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ZDFneo feiert dritten Geburtstag

Gar nicht so neo: Sinnsuche in der digitalen Sparte

 

In diesem Tagen feiert ZDFneo seinen dritten Geburtstag. Doch sowohl die anfängliche Euphorie der Mainzer als auch die Aufregung der privaten Konkurrenz haben sich inzwischen gelegt - womöglich auch, weil es ZDFneo an Aufregern fehlt.

von Alexander Krei
31.10.2012 - 14:05 Uhr

Eigentlich darf man ja vorher nicht gratulieren - wir tun's im Fall von ZDFneo ausnahmsweise aber doch mal. Am 1. November wird der Spartensender seinen dritten Geburtstag feiern. Eine große Feier wird es nicht geben, dafür ist ein dritter Geburtstag schlicht zu unbedeutend. Doch gäbe es überhaupt einen Grund zum Feiern? Von der großen Euphorie ist längst nicht mehr so viel zu spüren wie in den Anfangstagen. Gleichzeitig hat sich die Aufregung der privaten Konkurrenz um ZDFneo weitgehend gelegt. RTL & Co. fürchteten damals, dass sich das ZDF plötzlich auch verstärkt für internationale Filme und Serien interessieren würde und damit ein Feld beackern könnte, das sonst zumeist die Privaten für sich in Anspruch nahmen.

"Wenn ARD und ZDF auf Einkaufstour gehen, hat das für uns keine positiven Effekte auf den Rechteerwerb", sagte ein RTL-Mann vor dem Start von ZDFneo, der großen Unbekannten vom Lerchenberg. Doch mit Blick auf die nach wie vor oft bescheidenen Marktanteile von ZDFneo wird man in Köln, aber auch bei ProSiebenSat.1 die Situation inzwischen ein weing entspannter sehen - zumal man in der Zwischenzeit selbst mit Sixx und RTL Nitro eigene Spartensender an den Start gebracht hat, die noch dazu häufig erfolgreicher sind als der ZDF-Ableger. Dessen Entwicklung ist trotz eines kontinuierlichen Aufwärtstrends tatsächlich ein wenig enttäuschend. 2010 erreichte ZDFneo im Schnitt nur 0,2 Prozent Marktanteil, 2011 waren es 0,4 Prozent.

Mit 0,6 Prozent - übrigens auch bei den 14- bis 49-Jährigen - kann man im Jahr 2012 den Trend zwar weiter fortsetzen, doch die Marke von einem Prozent, die der heutige Intendant Thomas Bellut vor drei Jahren ins Visier nehmen wollte, ist nach wie vor ein gutes Stück entfernt. Das ist vor allem deshalb überraschend, weil es sich die neue Sender-Chefin Simone Emmelius, Jahrgang 1958, zur Aufgabe gemacht, den Mainstream stärker in den Fokus nehmen zu wollen. Im Programm sieht das dann so aus: Gerne werden Krimiserien, die schon im Hauptprogramm erfolgreich sind, auch bei ZDFneo ins Programm genommen. So findet man "Inspector Barnaby", "Wilsberg" und "SOKO Leipzig" in der digitalen Sparte inzwischen sehr häufig auf prominenten Sendeplätzen. All das wirkt bisweilen etwas ziellos. Was fehlt, sind die Aufreger, das Unberechenbare.

Besondere Programme, die man sich im Hauptprogramm nicht trauen würde, laufen dagegen selbst bei ZDFneo oft nur zu teils unverschämten Sendezeiten. "30 Rock" startete in der Vergangenheit desöfteren nach Mitternacht und auch für "Mad Men" muss man länger aufbleiben. Ansonsten sendet sich ZDFneo mit alten Kochshows, Telenovelas und Serien-Klassikern durch den Tag. Für so viel Mainstream fallen die Marktanteile erstaunlich überschaubar aus. Die Eigenproduktionen halten sich im Gegenzug gefühlt in Grenzen. Zwar leistet sich ZDFneo mit "Bambule" ein nettes Magazin und mit "German Angst" eine spannende Reportage-Reihe, doch gleichzeitig bleiben eben viele offene Fragen. Benjamin von Stuckrad-Barre hat bei Tele 5 eine neue Heimat gefunden und ob Joko und Klaas im kommenden Jahr noch mit "neoParadise" auf Sendung gehen oder doch den Verlockungen von ProSieben erliegen werden, steht zum jetzigen Zeitpunkt noch in den Sternen.

Man kann Emmelius nur empfehlen, schon mal einen Notfallplan in der Tasche bereitzuhalten. Dabei stünde ein Format wie jenes mit Stuckrad-Barre einem Sender wie ZDFneo nur allzu gut. Für das ZDF selbst eröffnete sich mit dem Start von ZDFneo einst auch die Möglichkeit, auffälligere Programmfarben zu testen - nicht zuletzt mit Blick auf deren Eignung für das Hauptprogramm. Nach drei Jahren bleibt festzuhalten, dass in diesem Punkt noch reichlich Luft nach oben besteht. Bislang hat sich das ZDF durch den jungen Digital-Bruder noch nicht nennenswert verändert. Das mag man bedauern, könnte sich aber ändern, auch weil der frühere ZDFneo-Chef Norbert Himmler in der Zwischenzeit zum Programmdirektor des Hauptprogramms aufgestiegen ist. ZDFneo ist, so scheint es, im Alltag angekommen. Und mitunter ist der Sender sogar berechenbar, ja fast schon langweilig geworden. Dabei liegt die Lösung dieses Problems möglicherweise ganz nah: Vielleicht sollte man es auf dem Lerchenberg einfach mal wieder neo sehen.

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