Circus HalliGalli © ProSieben
DWDL.de-TV-Kritik zu "Circus HalliGalli"

"Hey Jungs, ich hab ein supergutes Gefühl"

 

Nach ihrem Abschied von ZDFneo schlagen Joko und Klaas ihre Zelte nun bei ProSieben auf. Glücklicherweise unterschied sich "Circus HalliGalli" nicht sonderlich von "neoParadise". Das ist eine gute Nachricht, könnte aber ein Risiko für ProSieben sein.

von Alexander Krei
26.02.2013 - 01:06 Uhr

Wohl nur wenigen neuen Sendungen von ProSieben wurde zuletzt im Vorfeld so viel Aufmerksamkeit zuteil wie "Circus HalliGalli" - dem neuen Format mit Joko und Klaas, dessen Titel schon mal ähnlich sinnfrei ist wie jener des Vorgängers "neoParadise". Doch wer wissen wollte, was man von der Premiere zu halten hat, der musste am Montag einfach nur mal das Ende der neuen Show mit dem Anfang von "TV total" vergleichen. Fast schon aus der Zeit gefallen wirkte Stefan Raabs Sendung, deren Existenz mit dem ständig eingeblendeten Begriff "Dauerfernsehsendung" tatsächlich ganz gut umschrieben ist: "TV total" ist einfach immer da. Komme, was wolle. Ohne Kompromisse und nur noch selten mit Überraschungen. An Letzterem mangelte es dem neuen "Circus HalliGalli" übrigens glücklicherweise nicht.

"Hey Jungs, ich hab da ein supergutes Gefühl", sagte Wolfgang Lippert, der plötzlich kurz vor Schluss mit ernster Miene auf der Bühne stand, während das Publikum im Hintergrund bereits das Studio verließ. Im Abspann war zuvor bereits zu lesen: "Diese Sendung genießt das uneingeschränkte Vertrauen von Dr. Angela Merkel." Lipperts Auftritt und dieser Satz - eigentlich ist beides schon für sich genommen ein Ausdruck des Scheiterns. Es war der wunderbar selbstironische Abschluss einer Sendung, von der nicht jeder glaubt, dass sie in dieser Form bei ProSieben überhaupt funktionieren kann. Nicht ganz ohne Grund sah man Joko und Klaas gleich zu Beginn von "Circus HalliGalli", wie sie angeschnallt dazu gezwungen wurden, das Programm ihres neuen Heimatsenders anzuschauen und dabei eintauchten in eine Welt von "taff", Topmodels und einigen bunten Formaten, die das Moderatoren-Duo selbst schon für ProSieben präsentierte.

Ob "Circus HalliGalli" tatsächlich in dieses Umfeld passt, wird die spannende Frage sein, die es in den kommenden Wochen zu beantworten gilt, zumal Joko und Klaas mit ihrer neuen Show im Grunde genommen nichts anderes machen als zuletzt bei ZDFneo mit "neoParadise" vor im besten Falle 100.000 Zuschauern. Doch genau das ist wahrscheinlich die beste Nachricht des Abends: Weite Teile der ProSieben-Premiere hätten genauso gut auch im Nischenprogramm laufen können, auch wenn ProSieben eine große Showtreppe spendierte. Man nehme nur die gewohnt kuriosen Bauchbinden oder den fabelhaften Bericht von Olli Schulz, der sturzbetrunken über eine Berlinale-Party stolpert und sich dabei mit allen anlegt, die sich ihm in den Weg stellen. "Ihr könnt aufhören zu arbeiten", lallt Schulz in Richtung des Küchenpersonals und fügt schließlich lautstark hinzu: "Alles glatte Affen da draußen!"

Schön, dass man es sich auch nach dem Abschied aus der digitalen Sparte traut, solche mehrminütigen Einspielfilme zu zeigen. Aber auch sonst gaben sich die Macher von "Cirus HalliGalli" sichtlich Mühe, aus dem Rahmen zu fallen. Das fängt beim - etwas zu groß geratenen - Studio im Stil der 20er Jahre an und endet bei zwei Szenen, in denen das Moderatoren-Duo dem Kollegen Oliver Pocher deutlich zu verstehen gibt, dass er es nicht in die Show schaffen wird. "Du bist zu klein", pöbelt Klaas und Joko schreit Pocher wenig später regelrecht an: "Verpiss dich von unserer Straße!" Nein, Mainstream-Unterhaltung ist "Circus HalliGalli" gewiss nicht, dafür aber ganz sicher eine Sendung, der man die Leidenschaft ihrer Macher anmerkt. Umso besser, dass sich ProSieben sichtlich Mühe gab, ihnen beim Einstand unter die Arme zu greifen und überraschend lediglich eine Werbepause einflocht.

Ohnehin könnte ProSieben im besten Falle der große Gewinner dieser Sendung sein. Selbst im Falle mäßiger Quoten verschafft "Circus HalliGalli" dem Sender zwischen all dem Sitcom-Allerlei wieder ein gutes Stück des zuletzt etwas verloren gegangenen Profils. Nur übertreiben sollte man es nicht: Ob der skurrile Auftritt von Helge Schneider im Stile seiner Nonsens-Rollen aus nächtlichen Formaten von Alexander Kluge nicht womöglich doch etwas zu viel des Guten war, werden die Quoten zeigen. Dass man sich darum erst mal nicht weiter zu scheren scheint, dürfte die Fans der Vorgänger-Formate bei MTV und ZDFneo jedoch vorerst beruhigen. Wenn es abgesehen vom Sender-Logo die größte Änderung ist, dass Schreibtisch und Sofa nun die Seiten gewechselt haben, dann haben Joko und Klaas bei ihrer "HalliGalli"-Premiere sicher nicht allzu viel verkehrt gemacht.

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