Das Spiel beginnt © ZDF/Frank W. Hempel
DWDL.de-TV-Kritik

"Das Spiel beginnt": Game Over am Samstagabend

 

Das ZDF hat die Liebe zu Brettspielen für sich entdeckt und daraus gleich eine ganze Show gebastelt. Die geriet allerdings so wenig innovativ wie man es vermuten konnte und langweilte irgendwann sogar Kerners kleine Co-Moderatorin...

von Alexander Krei
08.03.2015 - 09:05 Uhr

Darauf muss man erst mal kommen: In der ersten Sendung, die das ZDF nach der Einstellung von "Wetten, dass..?" am Samstagabend testet, wird "Memory", "Vier gewinnt" und "Spitz pass auf" gespielt. Und auch wenn es sich bei "Das Spiel beginnt" erklärtermaßen um einen Neustart handelt, so waren die Zutaten, die der Sender wählte, bestens bekannt: Man nehme Kinder, eine Hand voll Promis und Johannes B. Kerner als Moderator – fertig ist die Unterhaltungssoße. So weit, so vorhersehbar. Einen Innovationspreis sollte man auf dem Lerchenberg für das jüngste Show-Projekt also besser nicht erwarten.

Schon der Beginn ließ nichts Gutes verheißen: Da stand plötzlich Emma Schweiger ganz verlassen auf der Bühne und versuchte mehr schlecht als recht, "Nachwuchs-Moderator" Kerner anzusagen, der ja "total aufgeregt" sei. Tatsächlich war es vor allem die Tochter von Schauspieler Til Schweiger, die glucksend und sichtlich nervös ihre erste Moderation absolvierte. Gut möglich, dass dieser Auftritt Emma Schweiger ein Leben verfolgen wird und sie ihn, sofern das mit der erhofften Film-Karriere klappt, noch in 40 Jahren als Talkshow-Gast wird kommentieren müssen. Kerner versuchte die Situation zu retten und sprach mit Blick auf die Klamotten, die sie trug, beinahe anerkennend davon, dass Emma ja "schwer auf dicke Hose oder gelben Rock" mache. Was man eben so sagt, wenn der Start einer neuen Sendung, sagen wir: suboptimal verläuft.

Nun kann man einem 12-jährigen Mädchen freilich keinen Vorwurf machen, wenn der Auftritt auf der großen Show-Bühne nicht so rund läuft wie bei einem alten Show-Hasen. Man kann jedoch die Frage stellen, ob das ZDF wirklich gut daran tat, die derzeit vermutlich bekannteste Schauspieler-Tochter des Landes als Co-Moderatorin seiner neuen Spielshow auszuwählen. Mitunter wünschte man sich, die erstaunlich schnell gelangweilte Emma Schweiger wäre ihrem Nachnamen doch bitteschön gerecht geworden. Einen Gefallen erwies der Sender letztlich weder ihr noch Johannes B. Kerner. Der musste während des dreistündigen Spieleabends nämlich nicht nur die Zügel in der Hand halten, sondern sich nebenbei auch noch als Erziehungsberechtigter versuchen, was mal mehr und mal weniger gut funktionierte.

Das galt auch für die Spiele, die man sich für die Premiere ausdachte. Neben gelungenen Runden wie dem Finale oder der liebevollen Umsetzung des vielerorts zum Trinkspiel umfunktionierten "Looping Louie" gab es leider auch so manch zähe Minuten. Etwa beim Versuch, einen großen Ballon so lange mit Stäben zu malträtieren bis dieser platzt. Dummerweise platzte er nicht, sondern zog es nach 20 Minuten vor, nach und nach die Luft zu verlieren - bis Kerner dem Elend ein Ende setzte und selbst Hand anlegte. Die Luft ging der Show aber auch beim "Trivial Pursuit"-Quiz aus, bei dem Kerner irgendwann beschloss, seine kleine Co-Moderatorin von der Last zu befreien, die Fragen halbwegs fehlerfrei vorzulesen.

Wenn "Das Spiel beginnt" einen Gewinner hervorbrachte, dann war es "Bergdoktor" Hans Sigl. Der Schauspieler, der zusammen mit Veronica Ferres, Kostja Ullmann und Bülent Ceylan das Promi-Team bildete, offenbarte unerwartete Spielfreude und begegnete den kleinen Gegnern nicht nur auf Augenhöhe, sondern auch mit einer guten Portion Selbstironie. Schon nach seiner gelungenen Fernsehpreis-Moderation konnte man die Frage stellen, wieso zum Teufel noch niemand auf die Idee gekommen ist, diesem Mann mal eine eigene Show zu geben. Am Ende gingen Sigl und seine Mitstreiter dennoch als Verlierer vom Platz. Das ist etwas schade, weil man zu gerne gewusst hätte, welche Wünsche das ZDF den Promis im Falle eines Sieges hätte erfüllen müssen. Der Wunsch nach weiteren Moderationseinsätzen für Emma Schweiger wird eher nicht dazugehört haben.

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