal die Multiplikatoren, die dann gegebenenfalls ein eher tristes Bild von der Sky-Präsentation zeichnen.
 

 
In solchen Momenten fragt man sich, ob nicht auch die Unterhaltungs- und Überzeugungskraft von Ex-Chef Georg Kofler mit einem Millionenwert in den Büchern hätte stehen müssen - was er wert war, merkt man erst, seit er weg ist. Oder waren die Erwartungen an Sky einfach zu hoch geschraubt? Wohl kaum. Denn dass ein Komplett-Relaunch die Erwartungen steigert, weiß man. Und wenn der weltweit agierende Medienriese News Corporation die internationale PayTV-Marke Sky in Deutschland einführt, dann erwartet man mehr als eine nüchterne Pressekonferenz, die in Sachen Atmosphäre mehr an eine theoretische Führerscheinprüfung als an „die neue Welt des Entertainment“ (O-Ton Sky) erinnert. Dazu eine endlose Powerpoint-Präsentationen, die nur einmal durch einen einminütigen Kurz-Trailer mit Logo-Animationen unterbrochen wird, war da - und anders lässt es sich nicht formulieren - eine völlige Enttäuschung.

SkyDenn wenn schon die Inhalte nur alter Wein in neuen Schläuchen sind, dann sollte man umso mehr darum bemüht sein, ihn dem Publikum dennoch schmackhaft zu machen. Doch selbst bei der auf die Pressekonferenz folgende Frage/Antwort-Runde fielen die Antworten auffallend kurz und knapp aus. Als dann auch noch ein Journalist als Frage formuliert richtig anmerkt, dass es für Bundesliga-Fans ja dann besser wäre noch vor dem Relaunch schnell ein Fußball-Abo abzuschließen und nur 19,90 Euro statt künftig 32,90 Euro zu zahlen,   geht die anwesende Führungsetage von Sky darauf gar nicht ein. Man kommt nicht um den Eindruck drum herum, dass man die Bekanntgabe des neuen Angebots im Unternehmen scheinbar mehr als notwendiges Übel denn große Chance sieht. Dabei gab es seit Jahren im deutschen TV-Geschäft kein größeres oder spektakuläreres Rebranding - eine Tatsache die man bei der nüchternen Veranstaltung im Münchener Literaturhaus am Mittwoch beinahe vergaß.

Angelsächsisch kurz und knapp, fokussiert auf die als Präsentation vorliegenden Fakten und mit dem unbändigen Glauben daran, dass die Kunden es einfach auch genauso sehen werden, wie man selbst: Der erste Auftritt des neuen deutschen PayTV-Riesen, übrigens ganz kurzfristig einberufen, fiel pragmatisch und sehr selbstsicher aus. Bleibt nur zu hoffen, dass die Außenkommunikation gegenüber den Kunden ab Juli deutlich emotionaler ausfällt. Andernfalls hat man dann wirklich jede Chance vertan, mit dem Relaunch auch etwas zu verändern. Denn wenn schon wenig neu ist, sollte man das dann gut genug verkaufen, damit es nicht auffällt. Am Mittwoch in München ist das noch nicht gelungen.

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