Man muss dankbar dafür sein, dass Helmut Markwort abgesagt hat. Denn mit ihm wäre "Eins gegen Eins" kaum so kurzweilig geworden. Die Premiere des neuen Sat.1-Polittalks mit Claus Strunz am späten Montagabend überraschte - und das durchaus positiv. Doch das allein ist erst die halbe Miete: Auch wenn am Ende Vizekanzler Westerwelle Sat.1 für den Versuch eines Polttalks lobte, so bleibt abzuwarten ob der Sender nicht viel zu lange alles dafür getan hat, seine Zuschauer von aktuellen und relevanten Informationsprogrammen zu entwöhnen. Ein Sendeplatz um 23.30 Uhr hilft nicht unbedingt dabei, die Sendung zu entdecken.

Dabei konnten diejenigen, die eingeschaltet haben, nach kurzen Einspielern zu den beiden Positionen eine lebhafte Diskussion zwischen Guido Westerwelle und dem "Handelsblatt"-Chefredakteur Gabor Steingart erleben. Gastgeber Claus Strunz blieb, abgesehen von vereinzelt hartnäckiger, vielleicht etwas übertriebener Nachfrage, dezent im Hintergrund. Alles bestens also? Leider nicht. Denn die Premiere von "Eins gegen Eins" hat sich die Redaktion mit einer unglücklichen Themenwahl unnötig verhagelt. Die Gäste sollen auf den Punkt kommen, doch die Fragestellung der ersten Ausgabe tat dies nicht:  "Atom, Libyen - einmal Hü, einmal Hott: Macht Wählen noch Sinn?"

 

 

In dem sperrigen Thema sah Moderator Strunz trotzdem "viel Zündstoff". Soviel sei vorweg genommen: Das Publikum nicht. In einer Abstimmung im Studio stimmten zu Beginn wie auch am Ende 80 Prozent mit "Ja", nur 20 Prozent mit "Nein". Wenig überraschend, wenn selbst "Handelsblatt"-Chef Steingart als Vertreter der "Nein"-Seite am Ende einräumt, dass Wählen natürlich Sinn mache - und damit den Unsinn der Fragestellung offenbart. Hier wollte man zu viel. Libyen und Japan - beides sollte rein. Hoffentlich erliegt man der Versuchung nicht noch einmal. Denn wenn das Format der Sendung die Reduzierung auf eine zur Abstimmung stehende Frage vorsieht, muss diese auch wirklich sitzen.

Sonst wäre das ähnlich inkonsequent wie die Tatsache, dass aus "Eins gegen Eins" am Ende "Zwei gegen Zwei" wurde: Im Laufe der Sendung bekamen Westerwelle und Steingart Unterstützung zur Seite gestellt. Auch das untergräbt nur unnötig das Prinzip der Sendung, die im Titel schon verspricht: "Eins gegen Eins". Dass das funktionieren kann, merkte man am intensiven Schlagabtausch. Hier war deutlich mehr Leben drin als bei so mancher gemütlichen Gesprächsrunde. Erkenntnisgewinn? Nun, in der Sache liefert der neue Sat.1-Talk genauso wenig wie andere Sendungen. Was die Streit- und Debattierkultur der beiden Kontrahenten angeht, ist das 45-minütige Format jedoch sehr aufschlussreich.

Wer sich nicht daran stört, dass "Eins gegen Eins" aussieht wie "Wer wird Millionär" für Politiker - inklusive viel Lichteffekten und Publikumsjoker, pardon, -abstimmung -  der sollte mal einen Blick riskieren. Möglichst schnell. Man weiß ja nie wie lange der Atem der Sender bei solchen nicht gerade kostengünstigen Prestige-Projekten ist. Bei Sat.1 betont man: Der Atem sei lang. Es wäre dem Format - mit etwas Weiterentwicklung - zu wünschen, wenn man es schafft ein attraktives Gäste-Level zu halten. Doch die Zweifel daran, dass so ein Format von Sat.1 nicht mehr erwartet und dementsprechend auch nicht gesucht und gefunden wird, sind ebenso berechtigt. Immerhin scheiterten die letzten drei Polittalk-Versuche des Senders genau deswegen.